Amazon in Corona-Krise mit extralangen Lieferzeiten bei Büchern

"Fakt ist: Der Buchhändler ums Eck ist erster Ansprechpartner geworden"

Wasserburg - Amazon bietet Bücher aktuell nur noch mit erheblich langer Lieferzeit. Wie geht es angesichts dieser Entwicklung nun lokalen Buchhändlern?

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Es ist fast etwas kurios: Amazon fing einmal an als Versand-Website für Bücher. Doch nun hat der Online-Handels-Gigant ausgerechnet Lesefutter bei seiner Ausliefer-Priorisierung massiv heruntergestuft. Die Belieferung der Kunden mit anderen Waren, wie Lebensmitteln und Hygiene-Artikeln sei wichtiger, begründet der Konzern die Entscheidung. Gleichzeitig passen sich viele lokale Einzelhändler und auch Buchläden der Krise an, indem sie Liefer- oder Abholservices und Online-Shops anbieten. Ist inmitten der Krise so vielleicht sogar eine Chance für den lokalen Buchhandel entstanden?


Buchhändler nun erster Ansprechpartner

Hier findet Ihr Onlineshops von Händlern aus der Region

"Fakt ist: Der Buchhändler ums Eck ist jetzt der erste Ansprechpartner geworden, wenn Sie ein Buch zeitnah haben wollen", erklärt eine Sprecherin des Landesverbands Bayern des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gegenüber wasserburg24.de. "Viele Kollegen haben da auch gute Angebote vor Ort schaffen können." Genaue Zahlen oder Entwicklungen könne man aber noch nicht vorlegen. "Dafür ist es noch zu früh beziehungsweise es liegt auch einfach noch nicht vor."

"Wir finden eine große Akzeptanz bei unseren Kunden, die uns auch weiter unterstützen", freut sich Bianca Kölbl von Bücher Herzog. "Sie bestellen bei uns in der Regel telefonisch oder per Mail und wir liefern dann." Bücher Herzog hat Geschäfte in Wasserburg, Mühldorf und Waldkraiburg. "Bei den beiden Buchhandlungen im Landkreis Mühldorf haben wir eine Zusammenarbeit mit lokalen Bioläden. Dort können die Kunden dann die Bücher auf Rechnung abholen." Daneben stünde das Verkaufsteam auch telefonisch für Beratungen bei der Büchersuche zur Verfügung. "Außer dem Stöbern vor Ort im Regal ist eigentlich weiter alles verfügbar."


Umsätze trotzdem unter dem Normalen

Nun bewähre sich die gute lokale Vernetzung der Buchhändler in der Region. "Viele Kollegen haben nun ähnliche Modelle." Die Buchhändlerbranche sei schon immer sehr anpassungsfähig und -freudig gewesen, betont Kölbl. "Online-Shops und Lieferservices haben nicht wenige schon vor der Krise geboten."

Ein Teil der Wahrheit sei aber auch, dass trotz allem die Umsätze deutlich hinter denen von vor der Krise zurückblieben. "Unsere Läden verkaufen ja beispielsweise normalerweise noch allerhand andere Dinge wie Zeitschriften oder Schreibwaren, welche die Leute beim Buchkauf noch gleich mitnehmen. Das fällt nun größtenteils weg!" Sie sei daher allen Kunden, die ihnen weiter die Treue hielten dankbar. "Es ist sehr wichtig, dass Kunden und lokaler Einzelhandel in diesen Zeiten für einander da sind!" 

hs

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