Freund oder Feind?

Die zwei Seiten des Biberlebens

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Der Biber und seine Vorliebe für Bäume wird in der Region heiß diskutiert
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Landkreis – Der Biber und seine Bauwerke sind streng geschützt. Seit Jahren sorgt dieses Thema für Streit zwischen Naturschützern und Landwirten. Ist der Biber existenzbedrohend?

Die Natur im Landkreis ist in aller Munde. Schön anzusehen, zudem noch Lebensraum für viele teils geschützte Tierarten.

Auch dem Biber gefällt es bei uns. Bei einem Rundgang mit dem Bund Naturschutz erklärt der Zuständige der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Rosenheim, Markus Sichler, wie es dem Biber in der freien Natur so geht und dass alles dafür getan werden müsse, ihm den Lebensraum zu erhalten.

Im Attelthal oder auch der Ahamer Filzen findet er es ideal. Hier taugt es ihm.

Besondere Leckerbissen sind die Zweigerl, der Baum wird also teilweise gefällt, um besser an die leckeren Zweige zu gelangen. Nicht alles wird gegessen, vieles nutzt er auch als Baumaterial. Oder auch nach getaner Arbeit gar nicht mehr. Der Biber ist dämmerungsaktiv, am Tag sieht man vor allem das, was er in wenigen Stunden geschafft hat. Beim Naturgang mit dabei sind Biberfreunde und Familien, die die Natur lieben. Auch einige Landwirte gesellen sich dazu, sie vertreten die weniger schönen Dinge des Biberdaseins.

Zu Besuch beim Biber

Der Biber ist ein fleißiger Geselle. Er nagt sich durch die Welt. Keine Frage, er ist selbständig und hat Geschmack. Eichen haben es ihm angetan, für seine Zähne kein Problem, auch andere Sorten mag er.

An der Murn sind auch die Tannen durch sein Tun geschwächt worden. Bislang wurden noch keine Baumarten gefunden, die er ganz verschmäht. Er liebt es nah am Wasser, damit er Dämme bauen kann. Er braucht einen Wasserstand, der es ermöglicht, auch mal abzutauchen.

Deshalb staut er gerne an, der Eingang seiner Burg ist ebenfalls oftmals im Wasser. Dabei ist es ihm grundsätzlich egal, ob Bäche hochaufgestaut plötzlich überlaufen.

Der Staat versucht in manchen Gebieten, Lösungen zu finden, die verhindern, dass manche Gewässer überlaufen. Sein Schutz ist auch in den einzelnen Landkreisen fest verankert, nur wenige Ausnahmen des Alltags mit Bibern ermöglichen eine Fangerlaubnis.

Wann darf der Biber abgefangen werden?

 

Bis vor einigen Jahren wurde der Biber, wenn er denn gezielt und zu Recht gefangen wurde, in andere Länder exportiert. Ungarn, England, lange Wege musste er aushalten. Mittlerweile werden gefangene Biber getötet, heißt es aus dem Landratsamt Rosenheim. Gefangen werden darf der Biber nur, wenn er beispielsweise eine Gefährdung darstellt.

Wenn er sich etwa in Straßenböschungen eingräbt oder Bäume direkt an der Straße annagt, die dann auf die Straße fallen könnten, dann wird beraten, ob ein Biberfang erlaubt werden kann. Auch wenn er sich an Hochwasserdeiche ranmacht oder einen enormen existenziellen Schaden anrichtet, können Biber abgefangen werden. Doch dies sei erst einmal zu beweisen, diskutieren beide Seiten der Naturbegehung. Die Fronten bleiben verhärtet.

Das Rechtliche

Das illegale Töten oder Fangen von Bibern oder das mutwillige Zerstören von Biberbauten falle unter eine Straftat und würde sogar mit Drohung einer Gefängnisstrafe geahndet, berichtet der Verantwortliche des Bund Naturschutz, Helmut Stöckl.

Ohnehin sei es relativ, was der Biber zerstören würde, was der Mensch innerhalb eines Tages an Bäumen fällt, schaffe der Biber lediglich innerhalb eines Jahres, so Helmut Stöckl von der Ortsgruppe des BN in Wasserburg weiter. Es sei mehr ein Segen, dass der Biber in der Region daheim sein mag, er sei ein großer Vorteil für die Umgebung.

Landwirte verärgert

Ganz anders sehen das die Landwirte der Region. Der Biber gehe an ihr Eigentum oder mache Besitz der Allgemeinheit kaputt. 100-Jahre alte Eichen  würden nicht vom Biber geschützt, doch wenn es um private Baumaßnahmen gehe, liefen Bäume sehr wohl unter Schutz. Angenagte Bäume sterben ab, oder blieben gefährlich hängen.

Ein Spaziergang mit Betroffenen zeigt auf, dass es durchaus ersichtlich ist, was ein Biber aus dem Zeug bringt. Baumstämme werden kurzerhand abgenagt, bis die Flüssigkeitszufuhr eines Baumes nicht mehr gegeben ist.

Der Baum stirbt ab, fällt oft gefährlich nieder. Speziell im Bereich der Murn, vor allem im Gemeindegebiet Eiselfing, zeigen Landwirte und Waldbauern ein Bild, das der Biber „gemalt“ hat.

Viele angenagte Bäume, kleine Setzlinge, deren Triebe nicht mehr wachsen.

Viel Schaden durch den Biber

„Es ist wirklich schlimm, dass alte Eichen und weitere gesunde Bäume vom Biber kaputt gemacht werden“, heißt es von Josef Lebmeier aus Alteiselfing. Er zeigt uns die Schäden an der Murn, die sich über Kilometer hinziehen. „Es ist uns Landwirten schon klar, dass es nicht in direkter Weise eine Bedrohung unserer Existenz darstellt, aber es tut in der Seele weh, wenn der eigene Besitz kaputt gemacht werden darf.“

Die Schadensregulierung und die finanzielle Entschädigung seien äußerst gering, sind sich die Landwirte einig. Es sei nicht in Ordnung, dass die Beweislast stets bei den Geschädigten liege. Der Biber hätte freies Spiel, traditionelle Bäume zu schädigen, während jeder Mensch absolute Rücksicht auf Bäume nehmen müsse.

Auch Josef Aringer aus Aham ist einer der Geschädigten. Er informiert sich seit Jahren über Möglichkeiten, die das Zusammenleben zwischen Biber und Menschen leichter macht.

Viel Briefwechsel kam in den vergangenen Jahren Zustande, wirkliche Lösungen sehe er leider nicht. „Mit dem Landratsamt sowie mit dem Bürgermeister, auch mit dem Staatsministerium habe ich schon geschrieben. Doch unser Anliegen wird dem Biberrecht untergeordnet. Es ist wirklich schlimm, weil der Biber soviel von der Natur kaputt machen darf.“ Lebmeier und Aringer möchten dem Biber nicht den „Gar aus machen“, doch sie hoffen auf eine einvernehmliche Lösung.

„Warum macht der Staat beispielsweise nichts, um staatliches Eigentum bei Wiesen, Bächen und Wäldern in Ordnung zu halten. Der Biber macht Sachen kaputt und es wird nichts reguliert, sondern Schäden bleiben einfach unbemerkt. Das macht unser Kopfschütteln aus. Wir sind um Gerechtigkeit bemüht, und wollen nicht immer als die Biberfeinde dastehen“, sind sich die beiden einig.

Eine klare Forderung  hatten sie bereits einmal. Es solle mehr die Erlaubnis für Geschädigte erfolgen, Biber in Gebieten, in denen er überhand nehme, gezielter und ohne große Bürokratie gefangen werden dürfen.

Bislang seien erlaubte Biberfangaktionen nie erfolgreich verlaufen, weil Fallen teilweise von Naturschützern manipuliert worden wären, heißt es von manchen Betroffenen. Geschädigten Bäumen folge kein neuer Baum mehr nach, dies könne nichts mit Naturschutz zu tun haben, finden sich viele aus dem Gemeindegebiet Eiselfing. Es müsse sich die Waage halten, heißt es von manchem Waldbauern. Kaputtgegangene Bäume sollten schnell ersetzt werden.

Es gelte weiter, die Lage zu beobachten und nur gezielt Erlaubnis auszusprechen, heißt es aus dem Landratsamt Rosenheim. Markus Sichler zeigt Verständnis für das aufgebrachte Verhalten der Landwirte, doch er mahnte zur Vernunft. Streitigkeiten brächten alle Beteiligten nie an einen Tisch und eine Lösung könne nicht entstehen, wenn nicht alle sachlich blieben.

Quelle: rosenheim24.de

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