Wasserburgerin Dorle Irlbeck (83) über die Liebe zu ihrer Heimatstadt 

Mit dem Bob durchs Brucktor: "Des könntest heut ned mal um Mitternacht macha" 

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Dorle Irlbeck ist mit ihren 83 Jahren in Wasserburg am Inn ein Unikum. Sie engagiert sich seit Jahrzehnten für die Stadt und ihre Bürger. 

Wasserburg am Inn - Sie ist bekannt wie ein bunter Hund, engagiert sich seit Jahrzehnten für die Innstadt, das gesellschaftliche Leben und die Bürger. Ein Portrait über die Wasserburgerin Dorle Irlbeck, die in ihrer Heimatstadt täglich herumwuselt - tagein, tagaus und bei jedem Wetter im Dirndl. 

"Wasserburg, das ist meine Stadt", betont die 83-Jährige Dorle Irlbeck. Hier hat sie nicht nur ihre Freunde und viele Bekannte, hier hat sie auch ihren Mann Alex kennen gelernt. Da war sie gerade erst 15 Jahre alt. "Das ist schon happig, gell", sagt Dorle und winkt lachend ab. 


67 gemeinsame Jahre mit Mann Alex 

Damals gab es noch die Pfennig-Parade. Im Oktober 1951 war Dorle im Turnverein, hat Ball-Gymnastik gemacht. "Mein künftiger Mann war im gleichen Verein Geräteturner und ist bei meinem Papa in die Turnstunde gegangen. Als im Fletzinger Tanz stattfand und ich bei meinen Eltern saß, kam Alex zu uns und fragte meinen Vater, ob er mit mir tanzen dürfe. Der hatte freilich nichts dagegen und dann hat es gefunkt", erinnert sich Dorle mit einem Lächeln im Gesicht. 

Es folgten 63 Jahre glückliche Ehe, in der sie sich "immer gut verstanden" hätten. Im Juni 2018 starb Alex Irlbeck im Alter von 86 Jahren nach einem gesunden und erfüllten Leben. "67 Jahre lang waren wir zusammen - für diese gemeinsame lange Zeit muss man dankbar sein. Mit seinem plötzlichen Tod als er eines Morgens einfach nicht mehr aufwachte ist mir und der Familie viel erspart geblieben und wenn ich mich jetzt hängen lassen würde, das wäre überhaupt nicht in seinem Sinn", ist Dorle überzeugt. 


Wie sich die Dorle mit ihren 83 Jahren fit hält, wie sie sich in ihren über 100 Dirndln in ihrem Ankleidezimmer zurecht findet und was sie sich für ihre eigene Zukunft und die der Stadt Wasserburg wünscht, verrät die quirlige Wasserburgerin im Video: 

Langweilig ist es dem Ehepaar in und um die Innstadt nie geworden: Trotz vieler Reisen um die Welt verschlug es die beiden immer wieder zurück in die Region. "Gerade nach dem Urlaub sind wir beide froh gewesen, wieder daheim zu sein", gibt Dorle ganz offen zu. 

Mit dem Bob vom Achatz aus über die Innbrücke durchs Brucktor 

Ganz oft waren sie mit dem Bartlboot, Faltboot aus Stoff und Gummi auf Chiemsee und Inn unterwegs, Skifahren auf der Hohen Salve und Schlittschuhfahren auf dem teils zugefrorenen Inn an der Kapuzinerinsel, obwohl man aufgrund des unterschiedlichen Wasserstands immer wieder am Rand eingebrochen sei. 

Highlight war im Winter das Bobfahren vom Achatzkircherl auf der Salzburger Straße über die Innbrücke bis durchs Brucktor. "Das waren noch Zeiten, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen", sagt Dorle lachend und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. 

Im Sommer haben sich die beiden aufs Motorrad geschwungen. Dafür habe ihr Mann, der aus der hiesigen Gerberei Irlbeck stammte, extra Leder gegerbt und gefärbt. 

Deshalb setzte sich Dorle so dafür ein, dass die Motorradfahrer direkt am Marienplatz parken dürfen: "Wenn man eine Maschine hat, dann stellt man die nicht irgendwo ab und geht in ein Kaffeehaus. Die Freude kommt, wenn man die Maschine sieht. Und viele schauen sich die Motorräder am Rathaus auch gerne an", ist Dorle überzeugt, die mit ihrer Ansicht aber auch auf Widerstand stößt, was ihre Meinung aber in keinster Weise ändert. "Mit den Motorrädern kommt auch der Sommer, die schöne Jahreszeit und da freue ich mich dann.

"Ohne Seniorenhandy geht nix"

Dorle Irlbeck ist seit 2014 stolze Trägerin der Joseph-Heiserer-Medaille für 40 Jahre Ehrenamt in der Stadt Wasserburg. Über 80 Ausstellungen im Stadtmuseum - Dorle war immer dabei und hat geholfen wo es ging. Ihr größtes Projekt war der Engerlweg: Da hat sie vor wenigen Jahren für den Christkindlmarkt die Schaufenster in der Altstadt mit 198 Engeln dekoriert hat. 

In der Gerberei Irlbeck, die seit 1785 in Wasserburg existiert, arbeitet Dorle bis heute aktiv mit - Rechnungen tippt sie mit der elektrischen Schreibmaschine. "Ich habe auch noch eine alte Kundenkartei, in der  alle Namen und Adressen hinterlegt sind. Als vor kurzem einmal der Computer abgestürzt ist, war das für mich kein Problem", erzählt die 83-Jährige grinsend und konstatiert abschließend: "Für mich geht es auch ohne Technik, bis auf mein Seniorenhandy, denn ohne das geht gar nix." 

mb

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