Beschwerden, Anzeigen, Polizei 

White-Secret-Betreiber zum Aus: "Der Ärger geht an die Substanz!" 

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Das Schild gibt es noch, der Club White Secret aber ist nach drei Jahren in der Wasserburger Altstadt gestorben. 
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Wasserburg - Erst Titanic, jetzt White Secret - in dem Kellergewölbe in der Bäckerzeile hält sich langfristig gesehen kein Club. Ein weiterer Schritt, das Nachtleben in der Innstadt langsam zu begraben? Betreiber Günther Czuch erklärt, warum er nach drei Jahren in der Altstadt aufgibt: 

Der Hauptgrund, warum das Gebäude verkauft und der Club geschlossen wurde, seien die Beschwerden der Anwohner gewesen. "Es ist megaschade, dass das White Secret nun Vergangenheit ist - aber für mich gab es an diesem Standort einfach keine andere Lösung", erzählt Betreiber Günther Czuch traurig. Das Aus sei definitiv besiegelt, er wolle um keinen Preis weitermachen. Das Ende des im Jahr 2014 ins Leben gerufene White Secrets habe jedoch nichts mit der Altstadt selbst zu tun, "die Leute waren hier auch nicht lauter als in anderen Lokalitäten". Das Problem seien die Anwohner. 

"Die Anwohner, die sich rund um die Uhr beschweren, sind keine Einheimischen!" 

"Das sind drei bis vier Nachbarn, die sich gegenseitig hochputschen. Ich habe ständig Anzeigen bekommen, auf meine Gäste wurden teils Eimer mit Wasser geschüttet, immer wieder wurde die Polizei gerufen. Ich habe sogar Anzeigen bekommen, da hatte ich gar nicht offen. Darin hieß es dann, wir würden Privatpartys schmeißen", schildert Czuch die Situation für ihn als Betreiber im Gespräch mit wasserburg24.de. Dabei habe er sich immer strikt an die Sperrzeit gehalten und nie überzogen.

Anfangs würde man noch Kompromisse eingehen, mit den Nachbarn reden, die Lautstärke der Musik runter drehen. "Aber auf Dauer macht das keinen Spaß mehr und man verliert jegliche Motivation weiterzumachen, wenn einem derartige Steine in den Weg gelegt werden." 

Das Bizarre an der ganzen Sache: Die Anwohner, die sich rund um die Uhr beschwerten, seien laut Czuch bis auf einen überhaupt keine Einheimische: "Zwei sind Münchner, einer Österreicher und nur ein Anwohner ein Wasserburger." Darüber hinaus seien es alles ältere Leute: "Der jüngste war so um die 50. Alle anderen bereits im Rentenalter. Wenn man sich entschließt, in die Altstadt zu ziehen, muss man doch damit rechnen, dass Lokale und Kneipen in der Nähe sind und es lauter werden kann. Sowas weiß man doch vorher."

Im Juni 2017 hat Betreiber Czuch das White Secret endgültig aufgegeben. Ursprünglich hatte er noch eine Abschiedsfeier geplant, die Idee aber mittlerweile wieder verworfen. "Das würde ja wieder nur neuen Streit geben", sagt Czuch nüchtern. "Der ganze Ärger geht wirklich an die Substanz, wenn man immer blöd angeredet wird.

Die Tür ist zu und sie bleibt zu. Betreiber Günther Czuch hat das White Secret in der Bäckerzeile aufgegeben. 

"Das Nachtleben in Wasserburg stirbt definitiv aus!" 

Das Kellergewölbe, in dem die Bar untergebracht war, ist scheinbar von der Wohnungseigentümergemeinschaft der Palmano-Anlage gekauft worden. "Die neuen Eigentümer werden alles dran setzen, dass in das Gebäude nie mehr eine Bar oder Lokalität einzieht", ist Czuch überzeugt. 

Umfrage: Nachtleben in Wasserburg - Top oder Flop?

Was das für das Nachtleben in Wasserburg langfristig bedeutet? "Es wird definitiv aussterben", konstatiert Czuch, der jetzt in München lebt und dem Nachtleben berufstechnisch den Rücken zugekehrt hat. "Für die jüngere Generation bis 30 Jahre ist Wasserburg überhaupt nicht mehr interessant zum Furtgehen. Früher war das anders, da war man bis in die frühen Morgenstunden im Stechlkeller oder beim Carlos - aber jetzt? Es gibt doch kaum mehr Alternativen. Ich sehe es täglich in München, dort gibt es auch Lokale, die Probleme mit Anwohnern haben, aber nicht permanent und mit einer derartigen Intensität wie hier in der kleinen Innstadt. Das raubt jegliche Motivation weiterzumachen."  

Ob die Sperrstunde auch seinen Teil zum Aus des Clubs beitrug? Das glaubt Günther Czuch nicht: "Die Sperrzeit hat nichts gebracht. Es ist nicht ruhiger. Das einzige, was die Einführung bewirkt hat, ist, dass die Leute gleich in andere Städte zum Feiern fahren und Wasserburg gar nicht mehr als Option zum Furtgehen sehen."

Die Stellungnahme des Bürgermeisters zum Aus des Clubs: 

Bürgermeister Michael Kölbl glaubt, das White Secret war ein "Einzelfall". Es habe immer Ärger zwischen den Anwohnern der Bäckerzeile und dem Betreiber des White Secrets gegeben. "Ich denke, das Problem war hier das einheitliche Gebäude und der Standort des Clubs im Kellergewölbe", mutmaßt Bürgermeister Michael Kölbl zum Aus. 

Der Q-Stall in der Herrengasse laufe gut, auch das El Paso profitiere nun von der Vergrößerung. Ebenso das Central habe sich wieder etabliert mit kürzeren Öffnungszeiten - die Situation mit der Kneipenproblematik in der Altstadt scheint sich laut Kölbl "insgesamt entspannt" zu haben. 

Betreiber Günther Czuch nahm gegenüber wasserburg24.de an, die Stadt Wasserburg arbeite möglicherweise darauf hin, den Leuten anstatt dem Feiern bis in die frühen Morgenstunden vielmehr ein "gmiatliches Furtgehen, das um Mitternacht endet" schmackhaft zu machen. Das kann Michael Kölbl jedoch nicht unterstreichen. Weder die Sperrstunde noch diese Vermutung des Betreibers seien aus Sicht des Bürgermeisters ausschlaggebend für das Ende des White Secrets gewesen. Die Stadt solle schließlich auch weiterhin für junge Leute attraktiv bleiben. "Die Sperrzeit ist dabei immer ein Abwägungsprozess zwischen den Belangen der Anwohner, der Gastronomie und des Partyvolkes". Man wolle natürlich eine lebendige Altstadt mit all seinen Facetten. Dafür stehe auch die Stadt Wasserburg. 

Was als Nachfolgenutzung in dem Kellergewölbe geplant sei, darüber sei dem Bürgermeister noch nichts bekannt. "Ich weiß, dass es Verhandlungen gab, wie es weitergeht, werden wir sehen." Wahrscheinlich ist aber, dass die Wohnungseigentümergemeinschaft als neuer Besitzer eher keine Lokalität mehr in der Bäckerzeile sehen möchte. 

mb

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