Bahn und Bus - ist damit Schluss?

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Viele Interessierte brachten verschiedene Meinungen mit

Wasserburg - Taugt das Erfolgsmodell Senden - Weißenhorn als Vorbild für Wasserburg? Unter diesem Motto fand in Wasserburg eine Diskussionsveranstaltung statt. Es wurde hitzig.

Viele Meinungen zu dem Thema gibt es schon seit längerem. Auch an dem Abend der Veranstaltung wurde viel geredet. Die Verantwortlichen resümierten etwas süffisant: „Thema des Abends hätte auch lauten können: „Verschläft Wasserburg seine Chancen, die Altstadtbahn Reitmehring – Wasserburg zu reaktivieren?“ Zunächst gab Bernd Meerstein, Sprecher der Ortsgruppe Pro Bahn Wasserburg einen kurzen Rückblick. 1987 der Dammrutsch, der das Schicksal der Strecke zu besiegeln schien und der von der damaligen Bundesbahn längst beabsichtigten Stilllegung in die Hände spielte. Die Strecke wird 2004 von der Stadt Wasserburg erworben und viele Bürger hoffen jetzt auf eine Reaktivierung.

Bernd Meerstein schildert eingangs den Status Quo der Altstadtbahn

Der Stadtrat Wasserburg beschließt dann 2011, das laut einem Gevas Gutachten etwa 11 Millionen teure Projekt aufzugeben und die endgültige Stilllegung zu betreiben. Der Haken daran: Die Trasse darf nicht wie teils erwünscht als Fahrradweg umgewidmet werden, und eine Stilllegung kann nur erfolgen, wenn sich nach einer Ausschreibung zur Wiederaufnahme des Zugbetriebes kein Bewerber meldet. Oktober 2013 gibt u. a. ein Konsortium Unternehmen Innrail (realisiert Bahnbau und Bahntechnik), Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH (RSE, ein mittelständisches Eisenbahnverkehrs und -infrastrukturunternehmen), BayernBahn (fährt Bahnverkehr) und Fahrgastverband PRO BAHN ein Angebot an die Stadt Wasserburg ab. Seither ist Stillstand. Nicht aber für PRO BAHN und die vielen Befürworter einer Reaktivierung aus Wasserburg und den Umlandgemeinden. So wurde Bernhard Jüstel aus Weißenhorn gebeten, von seinen Erfahrungen bei der Wiederaufnahme der Bahnstrecke Senden – Weißenhorn (in direkter Anbindung an Neu-Ulm und Ulm) zu berichten. In seinem reich bebilderten Vortrag weist Jüstel zunächst auf die Ähnlichkeiten der beiden Städte hin. In reizvoller Lage, architektonisch interessant lassen sich Wasserburg und Weißenhorn als kleinere Mittelzentren ihrer Region durchaus vergleichen. Beide gelten auch als sogenannte Schulstädte, die täglich eine große Zahl an Schülerinnen und Schülern empfangen. Darüber hinaus waren beide Städte nach Entscheidungen der damaligen Bundesbahn von einer direkten Zugverbindung abgeschnitten. Wie wichtig eine solche ist, zeigt der Referent auf und macht damit sogleich den Unterschied der beiden Orte klar: denn Weißenhorn hat den Anschluss geschafft und kann sich mit diesem „Erfolgsmodell“ sehen lassen. Beharrlichkeit und 12 Jahre lang hartnäckige Arbeit der Weißenhorner Agendagruppe 2010 haben zum Ziel geführt. „Ohne Auto - mobil“, war ein und das vielleicht eindrucksvollste Motto vieler unterschiedlichster Veranstaltungen.

Der Verkehrsreferent des Landkreises hält das Weißenburger Modell auch für Wasserburg für möglich

Ebenso wichtig und zielführend aber waren die Einladung und die Einbindung regionaler Politiker, der Landkreise, der zuständigen Körperschaften, der Gewerbeverbände, der Presse. Nicht zuletzt des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, das sich zunächst abwartend, später jedoch hilfreich zeigte. Wichtigster Aspekt war dabei, dass in unserer mobilen Gesellschaft nur der Zug die Schnell-Erschließung einer Region garantieren kann, der Bus hingegen soll für die Fein-Erschließung des Umlandes sorgen. Oder anders gesagt: Der Zug fährt schnell, möglichst umsteige- und staufrei, der Bus schafft die Anbindung der Fahrgäste zum Bahnhof.

Dem Gespenst der „Unwirtschaftlichkeit“ einer neuen und umfangreicheren Busanbindung von Umlandgemeinden konnte Bernhard Jüstel mit überzeugenden Zahlen und Fakten entgegen treten. In der Region Weißenhorn wurden zwar jährlich durch die Streichung des alten Busnetzes dreihunderttausend Buskilometer eingespart, zunächst zum Entsetzen der örtlichen Busunternehmer, aber durch die neuen Zubringer-Linien dreihundertachtzig Tausend neue Buskilometer hinzugefügt.

Zu jedem der im Stundentakt verkehrenden Züge zwischen Weißenhorn und Senden fahren zwischen 6 Uhr morgens und 18 Uhr abends sinnvoll eingesetzte Busse aus den entsprechenden Umlandgemeinden. Später am Abend dann sogenannte Flexi- Busse, ein System zwischen Linien- und Rufbus nach Bedarf. „Das wäre für Wasserburg und Umgebung auch möglich“, konnte Hans Zagler beitragen, Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft m.b.H. und beim Landkreis Rosenheim verantwortlich für den ÖPNV. Dafür müssten Landkreis und Gemeinden drei bis vier Millionen in die Hand nehmen. Die Politik hat in Weißenhorn mitgezogen und erreicht hat sie damit eine absolute Gewinnsituation für alle: mobile, zufriedene Zugfahrer, die ausgeruht ihren Arbeitsplatz erreichen und abends entspannt nach Hause kommen, Schülerinnen und Schüler, an Kultur -und Stadtvergnügen Interessierte, Bequemlichkeit suchende Touristen, die nicht länger ihre Zeit mit lästiger Parkplatzsuche vergeuden müssen, gut beschäftigte Busunternehmer und ihre Fahrer und nicht zu vergessen die Streckenbetreiber, die von den Trassengebühren der Bahnunternehmen leben können.

In freundlicher Ironie wurden im Schlusswort auch die Autofahrer erwähnt, die Zug und Bus meiden, aber vom abnehmenden Autoverkehr profitieren. Ein Traum für Wasserburg, der wahr werden könnte.

Pro Bahn / Regina Mittermair

Quelle: rosenheim24.de

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