Erste Ergebnisse samt Entwurf stehen

ISEK: "Dürfen Wasserburg keine vorgefertigte Struktur überstülpen" 

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Wie entwickelt sich die Stadt Wasserburg in Zukunft? 
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Wasserburg - Wo steht die Innstadt heute und wie soll sie sich in den nächsten Jahren weiter entwickeln? Das sind die zentralen Fragen, die das ISEK behandelt. Jetzt sind die ersten Ergebnisse da. *Mit Voting* 

Mit der Erstellung eines "Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes" (ISEK) nehmen Stadtrat und -verwaltung die Zukunft Wasserburgs und seiner Ortsteile aktiv in die Hand. Ziel ist es, die Stadt als florierendes und attraktives Mittelzentrum mit hoher Wohnqualität und einer vitalen Altstadt langfristig zu erhalten und weiter zu entwickeln. 

Die beiden Städteplaner Dr. Robert Leiner und Michael Leidl stellten zusammen mit dem Verkehrsexperten Robert Ulzhöfer in der jüngsten Stadtratssitzung am 14. Dezember einige Zukunftsvisionen, konkrete Projekte und Maßnahmen für die Innstadt vor, die sie mit den Mitgliedern der Lenkungsgruppen in zwei vergangenen Workshops im November und Dezember erarbeitet haben.

Die Ergebnisse von Städteplaner Dr. Robert Leiner im Überblick: 

ISEK: Stadtentwicklung und Städtebau in Wasserburg

"Wasserburg positioniert sich als offenes, identitätsstarkes und zukunftorientiertes Zentrum im Wasserburger Land. Sie profiliert sich als Kultur- und Sportstadt sowie als historische Altstadt im Kern. Die zentralen Funktionen sind Einkaufs-, Arbeits- und Ausbildungsort, Treffpunkt in der Region für Jung und Alt sowie Wohn- und Arbeitsplatzschwerpunkt in einem voll ausgestatteten Zentrum", fasst Dr. Leiner zusammen. 

  • Ein zentraler Punkt sei die Entwicklung des Altstadtkerns als Besuchererlebnis. Eine Bündelung der vorhandenen Ressourcen in der Altstadt sowie ein Zusammenschluss der Akteure im Handelsbereich als funktionierendes Netzwerk fördere neue Möglichkeiten in Bezug auf die Außendarstellung des Altstadtkerns. 
  • Wichtig sei ebenso die Besucherlenkung mittels digitaler Hilfen, Wegweiser, Infomaterialien oder Services rund um Parken und Radfahren, um Besucher an der Hand führen zu können. 
  • Eine Aufbereitung der bereits bestehenden Schauplätze und eine Hervorhebung historischer Gebäude biete einen Mehrwert für Touristen und Einheimische gleichermaßen. 
  • Ein Bürgerportal ermögliche den Austausch zwischen Stadt und Bürger, die sich aktiv beteiligen können.
  • Aktionsplan Wohnen: Im Fokus stehen hier sozialer Wohnraum, nachhaltige und neue Wohnmodelle, Einbindung der GWG.

Die Ergebnisse von Städteplaner Michael Leidl im Überblick: 

Für den Städteplaner hat das Thema Wohnen in Wasserburg oberster Priorität. Er sieht jedoch noch andere Bausteine, die in der Zukunft verwirklicht werden könnten: 

  • Sanierungen: Stadtmuseum mit Bestand der Exponate, Herrengasse, Kaspar-Aiblinger-Platz, Max-Emanuel-Platz, Palmanostraße und Heisererplatz, Umfeld der Burg, Straßenzug Im Hag, Gimpelberg und Salzburger Straße, Sedlmaiergasse
  • Neuordnung des Ro-Med-Areals und Folgenutzung Gabersee-Bereich 
  • Initiative Stadtgrün: prägende Elemente der Innstruktur weiter ausbauen
  • Das Areal rund um die Essigfabrik wohnfähig verknüpfen 
  • Fußgängerwege: Projekt Fußgängersteg Kapuzinerinsel verwirklichen, Aufwertung des Fußweg in Richtung Theater Belaqua neben dem hohem Verkehrsaufkommen, Aufwertung des Fußgängerbereichs in der Färbergasse und Prüfung eines möglichen Durchgangs in die Ledererzeile, Fußwegebeziehung Schiffsmühlenweg in Richtung Innufer, Wegbezeichnungen Gries-Marienplatz für Besucher eindeutiger gestaltbar, Fuß- und Radwegeverbindung nach Reitmehring
  • Landschaftsplanerische Begleitung des Bauprojekts B304 Reitmehring 
  • Rahmenplan für die Entwicklung des Ortsteils Reitmehring
  • Lichtkonzept im öffentlichen Raum
  • Auslagerung oder Nachfolgenutzung des Gewerbes südlich der Rampe und Neuordnung der dortigen Parkflächen
  • Standortuntersuchung Köbingerberg in Bezug auf ortskernnahes Wohnen 
  • Wohnungsbauentwicklung Im Hag, in Hinblick auf möglichen Umzug der Feuerwehr 
  • Möglicher Gestaltungswettberwerb Feurwehrhaus-Neubau 
  • Initiative Nahverdichtung der Bestandsquartiere in Form von zweiter Wohneinheit auf bestehendem Grund
  • Aufwertung der Ortseingangssituation vor allem südliche Zufahrten
  • Stadtmauer als Exponat erhalten und sanieren
  • Erweiterung Parkhaus Überfuhrstraße 
  • Sportflächenentwicklungskonzept
  • Wasser in der Stadt als Teil der Identitätssuche; zum Beispiel ein Innsteg oder eine Inntreppe für Freizeitaktivitäten 
  • Historische Werte in der Altstadt deutlich hervorheben
  • Gestaltung von Trafo-Häusern, Wertstoffhofinseln oder Stromkästen mittels eines Künstlerwettbewerbs
  • Themenspielplätze für Kinder und Treffpunkte für "Best Agers"
  • Sitzbankoffensiven der Stadt in Bezug auf den demographischen Wandel

Die Ergebnisse von Verkehrsexperte Robert Ulzhöfer im Überblick:

ISEK: Verkehrstechnische Maßnahmen in Wasserburg

Wie seine beiden Vorredner sprach Ulzhöfer die Themen Rad- und Fußwege innerhalb der Stadt sowie den Ausbau der Radwege Reitmehring bis Edling an. Seine Ideen in Bezug auf infrastrukturelle Verbesserungen gingen aber noch weiter, denn der Verkehr werde in Zukunft nicht weniger, so seine Analyse. 

  • Fahrradstellplätze inklusive Standortanalyse, Diebstahl- und Wetterschutz im gesamten Stadtgebiet
  • temporäre Fußgängerzone beispielsweise in der Ledererzeile samstags ab 14 Uhr
  • ruhender Verkehr: temporäre Parkdecks beispielsweise am Hochgarten oder in den Parkhäusern
  • Verkehrsberuhigung in den Bereichen Kaspar-Aiblinger-Platz, Im Hag oder in der Tränkgasse mit der Anlage eines Fußgängerwegs
  • ÖPNV: Stadtbusausdehung in die Nachbargemeinden Babensham, Edling und Eiselfing und engere Vertaktung
  • Aktualisierung der Altstadtbahn - Machbarkeitsstudie

Stimmen aus dem Stadtrat: 

Peter Stenger (SPD) bemängelte, man würde vor allem im Konzept von Dr. Leiner die Innstadt nur schwer wiedererkennen: "Wo steckt denn in den Ergebnissen Wasserburg drin? Dieses Konzept könnte auch für Bad Reichenhall gelten, da ist in meinen Augen nichts neues dabei." Dr. Leiner erklärte daraufhin, die Struktur ergebe sich von situativem zu strategischem Handeln heraus. Bad Reichenhall positioniere sich als Alpenstadt und Kurort. "Natürlich sind Begriffe wie 'Weiterentwickeln der Schauplätze'  Standardfloskeln", räumte der Städteplaner ein. "Aber Wasserburg bietet sowohl ein historisches Altstadterlebnis als auch eine Positionierung als Kulturstadt und übertrifft somit mitunter Rosenheim. 

Wolfgang Janezka (SPD): "Ich kann nur sagen, wir brauchen auf Dauer gesehen jemanden, der diese ganzen Aktivitäten der Zukunft koordiniert. Das Ehrenamt allein wie zum Beispiel der WFV kann das nicht mehr stemmen."

Ergebnisse der jüngsten ISEK-Bürgerversammlung

Lorenz Huber (Bürgerforum) sieht eine andere Gefahr: "Die Innstadt verfügt bereits über eine gewachsene Struktur, auf der wir bauen müssen. Wir dürfen der Stadt Wasserburg keine vorgefertigte Struktur überstülpen." In Bezug auf die verkehrstechnische Entwicklung warf Huber die Frage in den Raum, ob man nicht wie Oberstdorf den Bustakt mit kleineren Bussen in den Griff bekommen könnte. Ulzhöfer wies auf die dadurch entstehenden höheren Personalkosten hin und sprach sich stattdessen für lenkbare Buszüge mit akkoppelbaren Anhängern als Alternative für die engen Straßen Wasserburgs aus.  

Friederike Kayser-Büker (SPD) plädierte in erster Linie dafür, dass überhaupt etwas in punkto Verkehrsproblem unternommen werde: "Wir haben den Auftrag zu handeln, es geht nicht nur darum, ob wir auch alle Vorschläge schön finden, wir müssen langfristig gesehen Lösungen bieten." 

Edith Stürmlinger (Bürgerforum) sprang auf den Zug ihrer SPD-Kollegin auf. Ihr liegt es am Herzen, dass die Stadt jedes Thema für sich alleine abschließt und nichts gegeneinander ausspielt: "Die tatsächliche Umsetzung der Ideen ist mir wichtig." 

Wie geht es jetzt weiter?

Die ISEK-Entwicklung ist ein sehr umfangreicher Prozess, der insgesamt fast zwei Jahre umfasst. Die Stadt Wasserburg befindet sich nun bereits in der abschließenden Konzeptphase, in der konkrete Ziele feststehen und ein Leitbild definiert, mit welcher Priorität und in welchem zeitlichen Rahmen die Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Darüber hinaus ist das ISEK Voraussetzung für die Beantragung von Fördergeldern im Rahmen der Städtebauförderung. 

Im Februar 2018 wird der Entwurf des ISEK noch einmal dem Stadtrat vorgelegt, die Lenkungsgruppe überdenkt das Ganze im März/April. Bürgermeister Michael Kölbl erklärte, er wolle das Thema im Herbst 2018 endgültig in einer Stadtratssitzung abschließen

mb

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