Wasserburger kritisieren Aufwertung des Christkindklmarkts *Mit Voting* 

Eislaufbahn bei 10 Grad Plus: "Muss das sein?" 

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Wasserburg - Ausgerechnet eine frostige Idee sorgt für aufgeheizte Gemüter: Die geplante Eislaufbahn, die in diesem Winter im Herzen der Altstadt für Nostalgie sorgen soll, hat nicht nur Befürworter. Das wurde auf der Bürgerversammlung 2019 deutlich. 

Sie soll die Attraktion des Wasserburger Christkindlmarkts werden und nostalgischen Flair versprühen: Die 30 Meter lange und zehn Meter breite Eislaufbahn, die in der Herrrengasse heuer zum ersten Mal entstehen wird. Auf Antrag des Wirtschafts-Förderungs-Verbands Wasserburg (WFV) wurde sie vom Haupt- und Finanzausschuss im Oktober genehmigt - einstimmig.

"Das ist doch Wahnsinn" 

Einigen Bürgern aber passt diese Entscheidung augenscheinlich nicht in den Kragen. Ein junger Wasserburger aus den hinteren Reihen meldete sich im Rahmen der ersten von insgesamt vier Bürgerversammlungen im Feuerwehrhaus Im Hag zu Wort und bekam prompt Unterstützung weiterer Anwesender durch Klatschen und Tischklopfen: "Auch wenn ich nun Gefahr laufe, den gesamten Stadtrat gegen mich aufzulehnen und die Vorfreude bereits groß sein mag, aber ich sehe die Eislaufbahn kritisch. Zu Hause überlegt jeder, wie und wo er möglichst viel Energie einsparen kann und die Stadt installiert eine Eislaufbahn - das ist doch Wahnsinn. Für was haben wir dann den Klimanotstand ausgerufen? Ich frage mich, von welchem Energieverbrauch wir hier überhaupt reden?"

Diese Frage konnte Bürgermeister Michael Kölbl pauschal nicht beantworten, verwies auf die Antragsteller des WFV: "Wir von der Stadt wissen nur, dass der Verbrauch eines Teilnehmers, der eine Stunde lang die Bahn nutzt, gleichzusetzen ist mit einem Energieverbrauch von einem Elektroauto auf einer Strecke von zehn Kilometern." 

"Wir reden hier von einer Fläche von 300 Quadratmetern, die größtenteils bei 10 Grad Plus betrieben wird. Ich wünsche mir eine Anzeige an der Bahn, damit sich jeder ein Bild machen kann vom aktuellen Energieverbrauch und gleichzeitig eine Personenzählung, auch um eine angemessene Bilanz ziehen zu können", brachte der Wasserburger daraufhin als Anregung ein, die der Bürgermeister gerne aufnahm und dabei betonte, auch in den Reihen der Verwaltung sei die Eislaufbahn durchaus kritisch bewertet worden. "Deshalb haben wir sie auch nur genehmigt, wenn Ökostrom im Spiel ist."

Franz Göpfert unterstützte den Wasserburger: "Für uns Bewohner in Herren- und Frauengasse ist der Leidensdruck groß - besonders wenn uns der Christkindlmarkt vier Wochen lang volldudelt. Da frage ich mich manchmal ernsthaft, ob Wasserburg noch eine Stadt zum Wohnen oder nur mehr zum Feiern ist. Freilich hatten wir damals die Eislaufbahn am Gries - aber nicht bei 10 Grad Plustemperaturen. Muss das sein?

In der Herrengasse auf der linken Seite entlang des Bürgerbüros soll die Eislaufbahn entstehen. Die Parkplätze müssen weichen: Rechter Hand ist die Durchfahrt für die Autos geplant. 

Eine andere Meinung vertrat Dorle Irlbeck. Die 83-Jährige freut sich auf die Eislaufbahn: "Ich finde es schön, wenn die Kinder in der Stadt Schlittschuh fahren und die oiden Manna Stockschießen können." 

Bürgermeister Michael Kölbl schloss die Diskussion um die Eislaufbahn mit den Worten, der Stadtrat habe bei allen Beschlüssen immer zu entscheiden zwischen einer lebendigen Altstadt für Feste und einer Stadt, in der man gerne wohnen wolle. "Diese Gratwanderung müssen wir gehen". 

Über die weiteren Punkte aus der Bürgerversammlung 2019 berichten wir in einem gesonderten Artikel. 

mb

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