Ab 2018 nicht mehr durchgehend geöffnet 

Neue Wertstoffhof-Öffnungszeiten in Wasserburg eine "schwere Geburt"

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Die Verkürzung der Öffnungszeiten des Wertstoffhofs wurde heiß diskutiert. 
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Wasserburg - Das Betreiben eines Wertstoffhofes gleicht heutzutage beinahe einer Wissenschaft - das wurde in der jüngsten Sitzung des Stadtrats einmal mehr deutlich. Warum die Stadt die Öffnungszeiten des Wertstoffhofs verkürzt und wieso der Beschluss die Gemüter spaltete: *Mit Voting*    

"Die Debatte um unseren städtischen Wertstoffhof war 2017 eine schwere Geburt." Mit diesen Worten leitete Bürgermeister Michael Kölbl in den Tagesordnungspunkt 8 der Stadtratssitzung am 30. November "Änderung der Öffnungszeiten des Wertstoffhofes" ein.

Immer höhere Anforderungen an das Personal in Sachen Sicherheit, Einhaltung der Notfallkette und Ausbildung, spezielle Regeln beim vermeintlichen Abfall und Müll. Kölbl erklärte dazu: "Wir bräuchten eine permanent doppelte Besetzung, wollen wir diese Anforderungen einhalten. Wir können das Blatt drehen und wenden wie wir wollen, um die Kosten einzuhalten müssen wir die Öffnungszeiten anpassen. Natürlich wäre es mir auch lieber, wir könnten alles beim Alten belassen." Durch die Einführung der Papier- und Biotonne zusätzlich zur Restmülltonne müsse der Bürger aber eh seltener zum Wertstoffhof als früher. Auch deshalb biete sich eine Reduzierung der Öffnungszeiten an. Nach der Abwägung unzähliger Varianten sei man letztlich bei folgender Regelung gelandet: 

  • Montags bleibt der Wertstoffhof wie gehabt geschlossen 
  • Dienstags bis freitags geöffnet von 8 bis 13 und von 14 bis 17.30 Uhr 
  • Samstags geöffnet von 8 bis 13.30 Uhr

Zwei Mitarbeiter für die Entsorgung eines bestimmten Altholzes

Besonders problematisch neben den arbeitsrechtlichen Anforderungen und der Einhaltung der Notfallkette: die Entsorgung des sogenannten A IV-Holzes im Wertstoffhof. Dabei handelt es sich um mit Holzschutzmittel behandeltes Altholz, das nur entgegengenommen werden kann, wenn mindestens zwei Mitarbeiter am Wertstoffhof zugegen sind. 

Ab 2018 wird der städtische Wertstoffhof nicht mehr durchgehend geöffnet haben. 

A IV-Holz versteckt sich üblicherweise in Holzspielgeräten auf Spielplätzen, in Zäunen oder Fensterrahmen. "An sich kein Problem, da dieses Holz praktisch überall vorkommt", konstatierte Peter Stenger (SPD) nüchtern. "Aber sobald die lasierte Holzbank, auf der wir sitzen, entsorgt werden soll, haben wir Scherereien." 

Zustimmung bekam der Bürgermeister von Wolfgang Schmid (CSU): "Unser Wertstoffhof hat immer noch 48 Stunden wöchentlich geöffnet. Da sollte es doch jeder schaffen, seinen Abfall zu entsorgen. In Babensham oder Edling ist die Situation noch schwieriger." Schmid sprach sich auch für die klare Regelung bei der Entsorgung von A IV-Holz aus, es sei gut, dass die Mitarbeiter des Wertstoffhofs das Altholz nun wieder annehmen dürften. 

"Heutzutage wird viel intensiver und genauer getrennt" 

Die SPD-Fraktion sah den Beschluss eher skeptisch. Seniorenreferentin Friederike Kayser-Büker stellte die offene Frage in die Runde, ob denn der Aufwand für einen Wertstoffhof wirklich derart hoch sein müsse: "Wenn ich an das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Altenheimen denke, erachte ich die Anforderungen an Mitarbeiter des Wertstoffhofs als einen Wahnsinn."

Wolfgang Janeczka fragte, ob denn wirklich kein Weg an der Reduzierung vorbei führe und und Marlene Hof-Hippke erklärte: "Ich sehe das problematisch für die Bürger: Der Werstoffhof sollte nicht seltener, sondern öfter geöffnet haben. Es wird doch schließlich auch viel intensiver und genauer getrennt heutzutage. Außerdem denke ich, die neuen geplanten Öffnungszeiten sind für Gewerbetreibende äußerst ungünstig. Wann sollen denn die ihre Wertstoffe abgeben, wenn mittags zu ist?"

Stadtkämmerer Konrad Doser erwiderte daraufhin, dass die reduzierten Öffnungszeiten durchaus funktionieren sollten, wenn sogar das Bürgerbüro zur Mittagszeit eine Stunde geschlossen habe.

Andreas Aß (CSU) sprach im Namen des Personals als er erklärte: "Jeder von uns macht seine Mittagspause ohne lange darüber nachzudenken - das ist ein Muss. Warum sollte das den Wertstoffhofmitarbeiter nicht zustehen? Wir sollten schon ein bisschen Respekt vor unserem Personal haben."

Die neuen Öffnungszeiten des städtischen Wertstoffhofs wurden mit 17 zu fünf Stimmen beschlossen und gelten ab dem 1. Januar 2018.

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mb

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