Beschwerden via Facebook 

Müll und Pöbeleien am Wasserburger Inndamm entlang der roten Brücke? 

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Besonders neben dem Wasserburger Brucktor gibt es zu jeder Jahreszeit viele Möglichkeiten zum Verweilen und Flanieren am Inn. 
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Wasserburg - Der Inndamm ist beliebter Aufenthaltsort für Einheimische und Touristen, entlang der Innschleife gibt es viele Plätze zum Verweilen und Ratschen. Laut einer Diskussion in einer Facebook-Gruppe wird diese Idylle aber seit geraumer Zeit gestört durch Müll und Pöbeleien. Was ist dran an den Vorwürfen?

Seit geraumer Zeit scheint es an Inn und Inndamm, überwiegend in Richtung Brucktor "ein Ding der Unmöglichkeit" zu sein, in Ruhe die Seele baumeln zu lassen oder sich auf eine Nachmittagsunterhaltungen zu treffen. Dieser Vorwurf von einer jungen Wasserburgerin in der geschlossenen Facebook-Gruppe "Wasserburg am Inn" fachte am vergangenen Wochenende eine hitzige Diskussion unter den Bewohnern an. 

Belästigungen durch pöbelnde Obdachlose

Es sei "versifft und stinkt nach Urin" überall lägen Scherben, alte Glasflaschen, Müll und Zigarettenkippen. Auch am "Queens Pub" entlang der Rosenheimer Straße bis zur OMV Tankstelle und dem Steinmühlweg käme es vermehrt zu Ruhestörungen, Pöbeleien und lautstarken Streitereien. "Eine Schande für Touristen", heißt es von einem Kommentator in der Gruppe.

Des Weiteren träfe man regelmäßig auf "ein paar Spezialisten, die den ganzen Tag besoffen durch die Gegend torkeln und ihre Mitmenschen wahllos beschimpfen". Dabei handle es sich wohl um betrunkene Obdachlose, die ihre Mitmenschen am Inndamm permanent belästigen würden. Mehr als 60 Kommentare hat der Post vom 8. September. Da müsse doch die Stadtverwaltung, das Ordnungsamt oder gar die Polizei einen Riegel vorschieben können, so der allgemeine Tonus.

Problematik der Stadt und der Polizei bekannt 

Was ist dran an den Vorwürfen? Weiß die Stadt Bescheid? Wer ist verantwortlich für solche Anliegen? Bürgermeister Michael Kölbl erklärt auf Nachfrage von wasserburg24.de, von Müll oder Verschmutzungen in der Stadt wisse er nichts. Der Bauhof führe dort normalerweise regelmäßige Kontrollen durch und beseitige im Rahmen dieser etwaige Verschmutzungen oder Müllreste. "Wenn Wasserburger mit Beschwerden an mich herantreten sollten, so nehme ich mir selbstverständlich der Sache an, gar keine Frage", verspricht der Bürgermeister. 

Was Pöbeleien betrifft, diese Problematik sei der Stadt jedoch bekannt, räumt Kölbl ein. "Bei den Streitsuchenden handelt es sich mitunter um Bewohner der Sozialeinrichtung 'Wasserburger Traube' am Heisererplatz. Zusammen mit der Polizeiinspektion Wasserburg sind wir seit einiger Zeit in Gesprächen mit der Leitung der Einrichtung." Im August erst habe wieder ein gemeinsames Erörterungsgespräch stattgefunden, um die Situation langfristig zu verbessern

Philipp Spiel, Polizeikommissar der Wasserburger Polizei, kann bestätigen, dass es am Inndamm vereinzelt zu Einsätzen gekommen sei. "Dabei handelte es sich insbesondere um Pöbeleien mit Alkoholisierten oder Zusammentreffen streitender Obdachloser mit Spaziergängern, die sich im Laufe diesen Zusammentreffens belästigt fühlten." Hier und da seien auch Anzeigen wegen Streitereien bei der Polizei eingegangen. Ob es sich bei den Verursachern um Bewohner der Traube handelte, das konnte Philipp Spiel aus Datenschutzgründen nicht sagen. 

Was sagt die "Wasserburger Traube" dazu? 

Thomas Fuß, Leiter der "Wasserburger Traube", einer stationären Sozialeinrichtung für wohnungslose Menschen, nimmt gegenüber von wasserburgs24.de Stellung zu den Vorwürfen aus der Facebook-Gruppe. Es sei richtig, dass Gespräche mit der Stadt bezüglich des Themas geführt worden seien, nicht nur der Inndamm sei betroffen, sondern auch das Parkhaus Kellerberg und entlang der Rosenheimer Straße. "Das sind die Brennpunkte, dort halten sich immer wieder alkoholisierte Männer auf, es kommt teilweise zu unangenehmen Situationen", erläutert Fuß. Auch die Polizei sei das ein oder andere mal involviert gewesen, wodurch die Identifizierung von Bewohnern der "Wasserburger Traube" erfolgt sei. "Dabei handelt es sich aber um konkrete Einzelfälle", betont Fuß. "30 Menschen leben in unserer Einrichtung. Wir reden von maximal vier Männern, die in der Vergangenheit durch ihr Verhalten in der Stadt negativ aufgefallen sind. " 

Leiter: "Kann außerhalb des Hauses keinen Einfluss nehmen."

Das Problem an der Sache: Thomas Fuß als Einrichtungsleiter hat keinen Einfluss darauf, was die Männer außerhalb der "Wasserburger Traube" treiben. "Hier im Haus kann ich durchgreifen, falls Probleme auftreten. Es handelt sich aber noch immer um freie Menschen. Steuert also ein Bewohner gezielt einen Supermarkt an, um Spirituosen zu kaufen und fällt im Zuge des Konsums negativ auf, so kann ich höchstens versuchen positiven Einfluss zu nehmen und mit Gesprächen entgegenzuwirken. Verbieten aber kann ich es nicht." 

Fuß weiter: "Diese Menschen sind auch ein Teil unserer Gesellschaft. Man muss sich auch einmal in deren Situation hineinversetzen und immer die Geschichte hinter dem Menschen sehen, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist. Unsere Bewohner saßen alle auf der Straße, ehe sie am Heisererplatz eine Bleibe fanden. Einige sind oder waren Alkoholiker, sie werden bei uns von Fachpersonal und Psychologen betreut. Wir lassen nichts unversucht, sie wieder in ein eigenständiges Leben zurückzuführen."

mb

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