Wasserburger Abschlussklassen „extrem enttäuscht“ von Kultusministerium

Weiter Distanz- statt Wechselunterricht vor Ort? Digitaler Schülerstreik an der FOS/BOS Wasserburg

Luca Fischer aus Soyen ist Schüler an der FOS/BOS Wasserburg
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Luca Fischer steht hinter dem digitalen Schülerstreik an der FOS/BOS Wasserburg. Er und seine Mitschüler wollen den Distanzunterricht nicht absetzen.

Die Schüler der Abschlussklassen riefen am 4. und 5. Februar zum Unterrichtsboykott auf. Das Ziel: Ihrer Kritik zum Wechselunterricht Gehör zu verschaffen, möglichst viele Bürger auf die Situation der Schüler in der Corona-Pandemie aufmerksam machen - und dass sich womöglich mehr Schulen an dem Protest beteiligen.

Wasserburg am Inn - „Wir möchten gehört werden“, sagt Luca Fischer, der den Online-Streik als „Hilferuf“ von Schülern nach besseren Bedingungen, weniger Druck und mehr Chancengleichheit für finanziell benachteiligte Mitschüler deklariert.


Der 20-Jährige gehört zu den Initiatoren, die am Donnerstag und Freitag an der FOS/BOS Wasserburg zum Schülerstreik aufgerufen haben. Am Donnerstag (4. Februar) haben sich über 50 Schüler verschiedener Abschlussklassen dazu entschieden, nicht am Wechselunterricht teilzunehmen. Sie waren aber trotzdem im Distanzunterricht anwesend, weiß Luca, der an der BOS die 13. Klasse besucht. Am zweiten Streiktag (5. Februar) beteiligten sich drei Klassen mit ungefähr 70 bis 90 Schülern.

Schülerprotest richtet sich gegen das Kultusministerium


Der Protest richte sich keineswegs an die Schule oder die Schulleitung, betont Luca im Gespräch mit wasserburg24.de. Vielmehr gehe die Kritik an höhere Instanz. „Wir fühlen uns im Stich gelassen und sind extrem enttäuscht vom Kultusministerium. Schon oft hatten die verantwortlichen Minister die Chance, auf Vorschläge seitens der Schüler oder Lehrer einzugehen - passiert aber ist nichts“, bemängelt der junge Soyener.

Luca Fischer: Präsenzunterricht eine „enorme Herausforderung“ für Lehrer und Schüler

Allgemein seien Versäumnisse geschehen, die Technik zum „Home Schooling“ funktioniere nach wie vor nur lückenhaft und es sei „über die Köpfe der Schüler hinweg“ entschieden worden. „Uns fehlt eine Strategie, wie wir den Unterrichtsstoff langfristig auch in Pandemiezeiten problemlos weiterführen können“, mahnt Luca, der das ewige Hin und Her anprangert. Denn selbst wenn man nun wieder Präsenzunterricht einführe, Luca und seine Mitschüler befürchten, es könne möglicherweise wegen der Virus-Mutationen rasch wieder zurück zum Distanzunterricht gehen.

Auf den Abschlussschülern lastet gerade im Pandemiejahr ein extrem hoher Leistungsdruck, es stehen weitere Prüfungen im ersten Halbjahr an. Die fehlenden Noten des ersten Halbjahres müssten so schnell wie möglich nachgeholt werden - nach so einer langen Pause vom Präsenzunterricht eine „enorme Herausforderung“ für Lehrer und Schüler gleichermaßen. „Das Ganze macht unserer Meinung nach auch keinen Sinn sondern verschärft das Problem schlechter Noten und damit auch die Gefahr eines Nichtbestehens des Abiturs“, mahnt Luca und bilanziert: „Auch wenn der Präsenzunterricht den Schülern helfen soll, es läuft nicht.“

Lernen im Distanzunterricht für die Oberstufen „effektiver“

So entfielen am 4. Februar, dem ersten Tag des Wechselunterrichts an der FOS/BOS, in Lucas Klasse drei Schulstunden für diejenigen, die daheim lernen sollten. „Dies lag aber nicht an den Lehrkräften, sondern an der für einen Wechselunterricht zu schlechten Infrastruktur unserer Schule, was bewiesen hat, dass ein Wechselunterricht technisch gesehen unmöglich ist. Dadurch allerdings hat ein Teil der Klasse keine Chance an der Teilnahme am Unterricht.“

Dass die Grundschüler hingegen zum Wechselunterricht zurückkehren müssen, daran führe kein Weg vorbei. „Die Kleinen brauchen den Präsenzunterricht. Wir Abschlussschüler in den Oberschulen oder Gymnasien sind im Distanzunterricht besser aufgehoben, das Lernen ist in dem Fall für uns viel effektiver“, ist Luca überzeugt.

Schulleiterin: „Leistungs- und Prüfungsdruck ist immens hoch“

Dass man mit dem Modell des Distanzunterrichts bisher gut verfahren sei, das kann auch Schulleiterin Claudia Romer bestätigen: „Ich finde es sehr schade, dass wir das nicht weiterführen können, der Großteil der Schüler kam mit Distanzunterricht zuhause und Präsenzprüfungen an den Schulen gut zurecht. Aber mit sinkenden Infektionszahlen haben wir nun mal die Vorgabe vom Ministerium, dass wir zurück zum Präsenz- oder Hybridunterricht kehren müssen. Dass versucht wird eine gewisse Einheitlichkeit an den Schulen herzustellen, ist auch nachvollziehbar. Da müssen die Schüler mitziehen. “

Dennoch findet Romer durchaus lobende Worte für ihre Schüler: „Wir befinden uns in einer schwierigen Lage, der Leistungs- und Prüfungsdruck ist immens hoch - dass da die Nerven einmal durchgehen ist mehr als verständlich. Schließlich machen 60 Prozent unserer 450 Schüler heuer ihren Abschluss.“

Trotzdem geht es nun weiter mit dem umstrittenen Hybrid-Unterricht: Ein Teil der Schüler lernt vor Ort, für den anderen Teil wird der Unterricht online übertragen nach Hause. Von einem Schulstreik könne nicht wirklich die Rede sein, wie Romer abschließend unterstreicht: „Die Schüler sind anwesend, wenn auch nur im Distanzunterricht und nicht im Präsenzunterricht.“

mb

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