Letzte Kommunalwahl im Blick des Forschers

Data Mining: Warum verschenkt ein Wähler Stimmen?

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Die Stimmzettel haben ihre eigene Geschichte. In Wasserburg wurde die Kommunalwahl 2014 nun zum Forschungsprojekt des Data Minings.
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Wasserburg - Ist der Wähler mit dem Wählen vertraut? Wählt der Bürger seine Lieblinge, haben gute Ergebnisse damit zu tun, dass der Kandidat im selben Stadtteil wie der Wähler wohnt?

Wer hat warum gehäufelt, wer hat panaschiert und warum haben Wähler ihr ganz eigenes System beim Wählen in Wasserburg?

Prof. Dr. Johannes Grabmeier von der Technischen Hochschule Deggendorf erläuterte das Data Mining für Wasserburg.

Auf Antworten aus waren die Stadträte aus Wasserburg, die voller Erwartung zur Informationsveranstaltung ins Rathaus kamen. Es ging um das Data Mining, eine Forschungsarbeit von Prof. Dr. Johannes Grabmeier von der Technischen Hochschule Deggendorf. Er hat den Auftrag bekommen, die Wahlergebnisse der Kommunalwahl 2014 kostenlos "unter die Lupe zu nehmen". Eine Möglichkeit für die Stadträte und Parteien, sich näher mit den Vorlieben des potentiellen Wählers zu befassen und herauszufinden, welches Potential in einer Kommunalwahl für Wasserburg steckt.

Grabmeier erläuterte die verschiedenen Wahlvorlieben und brachte damit die Stadtrats-Runde zum Schmunzeln. So zeigte der Professor auf, dass viele Wähler ganz bewusst ihr Kreuzchen bei bestimmten Kandidaten gemacht hatten und etliche Bürger, die beispielsweise einer bestimmten Partei ihre Stimmen schenkten, absichtlich auch einen bestimmten Kandidaten einer anderen Partei bedacht hatten. "Das kam sogar recht häufig vor", erklärt Prof. Dr. Johannes Grabmeier während seines Vortrags. Viele Bürger wählten gezielt nach Namen und direkten Kandidaten. Auch in Wasserburg sei dies bei der Kommunalwahl 2014 aufgefallen.

Was ist Data Mining?

Die Forschungsarbeit des Data Minings wird vor allem im Alltag rund um Konsum und Entscheidungsfragen angewandt. Data Mining beispielsweise zieht Schlüsse, warum ein Kunde etwas in seinen Einkaufswagen legt, wenn er zuvor ein anderes Produkt gekauft hat. "Es ist beim Data Mining der Kommunalwahl in Wasserburg so, dass jeder Wähler quasi etwas anderes in seinen Warenkorb legt und wir hier Schlüsse und Verknüpfungen erstellen können, in welchen Folgen dies auftrat", heißt es während des Vortrags im Wasserburger Rathaus.

Die Zusammenhänge der Wahleigenschaften verstehen und mögliche Wiederholungen zu erklären, ist Aufgabe des Data Minings.

In Wasserburg haben 2402 Wähler im Wahllokal ihre Stimmen abgegeben, 1816 nutzten die Briefwahl.

Der Stadt Wasserburg hat diese Forschungs-Arbeit nichts gekostet, der Wähler war freilich anonym und ohne tatsächliche Daten an Prof. Dr. Grabmeier gereicht worden. Lediglich die Informationen der Kandidaten der unterschiedlichen Listen sowie die Stimmzettelauswertungen aus der Verwaltung gingen anonym an den Professor. Grabmeier erklärte beispielsweise, dass die Formelauswertung für Wasserburg ergab, dass insgesamt 2787 Wähler gehäufelt hatten. Außerdem kam heraus, dass Bürger, die Stimmen bei der Kommunalwahl gehäufelt haben, zu großen Teilen die SPD wählten.

Warum verschenkt der Wähler Stimmen?

Das Data Mining gleicht einer riesigen Matheformel. Das Ergebnis könne dabei helfen, dass die Parteien und Kandidaten beispielsweise in einem Workshop für zukünftige Wahlkampfaktionen gemeinsam mit einem Soziologen Verbesserungen zugunsten von Wählerstimmen erarbeiten könnten, heißt es.

In Wasserburg scheinen nicht alle Wähler mit dem Wählen vertraut zu sein. Insgesamt wurden 8665 Stimmen verschenkt. "Warum das so ist oder ob es womöglich sogar bewusst so gemacht wurde, kann das Data Mining nicht herausfinden", so Prof. Dr. Grabmeier.

Viele Zahlen, viele Formelergebnisse und ein ganzes "Buch" an Informationen und Daten zur Kommunalwahl 2014 in Wasserburg. Bürgermeister Michael Kölbl brachte es auf den Punkt: "Das ist nun die richtige Sommerlektüre und es tun sich bestimmt nachträglich Fragen auf, die wir Ihnen dann gerne stellen möchten", so der Rathauschef. Besonders die Zusammenhänge der Wohnorte zu den gewonnenen Stimmen der Kandidaten solle nochmals genau erläutert werden, fanden die Stadträte.

Alle Anwesenden zeigten sich interessiert an den Ergebnissen. Grabmeier verglich die Eigenheiten der Wähler aus Wasserburg mit einer - durch ihn bereits ebenfalls analysierten Kommune - und erläuterte hier die Besonderheiten der Kommunen.

Die Bürger allerdings mieden die Informationsveranstaltung. "Wohl zu trocken dieses Thema", witzelte ein Stadtrat. Die Statistiken des Datenbestands und der Auswertung haben mehrere Monate in Anspruch genommen, Prof. Dr. Grabmeier wird eine Arbeit dazu schreiben und zeigte sich neugierig, wie die Stadträte die Erkenntnisse interpretieren würden.

Quelle: rosenheim24.de

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