Denkmalschutzbehörde brachte sich nochmals ins Spiel

Bullaugen bleiben, Loggien nicht eckig

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Die Bullaugen werden auch nach dem Umbau die Kulisse prägen
  • schließen

Wasserburg – Eckige Loggien oder lieber Runde? Diese und weitere Fragen klärte der Bauausschuss in seiner Sitzung in Bezug auf den Umbau des ehemaligen Amtsgerichtsgebäudes. Auch die Denkmalschutzbehörde brachte sich ein.

Ein zeitgemäßer Umbau soll von Statten gehen. Hier hat die Sparkasse Wasserburg die Planungen in Auftrag gegeben. Wolfram Stechl wurden diese Arbeiten übertragen. Wohnungen sowie Bürofläche wird das Gebäude beinhalten. Wohnungen sollen entstehen, die Nutzung eines Stockwerks als Büro bleibt. Der Bauausschuss beriet nun über das Umbau-Vorhaben.

In Vorgesprächen mit Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann sowie dem Landratsamt, der unteren Denkmalschutzbehörde, konnten die Verantwortlichen für das Projekt die Ziele erklären und behutsam den Umbau erörtern. Der Bauausschuss des Wasserburger Stadtrats hat nun eine Entscheidung getroffen. Eine Diskussion kam in Gang.

Die denkmalgeschützte Fassade Richtung Marienplatz bleibt weiterstgehend unberührt.

Die Seite Richtung Innfront soll zeitgemäße Veränderungen, auch im Außenbereich erfahren. Als Zuhörer bei der Sitzung des Bauausschusses gesellten sich auch die Planer sowie Sparkassendirektor Richard Steinbichler. Gängige Änderungen zum Bestand werden sich harmonisch der Kulisse an der Innfront angleichen, sehen die Entwürfe vor.

Die unvergleichlichen Bullaugen werden auch nach dem Umbau die Fassade zieren, hier wurde darauf geachtet, dass die richtige Belichtung der Wohnungen im Obergeschoss erreicht wird. Dachflächenfenster werden errichtet, um eine Belichtung zu garantieren, weil ansonsten nicht alle Räume lichtdurchflutet würden. Eine Höhenentwicklung, die sich im geringfügigen Rahmen bewege, gleicht sich den Nachbargebäuden an.

Das Modell der Planer, die von der Sparkasse beauftragt wurden, sieht Loggien mit Bogen vor.

Anhand eines Models konnten die zuständigen Stadträte noch mehr Vorstellungskraft entwickeln. „Die ruhige Fassade wird bleiben und der Wiedererkennungswert  ist klar gegeben“, hieß es von Stadtbaumeisterin Herrmann. Großes Thema war die Errichtung von 2 Loggien. Hier kam es zu einer Diskussion, weil es zwei Entwürfe gegeben hatte. Einerseits durch die Planer der Sparkasse, die einen Bogen eingliedern möchten, wie er bereits verbreitet zu finden ist in den anderen Gebäuden der Häuserfronten am Inn.

Doch kurzfristig brachte sich Alois Juraschek von der unteren Denkmalschutzbehörde mit einem anderen Vorschlag erneut ins Gespräch.

Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann erläuterte beide Entwürfe und stellte diese bildlich gegenüber. So hatte der Experte der Denkmalschutzbehörde die Idee, eckige Loggien einzugliedern. Die Ausschuss-Mitglieder befanden nach reiflicher Überlegung die Bogen-Variante für anschmiegsamer an die bestehende Kulissenführung.

Ebenfalls glücklich wirkten die Beteiligten, dass die Bullaugen auch an der neuen Fassade des ehemaligen Verwaltungsgebäudes bleiben werden.

In Betracht gezogen wurde die jeweilige Belichtungsmöglichkeit im obersten Geschoss. Auch die Dachflächenfenster, die nicht in aufgestellter Form, sondern als Belichtungsfläche als notwendig zu sehen sind. Einzelne Ausschussmitglieder, wie etwa Peter Stenger und Christian Stadler forderten eine minimale Reduzierung dieser Dachflächenfenster. „Es müsse garantiert werden, dass es auf das wirklich nötige beschränkt wird“, so Peter Stenger.

Dabei vertraute er nicht dem Planer, sondern bestand auf Kontrolle durch die Stadtbaumeisterin. Diese beruhigte Stenger, man könne alles rechnerisch nachweisen, wie groß und in welcher Anzahl die Dachflächenfenster angelegt werden müssten.

Die Beteiligten waren sich einig, dass es sich um eine maßvolle Veränderung des Bestands handeln werde und die Wohnnutzung jedoch komfortabel auszubauen sei, deshalb müssten Kompromisse getroffen werden.

Die Beschlussfassung erfuhr einstimmige Befürwortung. Hier wurde der Ausnahmesituation rund um die Bau- und Werbeanlagensatzung der Stadt in Bezug auf Dachflächenfenster stattgegeben, allerdings müsse die Anzahl dieser Flächenfenster auf das für die Belichtung erforderliche Maß reduziert werden, heißt es in dem Beschluss deutlich. Auch die Loggien mit den Segmentbögen dürfen errichtet werden .

Bürgermeister Michael Kölbl erklärte abschließend: „Wenn es so kommt, wie beschlossen, ist dies ein wahrer Glücksfall für die Stadt Wasserburg. Das Thema Amtsgericht konnte auf angenehme Art und Weise abgeschlossen werden und bleibt in öffentlicher Hand.“

Auch Sparkassendirektor Richard Steinbichler zeigte sich nach dem Beschluss des Bauausschusses äußerst zufrieden: „Ich war ohnehin sehr zuversichtlich, weil wir von unserem Planungsvorschlag überzeugt waren. Sehr überrascht war ich von der Alternative von der unteren Denkmalschutzbehörde, die Herr Juraschek in allerletzter Minute, sogar erst nach den gemeinsamen Gesprächen, nachgeschoben hat. Niemals hätte ich mich getraut, einen solchen Vorschlag vorzubringen, und eckige „Pseudo-Loggien ins Gespräch zu bringen. Uns ist es wichtig, dass alle Veränderungen ins Ensemble passen. Von der Stadtverwaltung hatten wir von Anfang an große Unterstützung für die harmonische Ausführung bekommen“.

Im Herbst 2014 sollen die Umbauarbeiten beginnen, angedacht ist eine Fertigstellung im späten Winter des Jahres 2016. Wie berichtet, stehen bereits zahlreiche Wohnungsinteressierte auf der Reservierungsliste.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser