Runder Tisch zum Thema Asyl

Wohnraum für alle? Claudia Roth pocht auf Gleichberechtigung

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Werner Gartner als Bürgermeistervertreter von Wasserburg, daneben Claudia Roth und Claudia Stamm vom Bündnis 90/die Grünen. Ebenfalls von den Grünen Andrea Rosner und Steffi König sowie der Bürgermeister von Eiselfing, Georg Reinthaler.
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Wasserburg - Das Thema lokal aufbereitet, die Turnhallenbelegung an der Realschule ebenso im Gespräch wie die Bürokratie, mit der Asylbewerber und Helfer konfrontiert sind.

Es war zwar kein runder Tisch, an dem Vertreter des Landratsamtes sowie Asylhelfer aus Wasserburg Platz nahmen, um mit Claudia Roth und Claudia Stamm sowie Vertretern des Ortsverbandes von Bündnis 90 / die Grünen zu diskutieren. Doch es wurde eine runde Sache draus.

"Es ist wichtig zu schauen, wie die Situation vor Ort aussieht, darum fand ich es sehr interessant, dass ich mir in Wasserburg ein Bild machen hab dürfen", hieß es von Claudia Roth. Sie unterhielt sich mit Flüchtlingen, die in der Realschulturnhalle in Wasserburg untergebracht sind.

Jedes einzelne Schicksal der Menschen, die hier in Wasserburg seien, sei bewegend, betonte Roth. Sie war der Einladung von Steffi König gefolgt, die als Vorsitzende des Kreisverbandes der Grünen Rosenheim fungiert, außerdem als Ortsvorsitzende für Wasserburg aktiv ist.

Mit dabei bei dem Gespräch war auch Werner Gartner (SPD), der als zweiter Bürgermeister für Wasserburg ebenfalls die Sichtweise des Machbaren in der Stadt beim Thema Asyl zur Sprache brachte. "Ohne Helfer keine Hilfe", betonte Gartner. Er danke den vielen ehrenamtlich Tätigen, die unermüdlichen Einsatz brächten.

"Die Asylhelferkreise und die engagierten Menschen machen die Situation überhaupt erst machbar", zogen Gartner und Roth gleich. "Die starke Zivilgesellschaft von Menschen ist beeindruckend", so Roth. Sie mahnte an, dass die Dauer der Asylverfahren eindeutig zu lange sei und die Unsicherheit der Menschen zu neuen Herausforderungen führe.

Lokale Einblicke

"Ich würde mir wünschen, dass bei allen unterschiedlichen Meinungen die menschliche Komponente und die Sachlichkeit mehr Gewicht bekämen", so Roth.

Natürlich müsse es Rahmenbedingungen geben, damit beim Thema Asyl Vieles klarer werde, so Roth. "Sowohl für die betroffenen Flüchtlinge, aber auch für die Asylhelfer".

Großer Dank ging an die Ehrenamtlichen sowohl von der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages - aber auch von den beiden Bürgermeistervertretern aus Wasserburg und Eiselfing.

Das Gemeindeoberhaupt von Eiselfing, Georg Reinthaler, gab zu bedenken, dass allgemein der Wohnraum sehr knapp werde in den Kommunen und auch sozial schwächere Menschen, etwa Alleinerziehende oder Geringverdiener, wenig Chancen hätten, auf dem freien Wohnungsmarkt überhaupt Wohnraum zu bekommen.

"Wir brauchen in Deutschland Wohnraum für alle, das ist klar", zeigte sich Claudia Roth verständlich. Es dürfe die Asylsituation nicht zu Lasten Anderer gehen. Die Leiterin des Sozialamtes des Landkreises Rosenheim, Alexandra Weber, erklärte, dass Wohnraum im Landkreis weiter extrem rar sei und man deshalb auf Eigentum des Landkreises auch weiterhin zurückgreifen müsse.

Arbeit annehmen für Flüchtlinge ein Problem

Die Gemeinde Eiselfing, berichtete Georg Reinthaler, habe Asylbewerber untergebracht, die aus dem Senegal stammen. Diese könnten Arbeiten in der Region nicht annehmen, weil es ihnen rechtlich nicht gestattet sei. "Es muss dringend nachgebessert werden, wenn Menschen arbeiten möchten, aber es nicht erlaubt ist", so Reinthaler.

90 Nationalitäten aktuell in Wasserburg

"In Wasserburg sind wir im Vergleich zur Einwohnerzahl im Landkreis bei der Zuteilung der Flüchtlinge ganz vorne dran", heißt es von Werner Gartner. Es funktioniere gut und man trage es, helfe gerne.

Gartner gab zu bedenken, dass die Planung für eine Belegung der Gymnasiumsturnhalle in Wasserburg zu Diskussionen und Unmut führe. "Der Sportbetrieb nach der Belegung der Realschulturnhalle konnte gut koordiniert und umverteilt werden, doch wenn nun auch die Gymnasiumsturnhalle wegfallen würde für eine allgemeine Nutzung, könnte es Probleme geben", vermutet Gartner.

Wasserburg sei Schulstadt und hätte viele Vereine, man wolle den Kindern und Jugendlichen die Sportmöglichkeiten nicht allesamt nehmen. "Auch wenn wir Verständnis haben für die Pflichten, die der Landkreis hat", so Garnter.

Es müsse eine rechtliche Grundlage geschaffen werden, um Alternativen für die Schaffung von Unterbringungsmöglichkeiten durch den Landkreis zu erarbeiten. Gartner nannte als Vorschlag eine Traglufthalle. "Das wäre uns lieber als die Belegung der zweiten Turnhalle", betonte Gartner. Außerdem mahnte er an, dass immer noch nicht alle Kommunen im Landkreis Asylbewerber aufnehmen würden. "Es darf nicht sein, dass sich manche Gemeinden wegducken", so der Bürgermeistervertreter. Abschließend animierte Landtagsabgeordnete Claudia Stamm die anwesenden Asylhelfer und Kommunalvertreter, bei Unklarheiten und Missständen oder zu extremer Bürokratie mehr Druck zu machen und sich zu melden.

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