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Planungen zu unsicher

„Es tut mir im Herzen weh“: Vorstand sagt das Attler Herbstfest 2022 ab

Andreas „Anderl“ Palmberger, Festwirt ehrenhalber, dirigiert normalerweise die auftretenden Blaskapellen.
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Andreas „Anderl“ Palmberger, Festwirt ehrenhalber, dirigiert normalerweise die auftretenden Blaskapellen.

Auch dieses Jahr muss die größte Inklusionsveranstaltung im Landkreis Rosenheim ausfallen. Das sagen die Vorsitzenden der Stiftung Attl, Franz Hartl und Jonas Glonnegger, dazu.

Wasserburg am Inn– Das Attler Herbstfest ist einmalig in der Region. Bei keinem anderen Volksfest feiern Menschen mit und ohne Behinderung vier Tage lang so ausgelassen zusammen. Deswegen schmerzt es die Vorsitzenden der Stiftung Attl, Franz Hartl und Jonas Glonnegger, besonders, dass sie auch in diesem Jahr – nach 2020 und 2021 – das Attler Herbstfest erneut absagen müssen.

„Die derzeitige Situation macht es uns unmöglich, jetzt die Planungen für September verbindlich aufzustellen“, nennt Hartl als Grund. Nicht nur, dass Einrichtungen der Eingliederungshilfe immer noch nicht absehen können, in welchem Ausmaß und ab wann ein Tätigkeits- und Betretungsverbot in Kraft treten werde.“

Das sieht Birgit Schlinger, Mitarbeiterin in der Unternehmenskommunikation der Stiftung Attl, genauso. Auf Anfrage der Wasserburger Zeitung erklärt sie: „Die Planungen sind schon angelaufen, aber jetzt hätten wir konkret werden müssen, was die Buchungen angeht - die Festzeltplane, das Catering. Deswegen hat sich die Stiftung gegen das Herbstfest entschieden. Die derzeitige Corona-Lage lässt das nicht zu“, so Schlinger. 

Schutzbestimmungen bleiben bestehen

Auch die allgemeinen Schutzbestimmungen, die zwar für die Bevölkerung auslaufen, bleiben erst einmal für Einrichtungen wie der Stiftung Attl bestehen, darunter Test- und Maskenpflicht. „Außerdem sind die Inzidenzen unter den Mitarbeitenden und den Klienten – so wie im ganzen Landkreis Rosenheim – weiterhin extrem hoch“, so Hartl. „Die Attler Mitarbeitenden gestalten das Herbstfest zusammen mit den betreuten Menschen für die Gäste aus der Region. Und selbst diejenigen Kollegen, die nicht aktiv im Zelt oder bei den Buden mitarbeiten, leisten ihren Beitrag und fangen die Personalsituation auf den Wohn- und in den Arbeitsgruppen auf“, betont er.

Allein diese Stundenzahl zu stemmen, könne sich das Attler Führungsteam, zu dem außer dem Vorstand auch alle Unternehmensbereichsleiter gehören, nicht vorstellen. „Wir laufen schon seit zwei Jahren im Ausnahmemodus und sehen noch kein Ende der besonderen Belastungen. Es tut mir im Herzen weh, aber unter diesen unsicheren Umständen können wir derzeit nicht guten Gewissens eine Veranstaltung in dieser Größenordnung planen.“

Das schlimmste Szenario war, dass die Stiftung zwar ein Herbstfest veranstalten würde, dass die Bewohner aber aufgrund des Infektionsgeschehens oder wegen Personalknappheit dann nicht besuchen könnten. „Das geht natürlich gar nicht, denn damit würden wir unserem Auftrag für die Menschen in der Stiftung Attl nicht gerecht werden“, so Hartl.

Das Attler Herbstfest gilt als fünfte Jahreszeit in der Einrichtung. Bei der größten Inklusionsveranstaltung im Landkreis Rosenheim feierten zuletzt 2019 mehr als 15.000 Menschen mit und ohne Behinderung in einer unvergleichlichen Atmosphäre am zweiten Septemberwochenende. Zu den Höhepunkten zählten der traditionelle Bieranstich, der Spielenachmittag, Disco- und bayerischer Abend, Festgottesdienst und Oldtimer-Show am Herbstfest-Sonntag sowie das Kesselfleischessen, die Verlosung der Attler Bio-Sau und die Schultütenübergabe mit Begrüßung der neuen Auszubildenden am letzten Herbstfest-Tag.

Interner Ersatztermin für Bewohner

Auch prominente Schirmherren konnte die Stiftung Attl gewinnen, darunter die Schauspielerin Johanna Bittenbinder, Volkssänger Jürgen Kirner oder Pfarrer Rainer Schießler. „Ich kenne keine andere Veranstaltung, die den Inklusionsgedanken so unverkrampft lebt wie unser Herbstfest. Es ist einzigartig“, sagt Hartl. Für die Betreuten gab es in den vergangenen zwei Jahren bereits einen internen Ersatztermin, was auch für dieses Jahr geplant ist. „Aber dabei fehlt natürlich der Austausch mit unseren Gästen von außerhalb und das bunte und abwechslungsreiche Treiben, für das unser Herbstfest so beliebt ist.“

„Die Bewohner sind natürlich traurig, aber wir richten den Blick nun aufs kommende Jahr“, erzählt Schlinger. Denn dann feiert die Stiftung Attl ihr 150-jähriges Bestehen. „Die Planungen laufen, wir haben viele Ideen, zu denen auch ein Jubiläumsherbstfest als Höhepunkt gehören soll. Weitere Highlights soll es definitiv geben, „aber die werden noch nicht verraten“, sagt sie, „das Team und die Bewohner hoffen sehr, dass das Jubiläum 2023 groß gefeiert werden kann“.

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