Pro-Bahn-Vorstand zu jüngster Gerichtsverhandlung *Mit Voting*

Altstadtbahn reaktivieren: "Die Zeit arbeitet gegen uns" 

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Die Schienen der stillgelegten Altstadtbahn existieren noch. Norbert Moy, Vorsitzender des Vereins ProBahn, erklärt, wieso eine Reaktivierung der Trasse von Vorteil wäre. 
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Wasserburg/München - Nimmt die ehemalige Altstadtbahn am Inn-Ufer nach über 30 Jahren Stillstand ihren Betrieb möglicherweise wieder auf? Ein großes Problem bei der Reaktivierung sei in erster Linie die Zeit, wie Pro-Bahn-Vorsitzender Norbert Moy im Interview betont.

Am Donnerstag, 18. Juli, wurde vor dem Verwaltungsgerichtshof in München die Klage in zweiter Instanz von Seiten der  Wasserburger Altstadtbahn GbR gegen den Freistaat Bayern zur stillgelegten Altstadtbahn behandelt, nachdem die Berufung des Konsortiums zugelassen wurde.

Eine endgültige Entscheidung, so erklärt es Pressesprecherin Dr. Franziska Haberl, stehe noch aus: "Es ging in der Verhandlung primär um Sachverhalt und Tenor, Kosten sowie Umstände und Auswirkungen im Fall einer Reaktivierung der Trasse und um den möglichen Ausgang des Verfahrens. Mit einer Entscheidung rechnet der Vorsitzende Richter ab Mitte kommender Woche. Die ausführliche Begründung des Urteils wird in 14 Tagen vorliegen. 

Norbert Moy, Vorsitzender des Vereins ProBahn, betont, man sei als Kläger "vorsichtig optimistisch" aus der Verhandlung gegangen. Er bestätigt im Gespräch mit wasserburg24.de, dass sich der Kern der Verhandlung vorwiegend um formelle Fragen wie die der Betriebspflicht und damit eingehende Verpflichtungen gedreht habe: "Die Stadt Wasserburg hat die Strecke 2004 übernommen, aber nie in Betrieb genommen. Das Gericht beschäftigte sich damit, wie eine Übergabe an nachfolgende Betreiber aussehen könnte."

Natur statt Infrastruktur: Trasse verwittert 

Die ehemalige Trasse mit Schienen und Schwellen sei größtenteils noch vorhanden, allerdings habe sich über die vergangenen Jahre die Natur einiges zurückgeholt, was eine Wiederinbetriebnahme Moy zufolge nicht leichter mache: "Die Zeit arbeitet gegen uns. Je mehr Zeit seit der Stilllegung verstreicht, umso schwerer wird es für uns, den Kampf für die Reaktivierung fortzuführen." 

Weil die Trasse außerdem durch ein FFH-Gebiet (Flora, Fauna, Habitat) führe, seien bereits entsprechende Gutachten erstellt worden. "Natürlich wird es im Fall einer Reaktivierung der Strecke Auflagen geben, doch es gibt viele Bahnlinien, die reaktiviert wurden und auch durch FFH-Gebiete führen. Das sollte kein Hindernis darstellen", betont Moy. 

Des Weiteren müsse man die Bestandstrasse, die unter anderem durch das Betriebsgelände der Firma Meggle in Reitmehring führt, reparieren und instand setzen. Die letzte grobe Kostenschätzung liege laut Moy rund fünf Jahre zurück. 

Billiger werde es freilich nicht. Inzwischen - moderne Standards wie Lautsprecher am Bahnsteig miteinbezogen - rechne man mit circa drei bis vier Millionen Euro, um die Stadtstrecke betriebsfähig wiederherzustellen. Offen sei dabei allerdings die Frage nach Förderprogrammen

Hintergrund: 

Seit der Stilllegung der Bahn vor mehr als 30 Jahren und vor allem seit des Stadtrats-Beschlusses 2012, eine Reaktivierung nicht mehr weiterverfolgen zu wollen, setzen sich die Befürworter des ProBahn-Arbeitskreises Ebersberg/Wasserburg dafür ein, dass die Strecke entlang des Inn-Ufers wieder in Betrieb genommen wird und der Filzenexpress von München bis zum ehemaligen Wasserburger Stadtbahnhof erneut zum Leben erwacht. Auslöser für die Stilllegung der Strecke des Filzenexpresses war ein Dammrutsch am Landschaftsweg im Jahr 1987. 

Die Argumente des Konsortium der Altstadtbahn GbR, bestehend aus den Firmen BayernBahn GmbH, Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH, Innrail und dem Fahrgastverband Pro Bahn für eine Wiederbelebung der Bahnlinie sind zusammengefasst auf der Internetseite der Ortsgruppe nachzulesen.

mb

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