Sperrstunde, Gastronomie-Wechsel, Großstädte bevorzugt

"Wollen wir die jungen Leute aus Wasserburg vertreiben?"

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Das Nachtleben in Wasserburg - verändert es sich aufgrund der Sperrstunde und des Wechsels der Gastronomie? 
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Wasserburg - Sperrstunde schön und gut - wie aber geht's weiter mit dem Nachtleben in Wasserburg? Diese Frage stellt sich nicht nur die junge Generation. Das Thema Sperrzeit kam in der Bürgerfragestunde im Rathaus am 30. März einmal mehr auf den Tisch:  

Bereits im Bürgerforum wurde die seit gut einem Jahr geltende Sperrstunde heiß diskutiert. Wirte, Anwohner und Nachtschwärmer waren sich einig, dass die Sperrstunde keine ideale Lösung sei. Was kann getan werden? 

Rosenheim und München bevorzugt

Chris Roth, Anwohner des Marienplatzes und selbst Nachtschwärmer in Wasserburg stellte erneut die Frage in die Runde und speziell an Bürgermeister Michael Kölbl, was sich seither geändert habe und wie es jetzt weiter gehe in der Innstadt: "Um drei Uhr stehen wir in Wasserburg plötzlich auf der Straße - wenn die Stimmung gut ist, wollen viele einfach noch weiterfeiern und genau dann werden wir vertrieben, weil die Party mit der Sperrstunde ein abruptes Ende findet. Ich kenne einige, die Wasserburg schon gar nicht mehr als Furtgeh-Option sehen und lieber Rosenheim oder München als Feiermeile favorisieren. Die Jungen gehen eben mit dem Ziel 'Open End' weg und das ist hier nicht möglich. Wollen wir denn die jungen Leute aus der Stadt treiben, wollen wir sie loswerden?

Pächterwechsel Wurzel allen Übels? 

Bürgermeister Kölbl entgegnet, man wolle in keinste Weise die Partygeneration vertreiben. Der Ursprung der schwindenden Zahlen an jungen Feiernden liege laut Kölbl nicht allein in der Realisierung der Sperrstunde: "Bereits vor der Einführung haben wir einen Wechsel in der Gastronomie festgestellt. Ein deutlich älteres Publikum wurde angesprochen und die Altstadt damit zunehmend unattraktiver für die jüngere Generation." Was Ruhestörungen und Vandalismus angeht, habe hingegen eine deutliche Verbesserung stattgefunden. "Vor den Zeiten der Sperrstunde verging kein Montag, an dem sich keine Beschwerden auf meinem Schreibtisch stapelten", erklärt Kölbl. Doch liegt das jetzt wirklich an der Sperrzeit oder eher an den sinkenden Besucherzahlen?

Christian Stadler (Grüne) wohnt am Marienplatz und erklärt, auch er habe als Anwohner festgestellt, dass deutlich weniger los sei in Wasserburg. "Ich denke aber, die Sperrstunde allein ist nicht ausschlaggebend für die aktuelle Lage in der Stadt." Vielmehr sieht Stadler den hauptsächlichen Grund wie Kölbl im Pächterwechsel

Auch Sophia Jokisch (Linke) bestätigt den Eindruck, dass wohl besonders die Haager und Ebersberger, die früher oft in Wasserburg unterwegs waren, nicht mehr kommen. "Wasserburg lebt doch vom Nachtleben, in Zukunft könnte es deutlich träger und langweiliger werden, wenn die Jugendlichen ohne lang zu überlegen gleich größerer Städte zum Feiern bevorzugen."

Eine Stunde länger als Lösung? 

Edith Stürmlinger (Bürgerforum), schlägt als möglichen Kompromiss 4 Uhr als Sperrstunde vor. "Eine Stunde länger feiern zu dürfen wäre doch ein Versuch auch wieder mehr Auswärtige zum ausgehen her zu locken. Ich würde es befürworten, wenn wir damit zu einer liberaleren Lösung kommen." Zudem sollte sich der Nachtexpress an die Sperrstunde anpassen, "damit die Jugendlichen nicht mehr so lange draußen vor der Tür stehen." 

Die Befürwortung Stürmlingers für eine Umschwenkung auf 4 Uhr fand im Stadtrat keine uneingeschränkte Zustimmung. Peter Stenger kann dem Argument seiner Stadtratskollegin nicht folgen: "Ob 3 Uhr oder 4 Uhr - was macht das für einen Unterschied? Die Leute stehen doch zu jeder Zeit nachts auf den Straßen herum, bis sie nach Hause gehen."

"Um 21 Uhr feiern gehen klappt heute nicht mehr!"

Wolfgang Schmid (CSU) kann zudem den Wandel der Partyzeit nicht nachvollziehen: "Müssen die Jugendlichen denn bis frühmorgens unterwegs sein? Wieso kann man nicht einfach wie früher auch zu einer christlichen Zeit weggehen? Wieso beginnen Partys heutzutage nicht mehr vor 23 Uhr?" Chris Roth kann sich das selbst nicht erklären: "Um 21 Uhr bereits feiern gehen klappt eben heutzutage leider nicht mehr - warum, das weiß keiner. Die Lokale haben es versucht mit früheren Events, die Idee aber relativ schnell wieder aufgeben müssen, weil sie nicht gezündet hat." 

Wie es letztlich weitergehen wird mit der Sperrstunde und in welche Richtung sich Wasserburgs Nachtleben entwickelt, bleibt weiter abzuwarten. 

mb

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