„Einfach menschlich“ - Ausstellung will Mut machen

Vielfalt der Sucht aufzeigen – aber ohne Fingerzeig

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Der Ausstellungsleiter Klaus Haschberger erklärte Vertretern des Bildungszentrums für Sozialverwaltung, der Berufsschule Wasserburg sowie der FOS/BOS die einzelnen Stationen der Ausstellung "Einfach menschlich" zum Thema Sucht. Suchtprävention gilt als wichtige Aufgabe der Schulen in der heutigen Zeit.
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Wasserburg - Der Alltag fordernd, die Aufgaben groß. Immer kürzer werden die Wege hinein in eine mögliche Sucht. Dass es nicht nur die klassischen Suchten gibt, sondern auch recht „anerkannte“ Ausprägungen und Süchte, wird bei der Ausstellung „Einfach menschlich“ schnell klar.

Da gibt es die Kaffeesucht, Sexsucht, Computersucht, die Klassiker der Magersucht, die „ich hab immer-Recht-Sucht“ und viele weitere Richtungen, die süchtig machen können. Der Oberbegriff Sucht repräsentiere nicht alleine die sofort überschwappende Abhängigkeit, bekannt durch Drogen- oder Alkohol, sondern treffe ebenso auf selbstzerstörerische Ausprägungen wie etwa Arbeitssucht, Habsucht, Spielsucht und dergleichen zu, erläutert der Ausstellungsleiter, Klaus Haschberger. Er und Freia von Hennings haben die Ausstellung vor rund 18 Jahren ins Leben gerufen und stießen dabei bei einigen Förderern auf offene Ohren.

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Es kam dazu, dass unter anderem eine Krankenkasse, das Gesundheitsministerium, Suchtprävention und Genesung e.V. und weitere Mitstreiter diese Ausstellung unterstützen und damit bereits vielen Besuchern Zugang zur Ausstellung ermöglichten.

Beide Schöpfer von „Einfach menschlich“ haben in ihrem nächsten Umfeld Erfahrungen mit Suchterlebnissen gemacht und die Folgen und Auswege dadurch besonders lebendig und nah darlegen können.

Ausstellung nimmt Suchtthema unter die Lupe

„Wir möchten nicht belehren, sondern vielmehr realistisch und auf niedriger Ebene das Thema beleuchten und in gewisser Weise wachrütteln“, so Klaus Haschberger. Man solle und dürfe sich in manchen Stationen wiederfinden, um zu erkennen, mit welcher Sensibilität das Thema behandelt werden solle. Die Ausstellung, die in der Halle hinter dem Bildungszentrum für Sozialverwaltung in Wasserburg aufgebaut wurde, ist im gesamten Bundesgebiet bekannt und beliebt.

Sie wird deshalb so geschätzt, weil es nicht den Fingerzeig gibt, sondern eine Wegweisung darstellt: „Wir wollen nicht nur den direkt Betroffenen oder den für Sucht anfälligen Menschen an die Hand nehmen, sondern auch den Angehörigen zeigen, was Sucht bedeutet und wie der Teufelskreis zu durchbrechen ist“, betont Klaus Haschberger.

Insgesamt 54 Klassen des Berufsschulzentrums Wasserburg sowie der FOS/BOS Wasserburg kommen in den nächsten vier Wochen in den Genuss der Ausstellung „Einfach Menschlich“, die schon so vielen Schülern vor Augen gehalten hat, was Süchte ausmachen und wie sie einen verändern. „Hier kann man sich in anonymen Rahmen informieren und nach der Ausstellung haben sich schon viele Besucher in verschiedenen Themenschwerpunkten wiedergefunden“, erzählt der Ausstellungsinitiator.

Durch eine Kooperation mit dem Bildungszentrum für Sozialverwaltung konnte man Räumlichkeiten hinter dem Schulgebäude, nahe dem Busbahnhof und dem Parkhaus nutzen, um „einfach menschlich“ eine Herberge zu geben.

Schulen nehmen Auftrag zur Suchtprävention ernst

Johann Schaller, Schulleiter der FOS/BOS Wasserburg und sein Kollege der Berufsschule, Schulleiter Gerhard Heindl zeigten sich gleichermaßen überzeugt davon, dass die Suchtprävention auch eine Aufgabe im Schulalltag ist. „Die Zielgruppen sitzen bei uns in den Klassen und wir als Schule sollten viele Aufklärungsmöglichkeiten zu diesem Thema nutzen, um hier das Thema nicht außer Acht zu lassen“, betont Heindl. Er und sein Kollegium, darunter die Berufsschullehrerin und Außenkoordinatorin Isolde Brandl, haben sich mit darum bemüht, die Ausstellung nach Wasserburg zu holen.

Mit einem geringen Kostenanteil beteiligen sich die Schüler selbst daran, mit einem Betrag aus den Schulprojekt-Kassen sind auch die Schulen selbst mit dem Thema der Suchtprävention involviert und ermöglichen, dass die Ausstellung etlichen Klassen geöffnet werden kann in den nächsten Wochen.

Vielfalt auch bei Sucht zu finden

Ein Baum, der in den verzweigten Ästen alle möglichen Richtungen von Sucht aufzeigt, Erfahrungsberichte, Lektüre, Fragebögen zur Selbsteinschätzung, ob man Suchtgefährdet ist oder auch so mancher Holperstein, der im Weg herumliegt bei dem Ausstellungsrundgang – all dies sind ansprechende Stationen durch den sehenswerten Parcours „Einfach menschlich“. Wer nach der Ausstellung Fragen hat, kann sich an den Initiator, Klaus Haschberger, ohne Scheu wenden.

„Ich kann meine Erkenntnisse, meine Erfahrungen und meine Einschätzung sowohl an Betroffene – aber auch an sogenannte Co-Abhängige, also an die Angehörigen weitergeben, und so helfen, Wege aus der Sucht mit zu suchen“, zeigt sich Haschberger engagiert. Die Co-Abhängigkeit sei nicht zu unterschätzen, so Haschberger gegenüber den Lehrern aus Wasserburg.

Auch Öffentlichkeit kann vorbeischauen

Damit die Ausstellung nicht lediglich Schülern vorenthalten ist, bietet Klaus Haschberger am Donnerstag, 28. April 2016 und am Donnerstag, 12. Mai 2016 jeweils von 16 Uhr bis 19 Uhr der Öffentlichkeit an, die Ausstellung ebenfalls anzusehen. Begeistert zeigten ich Schulleiter und Lehrervertreter der Berufsschule Wasserburg und der FOS/BOS Wasserburg, als sie einen ersten Blick wagen durften und so selbst sehen konnten, dass das Thema Sucht auf sehr offene und plakative Art und Weise dem Betrachter erörtert wird.

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