Fast wie im Tante Emma Laden

Alltag bei der Wasserburger Tafel

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Fast wie im Tante Emma Laden: Einkaufen bei der Tafel
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Wasserburg – Viele waren skeptisch, ob eine Tafel in Wasserburg gebraucht wird. Elke Pawelski hat sie dennoch ins Leben gerufen. Jetzt nach mehr als einem Jahrzehnt merkt man den Mehr-Bedarf.

Jeden Dienstagvormittag werden die Türen der Wasserburger Tafel geöffnet.

Bereits einen Tag zuvor karren viele Ehrenamtliche Mengen an Waren herbei, die von umliegenden Firmen und Geschäften gespendet werden. Mit dem Angebot der Warenausgabe ist es jedoch nicht getan in der Innstadt.

Die Tafel entwickelt sich weiter

Die Wasserburger Tafel hat genau vor 1 Jahr das Tafel-Café eröffnet. Seither können sich alle, die sonst vor der Türe warten mussten, bis sie dran sind, im Café bei einer Tasse warmen Getränk sitzen.

Die Atmosphäre ist richtig nett. Ein heller Raum, der sich unmittelbar neben dem Laden der Wasserburger Tafel befindet, lädt zum Verweilen ein. Immer wieder kommen Menschen herein. Mittlerweile kennen sich die meisten untereinander.

Jeder ist charakteristisch ganz unterschiedlich, doch alle verbindet das Gleiche: Die soziale und finanzielle Lage macht es erforderlich, dass jeder von ihnen das Angebot der Tafel nutzt.

Alltag bei der Wasserburger Tafel

Bedarfskärtchen werden nach der jährlichen Prüfung des persönlichen Bedarfs ausgegeben, hinzu kommen Zeitkärtchen, die jeder Tafelkunde wöchentlich erhält. Somit steht fest, wann welcher Kunde in den Laden kommen kann, um sich aus dem Sortiment zu nehmen.

Weil der Raum nicht wirklich groß ist, kann nur eine begrenzte Anzahl von Personen gleichzeitig herein. Jede Woche wird die Uhrzeit variiert, damit alle Kunden mal als erstes an das breite Angebot ran dürfen. So geht es für alle fair zu.

Das Sortiment an Lebensmitteln ist reichlich bestückt. Von Obst und Gemüse über Backwaren. Auch Butter, Käse, Wurst und so manche Süßigkeit tut sich in den Regalen auf. Es herrscht eine nette Atmosphäre hier. Es riecht nach Brot, die ehrenamtlichen Helfer empfangen die Kunden sehr freundlich und alles gleicht einem Tante Emma Laden.

Doch bei den Kunden der Tafel nachgefragt, kommen recht unterschiedliche Antworten.

Martina ist sehr dankbar, dass sie für sich und ihre Familie hier Lebensmittel holen kann. „Mit einem Einkaufszettel brauche ich zwar nicht zu kommen, denn man weiß nie, welche Angebote es aktuell gibt. Aber ich habe noch aus jeder Ware etwas gezaubert, das durchaus Vielfalt zulässt. Ich finde es großartig, dass es die Wasserburger Tafel gibt. Alle sind hier sehr nett und durch die gespendeten Sachen schaffen wir unseren Alltag mit einer Großfamilie gut“. Jede Woche schaut Martina und 85 weitere Kunden vorbei, um bei der Tafel Lebensmittel zu erhalten.

Pro Woche wird ein obligatorischer Euro bezahlt, um ein Einkaufs-Verhältnis aufrecht zu erhalten.

Dies sei auch wichtig, heißt es von Elke Pawelski, die vor nunmehr 11 Jahren die Wasserburger Tafel  ins Leben gerufen hat. „Man schätzt die Ware mehr, wenn man im Grundsatz etwas dafür bezahlt“, findet Pawelski. Auch in ihren Augen sind die meisten der Tafelkunden durchaus mit dem Sortiment zufrieden und auch glücklich darüber, dass es dieses Projekt der Diakonie gibt.

Leider sind manche der Betroffenen nicht so angetan davon, dass es an manchen Dienstagen nicht die Dinge gibt, die sie fest vorausgesetzt haben. „Was ist das für ein Saftladen“ hatte sich Elke Pawelski schon einige Male anhören müssen. „Das macht uns dann schon auch ein wenig traurig, denn wir versuchen, vielfältige Waren anzubieten und sind für alles, was uns die Firmen geben, sehr dankbar. Dass es an manchen Tagen dann nicht das gibt, was den Menschen gerade in den Sinn kommt, liegt nicht in unserer Hand“. Doch diese unschönen Aussagen von Kunden bleiben eher die Ausnahme. Elke Pawelski und ihr Team aus insgesamt 34 freiwilligen Helfern ist bereits Montagnachmittags immer unterwegs, um die Waren von den Firmen abzuholen.

Mit Privatautos oder auch dem Transporter mit Kühlaggregat werden die Lebensmittel herangeschafft.

Am Dienstag stehen dann mindestens 8 Ehrenamtliche im Tafelladen stehen, um einen reibungslosen Ablauf garantieren zu können. Pünktlich um 10 Uhr geht es immer los. Dann gibt es viele Dinge, die innerhalb von zwei Stunden gerecht aufgeteilt werden unter den Kunden. Weil jeder Kunde registriert ist, kann abgeschätzt werden, wer wie viele Personen im Haushalt mit zu versorgen hat.

Tafel-Café kommt gut an

 

Seit 1 Jahr gibt es das Tafel-Café in Wasserburg. Hier wird während der Ladenöffnungszeit im Raum nebenan Kaffee oder Tee und weitere Getränke sowie kleine Süßwaren angeboten. Das Café wird gerne genutzt und dient als gute Zulaufstelle während der Wartezeit. Herzlich gehen alle miteinander um.

Die Helfer sind äußerst zuvorkommend zu den Besuchern. Seit einigen Wochen wird im Café sogar Deutsch geübt.

Ulrike Delakowitz hat sich spontan dazu entschlossen, den Asylbewerbern, die Interesse haben, außerhalb der Deutschstunden durch die VHS, ein bisserl beim Deutschlernen zu helfen. Jetzt werden Dienstagvormittag also Wörter und Sätze geübt, und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Helfer sind kraftvoll bei der Sache

Wie schaffen die Ehrenamtlichen der Wasserburger Tafel diesen unermüdlichen Einsatz? „Es bereichert unseren Alltag“ findet Elke Pawelski, „wir machen diese Aufgabe sehr gerne und möchten uns so in die Gesellschaft einbringen“. Seit Jahren arbeiten die vielen Ehrenamtlichen an dem Dauerprojekt. Auch unterschiedliche Firmen bringen sich bereits lange Zeit schon durch Spenden ein.

Immer häufiger kommen zusätzlich Jugendgruppen oder Schulen auf die Idee, die Wasserburger Tafel zu unterstützen, was bei der Leiterin der Tafel große Freude auslöst. „Es ist toll zu sehen, dass die Wasserburger Tafel hohe Anerkennung in der Region hat und viele uns helfen wollen“. So haben sich jetzt gerade wieder zwei Firmgruppen mit einer Spende angekündigt. Sie möchten nach dem Sonntagsgottesdienst Suppe verkaufen und den Erlös dann der Tafel in Wasserburg spenden.

Seit einigen Jahren kommen zudem immer wieder Azubis einer Bank für zwei Tage vorbei, um der Tafel eine weitere ehrenamtliche Kraft für die Verteilung der Lebensmittel zur Verfügung zu stellen. Nicole ist diesmal da, um zu helfen.

Der Umgang mit Menschen gehört auch zum Alltag in der Bank. Der etwas andere Arbeits-Tag macht ihr große Freude. „Ich mag es sehr, wenn ich helfen kann und man merkt hier sofort, dass die Tafel eine gute Sache ist“.

Eine Sache, die weiter Bestand haben wird. Denn immer mehr Menschen lassen sich registrieren, um die Tafel nutzen zu können. Derzeit können mehr als 200 Leute versorgt werden, doch fast sei man an den Grenzen des Möglichen angekommen, heißt es von Elke Pawelski abschließend. Darum heißt es auch weiterhin: Ärmel hoch krempeln und auch zukünftig Engagement zeigen. Gemeinsam.

Quelle: rosenheim24.de

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