Wie das Wasserburger Innkaufhaus in der Corona-Krise optimistisch bleibt

„Der zweite Lockdown trifft uns in der umsatzstärksten Zeit des Jahres“ - Hoffnung ruht auf Lieferservice

Sibylle Schuhmacher vom Wasserburger Innkaufhaus bietet im zweiten Lockdown einen Lieferservice
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Sibylle Schuhmacher betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Tobias das Wasserburger Innkaufhaus. Im zweiten Lockdown bieten sie für ihre Kunden einen Lieferservice an.

Wasserburg - Der zweite Lockdown kurz vor dem Weihnachtsfest belastet die Einzelhändler. Sibylle und ihr Mann Tobias Schuhmacher lassen sich davon allerdings nicht unterkriegen. Im Gespräch mit wasserburg24.de erzählen sie, wie ihr Lieferservice funktioniert und wie sie mitten in der Corona-Krise neuen Mut schöpfen.

„Wir sind mit einem kleinen Team nach wie vor für unsere Kunden da, nehmen Bestellungen an - via Telefon, über unseren Online-Shop auf der Website und sogar per Chat-Funktion“, erklärt Sibylle am Mittwoch, 16. Dezember, dem ersten Tag des bundesweiten zweiten Lockdowns wegen Corona. Die sozialen Medien wie Instagram oder Facebook helfen den Kaufhaus-Betreibern, Reichweite zu steigern: „Wir posten bewusst Videos, Anregungen und jetzt vor Weihnachten Geschenk-Ideen, um mit unseren Kunden in Kontakt zu bleiben.“


Erfahrungen aus dem ersten Lockdown kommen den Schuhmachers nun zugute, bekräftigt Sibylle im Gespräch mit wasserburg24.de: „Wir waren damals begeistert, wie gut der erste Lieferservice im März/April von den Leuten angenommen wurde. Über sämtliche Kanäle kamen Bestellungen rein. Das war eine riesige Herausforderung, die es zu überwinden galt. Wir mussten auch viel dazu lernen - gerade bei den Abläufen. Doch davon profitieren wir, sodass wir den Service im zweiten Lockdown optimiert und verbessert anbieten können.“ Im Umkreis von 15 Kilometern liefert das Innkaufhaus ab sofort aus. Dabei erfahren die Betreiber auch Unterstützung von Bekannten.


Kundenansturm auf das Wasserburger Innkaufhaus kurz vor dem zweiten Lockdown

Am Dienstag, dem letzten verkaufsoffenen Tag vor dem zweiten Lockdown, sei es den Betreibern zufolge gar nicht mehr so voll gewesen im Innkaufhaus - der große „Run“ sei mehr am Montag, 14. Dezember, und am vergangenen Samstag, 12. Dezember, über die Bühne gegangen. Diese Tage aber, so betont es die Betreiberin, seien essentiell für den Umsatz gewesen.

Auf die Weihnachtsartikel erließen die Betreiber kurzfristig 40 Prozent Preisnachlass, die Lager aber seien noch immer recht voll. „Wir bestellen zwar aktuell nichts Neues, versuchen die Restbestände zu verkaufen. Für die nächste Faschingssaison haben wir zum Beispiel im Vorfeld schon keine neuen Waren geordert, die fällt nun ja eh aus. Aber gerade für jene Geschäfte, die auf saisonale Artikel spezialisiert sind, ist das Ganze eine Katastrophe“, betont Sibylle mit Blick auf den Einzelhandel allgemein. Die Sorge, dass der Online-Handel die Einzelhändler nun gänzlich abhängt, wächst mit dem erneuten zunächst für vier Wochen angesetzten Lockdown.

Das Innkaufhaus in der Wasserburger Ledererzeile: Noch am Dienstagnachmittag vor dem zweiten Lockdown herrschte vor und im Kaufhaus reges Treiben.

Zweiter Lockdown für Einzelhandel „riesen Pleite“

Dass die Regierung auf die nach wie vor steigenden Fallzahlen reagieren musste, dafür haben die Schuhmachers freilich Verständnis, auch wenn es hart sei. Die Kurzfristigkeit der Entscheidungen jedoch sei irreführend. „Es hieß immer, der Einzelhandel bleibt offen und jetzt sperren wir doch zu. Der zweite Lockdown trifft uns mitten in der umsatzstärksten Zeit des Jahres, obwohl dieses Jahr ohnehin schon schwer genug war. Das bedeutet eine Riesen-Pleite. Die verlorenen Umsätze sind nicht mehr reinzuholen“, unterstreicht Tobias und hofft, dass das Innkaufhaus unterm Strich bei Plus/Minus Null rauskommt.

Auf wirtschaftliche Hilfen seitens der Regierung setzt er wenig Hoffnung. Die Betreiber rechnen per se mit einem Lockdown bis Ende Januar, „dann fallen wir in kein so ein tiefes Loch, wenn der Shutdown am 10. Januar nochmal verlängert werden sollte“, bekräftigt Sibylle.

Alle Hoffnung ruht auf Erfolg des Lieferservice

Im Innkauhaus selbst fristen nun seit dem ersten Tag des Lockdowns die noch übrig gebliebenen Artikel traurig ihr Dasein. „Schlimm, wenn man durch sein Kaufhaus läuft und die menschenleeren Gänge zwischen den vollen Regalen sieht“, entfährt es der Inhaberin und ihr Mann unterstreicht: „Jetzt haben wir erst vor drei Jahren aufgemacht und nun stecken wir in so einer Jahrhundertkrise.“ Doch die Betreiber geben nicht so schnell auf, zeigen sich kämpferisch: „Wir wachsen mit dieser Herausforderung, holen das Beste aus der Situation heraus und nutzen die Zeit sinnvoll. In jeder Krise steckt auch eine Chance.“

Aktuell sei man dabei, den angrenzenden kleinen Strumpfladen neben dem Hauptgebäude umzubauen: Der wird vom übrigen Kaufhaus „abgetrennt“, dort dann die Feinkost-Lebensmittel gelagert. „Das hatten wir eh schon länger vor, so können wir das jetzt im Lockdown in Ruhe umsetzen“, betont Sibylle. Die Schuhmachers blicken nach vorne und bleiben optimistisch. So lange das Innkaufhaus seine Pforten von nun an geschlossen halten muss, setzen sie all ihre Hoffnung in den Erfolg des Lieferservices.

mb

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