Neue Einwände zum Jahrhundertprojekt Bahnübergang B304 

Reitmehringer: "Wollen kein Betonmonster in unserem Dorf!"

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Der Bahnübergang in Reitmehring - er ist und bleibt ein Streitthema. Die Bürger wünschen sich endlich eine Lösung. 

Wasserburg - Die Thematik Bahnübergang B304 erhitzt die Gemüter noch immer. Statt einer Brücke fordern einige Reitmehringer nun erneut eine Tunnellösung. 

Auf der Bürgerversammlung in Reitmehring informierte Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl am Montagabend des 13. Novembers über das Jahr 2017 in der Stadt und den Ortsteilen. Auch der Bahnübergang an der B304 war einmal mehr Thema - und ließ die Stimmung der Reitmehringer hoch kochen

Wie beim Planfeststellungsverfahren zur DK1-Deponie in Odelsham agiere die Regierung von Oberbayern als Genehmigungsbehörde. So leitete Michael Kölbl die Ausführungen zum aktuellen Sachstand ein. Im Mai/Juni 2016 sei die öffentliche Auslegung des geplanten Projekts erfolgt, es seien zahlreiche Einwendungen beim Staatlichen Bauamt eingegangen. Das Bauamt habe diese bearbeitet und der Regierung von Oberbayern weitergegeben. Der nächste Schritt sei nun ein Erörterungstermin im ersten Quartal 2018. Laut Kölbl soll der bereits Mitte Januar des neuen Jahres stattfinden. 

"Das Ganze ist doch ein Witz", konnte man aus den Reihen der Bürger vernehmen. Viele scheinen wohl angesichts der vielen Jahre, die die Planung schon in Anspruch nimmt, langsam die Geduld zu verlieren. Und doch: Resignation hat wohl bei den wenigsten eingesetzt

Bürgerin: "Dieses Monsterteil zerstört das Dorf!" 

Jürgen Scheller, Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins Reitmehring, nutzte die Gelegenheit, um Bürgermeister Kölbl im Rahmen der Bürgerversammlung einen offenen Brief zu übergeben, der ein ein sofortiges Ende der Planungen zur Verkehrsführung mit dem wesentlichen Bestandteil einer Brücke über die Bahngleise fordert. "Warum wird bei den Planungen keine Rücksicht auf die Struktur des Ortes und die Bedürfnisse der Bürger genommen? Auch wenn Reitmehring nicht zu den schönsten Dörfern Deutschlands gehört, wir kämpfen um den Erhalt unserer Heimat und für ein lebenswertes Reitmehring", lautete die Begründung. Es fiele leicht, dem Vorort Reitmehring diese Brücke zuzuordnen, wenn man im malerischen Wasserburg zuhause sei.  

"In über sieben Meter Höhe soll eine Brücke mitten durch unser Dorf führen. Damit würde es, abgesehen von den zunehmenden Belastungen durch Lärm und Abgase, für Generationen verschandelt werden", heißt es auszugsweise aus dem offenen Brief. Scheller plädierte strikt für eine Tunnellösung

Eine Bürgerin unterstrich den Antrag des Gartenbauvereins. "Dieses Monsterteil, das durch Reitmehring führen soll, zerstört das Dorf. 

Bürgermeister Kölbl: "Im schlimmsten Fall nurmehr eine Ampel." 

Bürgermeister Kölbl erklärte, er werde zu dem Antrag keine Stellungnahme abgeben und diesen an die die Regierung von Oberbayern weiterleiten, in deren Händen die Entscheidungsmacht liege. 

Die Hoffnung einiger Reitmehringer auf den Bau einer langen Tunnellösung musste Kölbl jäh zerschlagen. "Eine Tunnelführung - und sei es nur ein Kurztunnel - wurde bereits torpediert. Die Realisierung eines Langtunnels würde eine Änderung im Verkehrswegeplan, der erst vor einem Jahr verabschiedet wurde, mit sich führen. Die Debatte ist damals bis vor den Bundesrechnungshof gegangen. Es stand alles ziemlich auf der Kippe. Wenn wir jetzt die Planungen, die bereits beschlossen wurden, neu überplanen, gehen wir das Risiko ein, dass die Regierung von Oberbayern zurückrudert. Im schlimmsten Fall bekommen wir dann nurmehr eine Ampel", warnte der Bürgermeister. 

Eine Übersicht des geplanten Projekts am Bahnübergang der B304 in Reitmehring. 

Dass das Bauwerk - sei es nun mit Brücke oder Tunnel - nicht schön werden würde, sei nach Meinung eines weiteren Bürgers nicht wegzudiskutieren. Er konnte die Einwände des Bürgermeisters nachvollziehen und kritisierte vielmehr das Verkehrschaos in Reitmehring. "Der Verkehr, der tagtäglich durch das Dorf rollt, wird in Zukunft nicht weniger. Das Ganze wird nicht einfacher, wenn wir die Planungen schlecht reden. Wir können schon einen Langtunnel fordern, finanziell ist eine Tunnellösung aber wahrscheinlich ohnehin nicht machbar." 

Eine Reitmehringer Bürgerin konnte die Einwände nicht verstehen: "Sind wir denn in Reitmehring weniger wert? In Traunstein, Brannenburg oder Ruhpolding funktioniert eine Tunnellösung doch auch - warum nicht auch bei uns? Wir wollen die beste Lösung und kein Betonmonster in unserem Dorf!"

Aus dem Archiv:

mb

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