Debatte um Verkehrsproblematik in Wasserburg

Von der Angst der Altstadtbewohner bis zur Kritik von Geschäftsleuten 

Der Altstadtkern Wasserburgs soll verkehrsberuhigt werden.
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Der Altstadtkern Wasserburgs soll verkehrsberuhigt werden.

Wasserburg - Flanieren durch die Gassen auf der Halbinsel bereitet sowohl Touristen als auch Einheimischen immer wieder Freude. Mit einer Fußgängerzone aber wäre es noch schöner, finden einige Altstadtbewohner und forderten 2018 eine autofreie Altstadt. Diese Idee rief jedoch auch Kritiker auf den Plan. Die Debatte um eine Verkehrsberuhigung scheint nun ein Ende gefunden zu haben.

In der Stadtratssitzung am 29. Oktober wurde der Beschluss aus der Verkehrsklausur öffentlich vorgestellt: Künftig wird es in der Hofstatt nur mehr an den Wochenenden Personen mit Anliegen möglich sein, diesen Bereich bis über die Färber- und Schustergasse zu befahren. Konkret heißt das: Samstag ab 10 Uhr bis über den Sonntag und bis Montagfrüh ist die Hofstatt für Fahrzeuge jeglicher Art gesperrt. Start der verkehrsberuhigenden Maßnahme ist der 27. März 2021.


Die Verkehrsklausur Anfang Oktober brachte nach langen Debatten wohl ein Ergebnis: Erste Entscheidungen ließ der Bürgermeister bereits durchsickern. Unter anderem wurden Pläne für die Umgestaltung der Oberen Innstraße an der Realschule/dem Kindergarten gestaltet. Die Möglichkeit einer verkehrsberuhigten Zone aber stößt vor allem bei den Anwohner auf Kritik, weil sie einen Wegfall an Parkplätzen fürchten. Mit einer Unterschriftenaktion wehren sie sich gegen die Maßnahmen.

Auch im Rahmen der Kommunalwahl war das Thema Verkehr in der Altstadt und Verbesserungen bei der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten im Frühjahr 2020 präsent.


Am 3. Dezember wurden neben den Ergebnissen einer Verkehrszählung auch Lösungsmöglichkeiten zur Eindämmung des Altstadtverkehrs im Bereich Hofstatt, Färber- und Schustergasse beraten. Auch die Wasserburger Bürger durften sich in dieser Sondersitzung des Bauausschusses im Rathaus zu Wort melden.

Am Marktsonntag im November 2019 wurde die Altstadt erneut zugeparkt - die Polizei musste sogar ausrücken und Verwarnungen ausschreiben, da sonst ein Durchkommen in den engen Gassen schwierig geworden wäre. Die Behörden sind sich der Problematik bewusst - eine Lösung aber scheint so schnell nicht in Sicht. 

Bürgermeister Michael Kölbl offenbarte in der Stadtratssitzung Ende September, dass man die für 15. Oktober anberaumte Sondersitzung des Wasserburger Bauausschusses nicht einhalten könne. In Abstimmung mit den Räten wurde die Debatte um den Verkehr in der Altstadt nun auf Dienstag, 3. Dezember 2019, verschoben.

Inzwischen gehen auch die Geschäftstreibenden auf die Barrikaden. Zuletzt meldete sich Christoph Klobeck vom gleichnamigen Traditionsgeschäft in der Herrengasse zu Wort. Sein Tenor: Für eine Verkehrsberuhigung oder gar -sperrung sehe er keinen Anlass. Das bisherige Konzept im Altstadtkern funktioniere. 

Dieser Meinung ist auch der Wirtschaftliche Verband Wasserburg (WFV), für den Vorstand Moritz Hasselt stellvertretend spricht: "Der Verkehr nimmt zu - aber problematisch ist es eher am Altstadtring und nicht in der Hofstatt. Der Durchgangsverkehr ist nicht das Problem. Das, was als Verkehrschaos in der Hofstatt wahrgenommen wird, sind die parkenden Autos." 

Kritik von den Räten an WFV unter der Gürtellinie

Heftige Kritik musste der WFV zuletzt in der Stadtratssitzung im Juli 2019 einstecken. "Pipifax-Lösung", "Erpressung" oder "Blockadehaltung" warfen einige Ratsmitglieder dem WFV vor, der sich - wie viele andere Bürger auch - in Absprache mit dem Vorstand um eine Kompromiss-Lösung bemühte und diese bei der Stadt einreichte. 

Vorschläge für eine verbesserte Verkehrsführung einzubringen - dazu forderte Bürgermeister Michael Kölbl die Wasserburger in der Bürgerfragestunde im Juni 2019 auf. Im Rahmen dieser gut besuchten Fragestunde wurde von Seiten der Stadt auch eine Lösung vorgestellt: Ein Pfosten sollte es richten und die Färber- und Herrengassen jeweils in Einbahnstraßen verwandeln. Die Bürger zeigten sich von dieser Variante zwiegespalten - am Ende war die Pfostenlösung nach der erneuten kontroversen Beratung im Stadtrat im Juli und einem gescheiterten Fahrversuch von Stadtbaumeisterin Mechthild Herrmann und der Polizei vom Tisch. 

Sorge um Kinder der Auslöser

Der Ursprung der Diskussion liegt in einem Wunsch, den eine Gruppe Altstadtbewohner - fast alles Eltern kleiner Kindern, die aufgrund des Verkehrs im Altstadtbereich um die Sicherheit ihrer Kleinen fürchten - im Mai 2018 äußerte. Sie sammelten über mehrere Wochen hinweg Unterschriften von Befürwortern ihres Anliegens, die Hofstatt - zumindest am Wochenende - autofrei zu halten. Rund 400 Unterschriften kamen bis Juni 2018 zusammen. 

Diesem Wunsch entgegen stand von Anbeginn der WFV: Moritz Hasselt, dem das Schmuckgeschäft "InnTime" gehört, erklärte im Namen des Verbands, eine autofreie Hofstatt durch eine Sperrung wäre eine "Katastrophe": "Dann ist die Wasserburger Innenstadt tot", ist Hasselt überzeugt. Der WFV startete deshalb eine Gegen-Unterschriftenaktion: 4000 Bürger unterschrieben am Ende gegen eine etwaige Sperrung im Altstadtkern. 

Es wurde viel debattiert und Lösungsvorschläge ausgearbeitet - eine Verbesserung aber gibt es noch nicht. Die Debatte um das scheinbar endlose Thema Verkehr dreht sich wohl weiter im Kreis.

mb

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