Bürgerforumsdiskussion in Wasserburg

Sperrzeit: "Eine Stunde länger wäre nicht verkehrt"

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Die Nachtschwärmer sind weniger geworden ins Wasserburg - nicht zuletzt wegen der Sperrstunde. 
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Wasserburg - Ein Jahr Sperrzeit in der Altstadt - Was hat sich seitdem verändert? Wirte, Anwohner und Nachtschwärmer waren sich einig: eine ideale Lösung ist die Sperrstunde nicht. 

Stadtratsmitglied Edith Stürmlinger übernahm die Moderation der Diskussion in der Wasserburger Schranne. Viel habe sich nicht geändert am Verhalten der Nachtschwärmer seit der seit 11. März 2016 geltende Sperrzeit. Dass die Sperrstunde dennoch kein Kompromiss ist, mit dem alle zufrieden sind, da war die Diskussionsrunde übereinstimmend.

"Immer die gleichen üblichen Verdächtigen"

Chris Roth, Anwohner und selbst Nachtschwärmer in Wasserburg erklärte aus Sicht der "Jungen", dass sich an rund 70 Prozent der Abende nichts geändert habe. "Ich wohne direkt über dem Q-Stall, die Clubs geben sich wirklich Mühe, dass es leiser ist und Schlägereien, die es nach wie vor gibt, werden von der Polizei aufgelöst." Allerdings sei die Sperrzeit nicht unbedingt aufmunternd, was das Weggehen betrifft: "Früher haben wir uns immer erst bei Freunden getroffen, und sind dann nach Lust und Laune beispielsweise um 1.30 Uhr noch in die Stadt weiter gezogen. Das lohnt sich heute fast nicht mehr." Eines der Hauptprobleme sei, dass die Jungen heutzutage vor 23 Uhr gar nicht mehr ausschwärmen. "Da ist es dann bis 3 Uhr nur ein Katzensprung", meint Chris Roth. 

Einem Anwohner vom Marienplatz sei es auch vermehrt aufgefallen, dass deutlich weniger Nachtschwärmer unterwegs seien. "Früher waren bereits am Donnerstagabend die Kneipen voll. Das gibt es heute kaum mehr." 

Vor der Sperrzeit waren außerdem mehr Auswärtige in der Altstadt unterwegs - das allgemeine Gefühl der Anwohner ist es heute, dass man beim Furtgehen in Wasserburg immer nur mehr "die gleichen üblichen Verdächtigen aus Wasserburg" trifft. 

Die Diskussionsrunde des Bürgerforums in der Wasserburger Schranne. 

Alternative: Gleich nach Rosenheim oder München

Die Betreiber des Q-Stalls können mit der Sperrstunde leben. "Freilich wären längere Öffnungszeiten besser. Bisher sind alle Anwohner zufrieden und wir kommen mit der Sperrzeit klar. Dennoch wäre eine Stunde länger nicht verkehrt und 4 Uhr ein Kompromiss.

Anders sieht es bei Peter Fichter, Wirt vom Stechl Keller, aus. Er sei total frustriert und hätte finanzielle Einbußen seit der Sperrstunde. Sein Publikum würde gerne länger feiern und er müsse um 3 Uhr morgens die Schotten dicht machen. Dementsprechend kämen die Leute erst gar nicht mehr in den Stechl Keller, auch nicht mehr zum gemütlichen Beisamensitzen und Essen. Viele würden gleich nach Rosenheim oder München zum Feiern fahren. 

"Beim Kneipenfestival haben die Bands wirklich bis zum Anschlag gespielt", erklärt Monika Häuslmann, Geschäftsführerin der Schranne. "Insgesamt hat es bis 4.15 Uhr gedauert, bis alle weg waren. Die meisten waren noch gut drauf und hatten definitiv noch keine Lust heimzugehen."

Am Höhepunkt des Feierns ist Schluss

Sätze wie "Wir müssen aufpassen, dass Wasserburg nicht zur Museumsstadt wird" oder "Die Stadt darf nicht aussterben - Wasserburg hatte schon immer eine hohe Kneipenrate. Das spricht sich schnell rum, wenn es sich nicht mehr lohnt, in die Innstadt zum feiern zu fahren", fielen in der Diskussionsrunde.

Es sei allgemein festzustellen, dass die jungen Leute die Stadt mittlerweile überhaupt nicht mehr als "Furtgeh-Option" wahrnehmen. "Um 3 Uhr ist Schluss. Ab 2.30 müssen wir bereits anfangen, die Leute abzukassieren und das Ende einläuten. Und plötzlich steht die Feiergemeinde da, ist noch gut drauf und in Partystimmung und würde gerne weiterfeiern - genau dann müssen wir den Riegel vorschieben", bedauert auch Manuel Scheyerl, Betreiber des Q-Stalls. 

Wie geht es dann mitten in der Nacht nach dem abrupten Ende weiter? Feiern die Nachtschwärmer dann in einer Privatwohnung weiter? Gehen sie heim? Ist es auch deshalb eine Option für die jungen Leute, gleich in größere Städte zu tendieren? Würde es sich lohnen, für spezielle Events im Jahr die Sperrstunde in der Altstadt aufzuheben? 

Fragen, die offen bleiben.

mb 

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