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„Ein Laden, der einfach zu Wasserburg gehört“

Was passiert mit dem Nostalgie-Laden und den verwaisten Häusern am Weberzipfel?

Eisen- und Textilwarenhandel Beyer am Weberzipfel in der Altstadt Wasserburg samt angrenzenden leerstehenden Häusern
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Der Eisen- und Textilwarenhandel Beyer am Weberzipfel ist seit Jahren geschlossen, die Waren im Schaufenster noch zu begutachten. Die Häuserzeile 3, 5 und 5a sowie 7 stehen leer.

Ein Hauch Vergangenheit weht aus dem Eisenwaren- und Textilgeschäft am Weberzipfel. Ein Blick ins Schaufenster lässt einen in längst vergangene Zeiten eintauchen. Die Waren stehen noch so, als wäre der Laden erst gestern geschlossen worden. Tatsächlich aber ist die Häuserzeile 3 und 5/5a bis 7 seit Jahren unbewohnt. Wird sie aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen?

Wasserburg am Inn - Inhaberin Anna Beyer führte den Laden ihrer Eltern nach deren Tod noch viele Jahre weiter. Es gab nichts, was man in dem Laden am Weberzipfel nicht hätte bekommen können - von Heimtextilien, Werkzeug aller Art, einzelnen Schrauben, landwirtschaftlichen Geräten oder welchen für den Haushalt sowie Kurzwaren hatte die rüstige Dame alles auf Lager. Alles Dinge, die nicht so schnell in jedem Supermarkt zu kaufen waren.

Darüber hinaus war das Eisenwaren- und Textilgeschäft natürlich auch eine Nachrichtenbörse, an der sich die Einheimischen gerne aufhielten und austauschten.

Das nostalgische Geschäft angrenzend zum Beyer-Wohnhaus. Seit Jahren schon ist alles verlassen.

Viele Wasserburger wünschen sich Erhalt des urigen Ladens

Nach einem Unfall musste sie ihr Haus verlassen, zog 2018 ins Altenheim auf der Burg. Anna Beyer starb Mitte Juli 2022 - mit 93 Jahren. Mit ihr ging auch der nostalgische Laden.

Es hat den Eindruck, als wäre er von einem Tag auf den anderen geschlossen. Wer durch die Schaufenster vorbei an den bunten Waren, an denen noch die Preisschilder hängen, blickt, könnte fast meinen, die Wasserburgerin käme im nächsten Moment an die Tür, um aufzuschließen.

„Diese Gefühl kenne ich auch, wenn ich an dem Laden vorbeikomme“, gesteht Wasserburgs Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann. Auch sie hat sich schon gefragt, was nun damit passiert. In hiesigen Wasserburg-Gruppen auf Facebook kursieren Ideen und Wünsche, den Laden als „Stillleben“ so gut es geht zu erhalten oder eine Art „Heimatmuseum“ daraus zu machen.

„Wenn es ein Konzept in der Richtung gäbe, so würden wir das als Stadt an der Stelle sicherlich unterstützen. Es ist ein Laden, der einfach zu Wasserburg gehört“, betont Herrmann. Allerdings liege das nicht in den Händen der Verwaltung, sondern der privaten Eigentümer. Die Stadt habe hier keinen Einfluss.

Der Laden seit Jahren geschlossen, die Waren noch immer bepreist in der Auslage: Das Nostalgie-Geschäft am Weberzipfel.

Bauvoranfragen für die gesamte Häuserzeile 3, 5/5a und 7 habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Eine einzige Anfrage kann Herrmann aus dem Archiv lesen: „Das war aber schon in den 70er-Jahren - die letzten 20, 30 Jahre ist nichts eingetragen.“

Die angrenzende Ruine mit dem verwilderten Vorgärtchen direkt von der Straße aus einsehbar wurde zuletzt vor über 40 Jahren von einem Ehepaar bewohnt, seitdem ist es verlassen und ohne Elektrizität. Wie es nach all den Jahren im Inneren des Hauses aussieht weiß keiner so recht. Die Anwesen seien alle im Besitz der Beyers gewesen. „Baupläne dazu gab‘s nie“, erinnert sich Herrmann.

Morbider Charme zwischen Hortensien: Die Ruine Hausnummer 7 steht seit mehr als 40 Jahren leer.

Abbruch und Neubau? „So schnell definitiv nicht“

Der Stadt liegen auch bezüglich möglicher Erben keinerlei Informationen vor. „Wir werden das Ganze im Auge behalten, die Objekte befinden sich im Ensemble, sprich, es handelt sich um einen sensiblen Bereich in der Altstadt. Die leerstehende Ruine ist kein Einzeldenkmal, Hausnummer 5 und 5a laut Liste der denkmalgeschützten Häuser in Wasserburg hingegen schon“, weiß die Stadtbaumeisterin.

Sie geht davon aus, dass über kurz oder lang jemand auf die Bauverwaltung zukommen werde. Vermutlich werden die beiden Beyer Wohn- und Geschäftshäuser verkauft. So formulierte es nun Dr. Gerd Beyer, der Cousin der Verstorbenen im Rahmen eines Nachrufs.

Sollten etwaige Umbaupläne oder ähnliche Überlegungen in dem Bereich laut werden, so sei die Stadt auf jeden Fall mit im Boot, versichert Herrmann abschließend. Spekulieren möchte sie dazu jedoch nicht. Aber, so schließt sie ihre Ausführungen: „In diesem sensiblen Altstadtbereich wird es so schnell definitiv nicht zu einem Abbruch und Neubau kommen - schon gar nicht bei einem Einzeldenkmal.“

mb

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