Aufgaben gemeinsam meistern

Antworten aus allen Richtungen zu Asylpolitik

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Die Aufnahme von Flüchtlingen, darunter auch viele unbegleitete Minderjährige, war Thema bei der Bürgerversammlung im Wasserburger Rathaussaal
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Wasserburg – Mit vielen Informationen im Gepäck erläuterten am Dienstagabend Rosenheims Landrat Wolfgang Berthaler und Vertreter von Sozialamt und Jugendamt, den Alltag der Begleitung von Flüchtlingen.

Der Rathaussaal war mit Hunderten Bürgern gefüllt, auch viele Bürgermeister aus dem Altlandkreis Wasserburg kamen, um mehr über die Asylpolitik und über angedachte Projekte und Planungen rund um die Aufnahme und Begleitung von Flüchtlingen in Wasserburg zu erfahren. Mit besonders ehrlichen Worten erläuterte Landrat Wolfgang Berthaler das Thema, das im Landkreis Rosenheim eine besonders große Rolle spiele. „Viele Flüchtlinge haben eine wochenlange Reise auf sich genommen und gelangen über Italien und Österreich zu uns in den Landkreis Rosenheim“, heißt es von Berthaler.

Er nahm kein Blatt vor dem Mund und erläuterte, dass im Landkreis aktuell mehr als 700 Flüchtlinge untergebracht seien, einige weitere Hundert in den nächsten Monaten noch hinzukommen. „Die großen Erstaufnahmelager verteilen nach den Clearing-Verfahren auf die einzelnen Landkreise, Rosenheim ist von der Zuteilung für Oberbayern mit 5,7 Prozent vorgesehen". Doch obwohl bereits jetzt über Kontingent aufgenommen wurde, könnten jederzeit „Zwangszuteilungen“ wegen besonderem Situationsbedarf gemacht werden, berichtet Berthaler. 

Bürgerversammlung zur Asylpolitik

Wolfgang Berthaler erläutert, dass in den 46 Gemeinden des Landkreises, bereits jetzt schon in 29 Kommunen Flüchtlinge aufgenommen wurden und zollte allen Ehrenamtlichen großen Respekt für das unermüdliche Engagement, das für die Asylbewerber eingebracht werde. „Nur gemeinsam können wir das schaffen, und ich bitte Sie alle herzlich darum, dass wir diesen Kraftakt gemeinsam schultern und uns weiter für diese zu uns gekommenen Menschen einsetzen“, so Berthaler.

Dezentrale Unterbringung

Wolfgang Berthaler betonte stets, dass es durch den Landkreis Rosenheim vor allem vorgesehen sei, dass die Flüchtlinge nicht in großen Sammelgruppen, sondern in kleinen Wohnungen und Häusern untergebracht werden. „Dezentrale Unterbringung fördert eindeutig die Integration“ ist sich der Landrat sicher. In vielen Kommunen merke man bereits, dass die Integration gut funktioniere, doch nur durch Bürgereinsatz so eine Integration auch stabil gehalten werden könne.

Berthaler nannte Beispiele von Gemeinden im Landkreis, in der mehr als 25 Asylbewerber untergebracht sind:

Bad Aibling mit 27, Bad Endorf 52, Bad Feilnbach 40, Bruckmühl 29, Flintsbach 26, Frasdorf 38, Großkarolinenfeld 38, Höslwang 35, Kiefersfelden 50, Kolbermoor 60, Rohrdorf 34, Schechen 40, Rott 48, Stephanskirchen 24 und Wasserburg 55. Die Verteilung von zugewiesenen Asylbewerbern erfolge nach freien, anmietbaren Wohnflächen in den Städten und Ortschaften des Landkreises.

Während aufgegriffene volljährige zunächst in den großen Erstaufnahmelagern erkennungsrechtlich untersucht werden und dann umverteilt, bleiben unbegleitete Jugendliche aktuell überwiegend im Landkreis, in dem sie aufgegriffen wurden zum sogenannten Clearing.

Die bevorstehende Öffnung einer Clearingstelle in Wasserburg nahe dem Krankenhaus ist momentan für 40 unbegleitete Minderjährige vorgesehen. Geplant sei momentan jedoch, dass lediglich 25 aufgenommen werden.

In unmittelbarer Nähe zum RoMed-Klinikum sollen in den nächsten Wochen modulare Bauten entstehen, ähnlich dem Pavillongebäude, wie es aktuell an der Mittelschule in Wasserburg genutzt wird. Die angedachte Clearing-Stelle könne im dringenden Bedarfsfall für ungefähr 40 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zur Verfügung stehen. Auch Untersuchungsräume werden integriert, um die Erstuntersuchung zu vereinfachen.

In einer Clearing-Stelle werden die Angekommenen medizinisch begleitet und erstuntersucht. Die Aufgabe dieser Organisation und weiteren medizinischen Betreuung übernimmt Oberärztin Dr. Karola Weiglein vom RoMed-Klinikum in Wasserburg. In unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus werden in wenigen Wochen die Pavillonbauten eingerichtet, dann steht einer Aufnahme nichts mehr im Wege.

Die Leiterin des Sozialamtes des Landkreises Rosenheim, Alexandra Weber erklärte, wie kompliziert und kräftezehrend sich die Organisation und Aufnahme sowie Betreuung von minderjährigen Flüchtlingen gestalte. Gemeinsam mit Jugendamtsleiter Johannes Fischer und Anja Skobl von den Rummelsberger Diensten werde seit vielen Monaten versucht, eine dem Jugendschutz angebrachte Betreuung für die angekommenen unbegleiteten Jugendlichen zu organisieren. „Eine Betreuung ist bei den teils schwer traumatisierten Kindern und Jugendlichen unter 18 gar nicht leicht“ erklärt Jugendamtsleiter Fischer. Neben der psychologischen und sozialpädagogischen Betreuung gehöre auch das Lernen und die ersten Alltagsregeln zum gemeinsamen Ablauf. Die Rummelsberger Dienste treten in den Einrichtungen der aufgenommenen Flüchtlinge als Träger auf.

Details über Erstaufnahme von minderjährigen Flüchtlingen

In der Clearing-Stelle, die in der Nähe des Krankenhauses vorgesehen sei, würden die Jugendlichen ungefähr drei Monate bleiben, erklärte Anja Skobl von den Rummelsberger Diensten. Solange würde die Erkennungsarbeit und Erstversorgung dauern, heißt es von der Expertin. Eine rund um die Uhr – Betreuung sei auch in Wasserburg vorgesehen. „Glauben Sie mir, diese Flüchtlinge sind äußerst motiviert und wir haben festgestellt, dass sie sich wirklich integrieren wollen“, betont neben dem Landrat selbst auch Fischer vom Jugendamt des Landkreises Rosenheim.

Die Flüchtlinge seien keine Wirtschaftsschmarotzer, sondern könnten eine Chance sein für unsere Wirtschaft, klingt es von Fischer an. „Lassen Sie uns gemeinsam diese wichtigen Aufgaben der Aufnahme und Betreuung der Flüchtlinge schaffen, nur gemeinsam können wir diese Herausforderungen stemmen“ nahm Landrat Wolfgang Berthaler in seine Schlussworte mit auf. Er dankte nochmals den engagierten Bürgerinnen und Bürgern, den Wohlfahrtsverbänden und Kirchen, die durch menschlichen Einsatz viel für die Menschen, die in den Landkreis Rosenheim kommen, tun. Kritische Kommentare und Fragen blieben aus.

Die Bürger zeigten sich sehr interessiert und ließen erkennen: In und um Wasserburg gehe man sachlich und menschlich an die Flüchtlingswelle heran. Ohne Voreingenommenheit, manche Bürger hielten inne: „Ich muss gestehen, ich habe momentan noch Berührungsängste, weil ich diese vielen Infos erst für mich selbst sammeln muss und dann aber sagen kann, dass wir mit der Situation umgehen müssen“, erläuterte ein anwesender Wasserburger.

In wenigen Wochen werden in der Nähe des RoMed-Klinikums Wasserburg Pavillonbauten entstehen, die zusätzliche minderjährige Flüchtlinge zum Clearing aufnehmen kann.

Quelle: rosenheim24.de

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