Rege Bürger-Diskussion in Wasserburg

"Ist ein normales Leben in der Altstadt überhaupt noch möglich?"

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Wasserburg - Informationen aus erster Hand gab Bürgermeister Michael Kölbl auf der ersten Bürgerversammlung in der Altstadt. Im Fokus lagen die künftigen Parkhausgebühren und der Verkehr auf der Halbinsel. 

Gleich als erstes nach Kölbls Rück- und Ausblick auf Wasserburgs Zukunft rückte das Thema Parkhausgebühren in den Mittelpunkt der Wünsche und Anträge. Ein junger Bürger könne nicht verstehen, wie sich die Zusammenstellung der Jahreskarte à 200 Euro zusammensetze. Verglichen mit München zahle man in Bayerns Hauptstadt doch deutlich weniger. Bürgermeister Kölbl stellte diese Aussage insofern richtig, dass die Bürger den Wasserburger Parkhaus-Stellplatz nicht mit einem Münchner Oberflächen-Parkplatz verwechseln dürften. Zudem sei die Jahreskarte übertragbar auf mehrere Personen und von der Steuer absetzbar. "Der Stadt ging es bei dem Beschluss und der Kalkulation der Gebühren darum, die laufenden Unterhaltskosten für die Parkhäuser zu finanzieren", erklärte Kölbl die Einführung. 

Traudl Inninger mahnte, die Parkplatzsituation in der Altstadt werde durch die Einführung der Parkhausbebühren nicht einfacher. "Auf der Burg ist es jetzt schon unmöglich ein Auto zu benutzen. Kaum stehe ich eine knappe halbe Stunde zum Ausladen oder Abholen einer Person, klebt ein Strafzettel an der Windschutzscheibe", ärgerte sich die Burg-Bewohnerin. "Ist ein normales Leben in der Altstadt überhaupt noch möglich?" 

Kölbl gab zu, die Parksituation auf der Burg sei problematisch, erklärte aber, der Stadt seien die Hände gebunden: "Die Parkplätze oben an der Burg sind für die Anwohner nicht gestattet. Eine Änderung ist trotz Gespräche leider nicht in Sicht."

"Rennstrecken" in der Altstadt 

Dass sich die Parkgebühren an der Rampe zum Nachteil für die Bewohner des Holzhofwegs auswirken könnten, indem alles zugeparkt werde, bezweifelte Kölbl und ließ die Zweifel der Anwohnerin mit dem Versprechen, Kontrollen in den engen Straßen durchzuführen, verschwinden. 

Ein weiters Ärgernis eines Wasserburgs sei die Strecke vom Heisererplatz zum Bahnhofsplatz Im Hag, die viele Autofahrer als "Rennstrecke" nutzen würden. Bürgermeister Kölbl versprach, in dem Bereich vermehrt Geschwindigkeitsmessungen durchführen zu lassen. Dafür könne man die Blitzer in Färbergasse oder Schmidzeile zwischen 6 und 7 Uhr morgens einsparen, schlug ein weiterer Bürger vor. "Die bringen nämlich leider nicht so viel." 

Der Vorschlag zum Einbau von sogenannten "Bodenwellen" zur Verringerung der Geschwindigkeit stieß jedoch auf geteilte Meinungen und ist auch nicht in Kölbls Sinne. "Da gibt's Autofahrer, die nutzen die Wellen zum 'Springen'", warnt eine Bürgerin. 

Bürgermeister Michael Kölbl stand bei der ersten Wasserburger Bürgerversammlung Rede und Antwort. 

"Sorgenkind" Stadtmauer

Ein älterer Wasserburger nutzte die Gelegenheit, um auf die marode Situation der Historischen Stadtmauer hinzuweisen. "Der ehemalige Landrat Neiderhell mahnte schon in den 80er-Jahren, wir sollen auf unsere Stadtmauer aufpassen, weil der Efeu uns alles kaputt macht". Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann erklärte, die Stadtmauer sei ihr persönliches "Sorgenkind", das sich nun in diesem Zustand befindet, weil sich scheinbar jahrzehntelang niemand gekümmert habe. "Wir sind aktuell mit den Sanierungsarbeiten beschäftigt, um dem Efeu, der sich mit seinem Wurzelwerk durch die Steine gebohrt hat, den Garaus zu machen", zeigte sich Herrmann kämpferisch.

In den Mittelpunkt der Diskussion rückte die Handhabung bei Straßensanierungen und Umlegung der Kosten auf Anwohner. "Habe ich ein Mitspracherecht, wenn ich eine Sanierung möglicherweise nicht möchte?", wollte eine Wasserburgerin aus dem Holzhofweg wissen. Bürgermeister Kölbl berief sich auf die Satzung der Erschließungs- und Straßenausbaubeiträge des Bayerischen Gemeindetags, die in ganz Wasserburg seit den 70er-Jahren verwendet werde. Allgemein sei beim Ablauf bei geplanter Sanierung maroder Straßen der erste Schritt die Begutachtung durch das zuständige Bauamt. Dabei liege der Fokus laut Stadtbaumeisterin Herrmann immer auf einer wirtschaftlichen langlebigen Planung. Ist eine Sanierungsbedürftigkeit vorhanden, werde ein Planentwurf entwickelt, Änderungswünsche von Anwohnern eingearbeitet. Erst dann könne man eine Kostenschätzung machen und es erfolgt der Bescheid an die Anwohner. Der Kostenanteil der Stadt Wasserburg liege bei 20 Prozent, der der Anlieger bei 80 Prozent. Die Höhe der Kosten sei jeweils abhängig von der Eigentumssituation

Jetzt, wo der Winter vor der Tür steht, mahnte eine Bürgerin, die Bauhof-Mitarbeiter mögen das Streusalz nicht so nah an den Häusern ausbringen. "Ich möchte nicht zusehen, wie mir wieder der Putz abbröckelt." Stadtbaumeisterin Herrmann beteuerte, sie sei bereits in Gesprächen bezüglich der Streu- und Räumdienste und werde genau diesen Punkt anbringen. Die Stadt verwende im Übrigen sowieso ein Gemisch mit so wenig Salz wie möglich

Energie & Umwelt: 

  • Ab dem 1. Januar 2018 gibt es die Biotonne in Wasserburg. Ab dem 4. Dezember wird die Tonne im Stadtgebiet geliefert, ab dem 12. Dezember können die Wasserburger kostenfreie Vorsortiereimer und Bioabfallbeutel erwerben. Die Leerung erfolgt ab dem neuen Jahr alle 14 Tage, die Leerung der Restmülltonne nur noch alle vier Wochen. Ab Januar kann man sich die Tonnen-App mit dem Abfallkalender auf dem Smartphone installieren. 
  • Seit Juli 2017 gibt es den Recup-Pfandbecher für "Coffee to go" in Wasserburg
  • Als Erfahrungsaustauch für Wasserburger Großbetriebe gib es das Energieeffizienznetzwerk. Im Rahmen des Energiedialogs finden in Wasserburg Veranstaltungen wie Thermograpie Spaziergänge, die Earth Hour oder die Wasserburger Klimawoche statt.
  • Wasserburg spart Energie durch die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED. Reitmehring und Attel stehen noch aus.
  • Die Strompreise in Wasserburg bleiben trotz steigender Netzentgelte stabil
  • Neben den bestehenden Strom-Tankstellen für E-Mobile im Parkhaus Kellerberg sowie am Reitmehringer Bahnhof finden sich neue Stationen am Gries und im Parkhaus Überfuhrsstraße. E-Bikes können am Gries und am Reitmehringer Bahnhof aufgeladen werden.
  • Eine künftige Kooperation mit Erdgas wird es mit der Gründung der gemeinsamen Netzeigentumsgesellschaft "Energienetze Wasserburg GmbH und Co. KG" ab dem 1. Januar 2018 geben.
  • Bei der geplanten DK1-Deponie in Odelsham steht als nächstes ein Eröterungstermin im ersten Quartal 2018 an.
  • 2017 entstanden in Wasserburg neue Flächen für Blumenwiesen gegen das Insekten- und Bienensterben

Soziales, Bildung & Kultur

  • Für soziale Belange aller Art steht der BürgerBahnhof seit April 2017 als Anlaufstelle zur Verfügung. 
  • Flucht und Migration: 18 Unterkünfte mit 262 belegbaren Plätzen für Flüchtlinge stehen im Stadtgebiet zur Verfügung. 217 Plätze sind aktuell belegt.
  • Die Kosten für die neue Kindertagesstätte in Reitmehring beliefen sich auf rund 191.000 Euro. Die Mittagsbetreuung wurde ausgebaut, die KiTa hat sich um rund 300 Quadratmeter vergrößert.  
  • Der Montessori-Kindergarten im Innsalzach-Klinikum ist im Rahmen des Klinik-Neubaus ins Haus 36 umgezogen. Die Umbaukosten betrugen 1,3 Millionen Euro, die Stadt Wasserburg bezuschusste davon rund eine Million und besitzt das Nutzungsrecht für KiGa-Zwecke für die nächsten 25 Jahre. 448.000 Euro waren staatliche Fördermittel.
  • Die Grundschule am Gries bekam für rund 35.000 Euro ein neues Lehrerzimmer im ehemaligen EDV-Raum. 2018 ist die Beseitigung des Feuchteproblems im Keller geplant. Überlegungen zu einem Turnahllen-Erstatzbau und Errichtung von Mittagsbetreuungsplätzen stehen noch an. Vorher müsse jedoch die Zukunft des Wertstoffhofs geklärt werden. 
  • Das Mehrgenerationenhaus feierte in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen. 
  • Für 730.000 Euro einschließlich Abbruch und viel Eigenleistung bekam der TSV 1180 Wasserburg ein neues Sportheim. Die Stadt bezuschusste den Bau mit 230.000 Euro. 
  • Im Badria fand im Sommer 2017 das erste "Sunset Festival" von Jugendlichen organisiert statt. 
  • Das Museumsdepot wird neugebaut. Ein Maßnahmenbeschluss steht noch aus, die Kostenschätzung beläuft sich aktuell auf rund 3 Millionen Euro. 
  • Die Achatzkirche wird aktuell für rund 940.00 Euro (Födermittel 540.000 Euro) saniert.

Bauen & Wohnen

Infrastruktur

Verwaltung & Finanzen

  • Das Bürgerbüro wird aktuell für rund 180.000 Euro barrierefrei umgebaut.
  • Der Haushalt 2017 zeigt sich laut Bürgermeister Kölbl leider "nicht mehr so rosig". Der Gesamt-Haushalt beträgt 47.240.500 Euro, der Vermögens-Haushalt beläuft sich auf 12.437.000 Euro und der Verwaltung-Haushalt liegt bei 34.803.500 Euro. "Beim der Gewerbesteuer werden wir keine 10 Millionen Euro erreichen, sondern heuer nur maximal 5 Millionen Euro", konstatierte Kölbl nüchtern. "Wir befinden uns aktuell in einer extrem schwierigen Haushaltslage." Die Stadt habe Schulden in Höhe von knapp 4 Millionen Euro und Rücklagen von 10 Millionen Euro, weshalb Kölbl von einer baldigen Besserung der Situation ausgeht.

Leben auf der Halbinsel - Ihre Meinung: 

mb

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