Ausbau des Dachgeschosses in der Ledererzeile 14 geplant 

Ausnahme bei Gestaltungssatzung: "Machen ein Fass auf, das wir nicht mehr zukriegen"

Um dieses Gebäude in der Ledererzeile 14 (in rot eingekreist) hinter dem Rathaus geht es: Das Dach soll um 60 Zentimeter höher werden. Die Aufnahme stammt von der Schönen Aussicht am Huberwirt. 
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Um dieses Gebäude in der Ledererzeile 14 (in rot eingekreist) hinter dem Rathaus geht es: Das Dach soll um 60 Zentimeter höher werden. Die Aufnahme stammt von der Schönen Aussicht am Huberwirt. 

Wasserburg - "Als Hausaufgabe" musste der Antragsteller auf Umbau und Aufstockung eines Altstadthauses die Planungen überarbeiten. Einig waren sich die Mitglieder des Bauausschusses bei der erneuten Diskussion aber wieder nicht: 

Wie Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann erklärte, habe der Antragsteller seine "Hausaufgaben" gemacht und die Planungen für das Haus in der Ledererzeile 14, in dem im Erdgeschoss das Radlgeschäft "Seidinger" untergebracht ist, überarbeitet: In Abstimmung mit dem Denkmalschutz soll es saniert sowie das bisher nur als Lagerfläche genutzte Dachgeschoss zu Wohnzwecken ausgebaut werden. 


Im Rahmen der Planungen für den Dachgeschossausbau stellte sich für die Ausschussmitglieder am Donnerstagabend (21. November) die Frage, ob einer maßvollen Anhebung des vorderen Bereichs um bis zu 62 Zentimeter sowie der Errichtung zweier in das Dach eingeschnittene Balkone mit einer Abweichung von der städtischen Gestaltungssatzung zuzustimmen sei. 

Die Dachanhebung soll der besseren Nutzung des Dachraumes dienen. Solange sie dem Erhalt des Denkmals diene, könnten die Denkmalschutzbehörden durchaus grünes Licht geben, wie der zuständige Referent Christoph Scholter in seiner Stellungnahme betont. 


Die Ledererzeile 14 in der Wasserburger Altstadt: Wegen des Ausbaus des Dachgeschosses soll das Gebäude aufgestockt werden. 

Nicht anfreunden mit der in seinen Augen "untypischen Planung für die Altstadt" konnte sich nach wie vor Christian Stadler von der Grünen-Stadtratsfraktion: Er störe sich vor allen Dingen an den vier Abweichungen von der Gestaltungssatzung sowie an der Sichtbarkeit. Denn von den bekannten Aussichtspunkten der Stadt aus trete das Gebäude jetzt schon markant hervor, weil es höher sei als die Nachbarhäuser: "Ich finde das Ganze fürchterlich. Wir schaffen hier einen Präzedenzfall und machen ein Fass auf, das wir nicht mehr zukriegen."

Ähnlich sah das auch Peter Stenger von der SPD: "Mit dem Dacheinschnitt habe ich ein Problem. Wir dürfen keine Ausnahmen von unserer Gestaltungssatzung machen, sonst machen wir wirklich ein Fass auf. Wasserburg hat wie jede historische Stadt eine einzigartige erhaltenswerte Dachlandschaft." 

Dr. Hermann Budenhofer (Freie Wähler Wasserburg Reitmehring) hinterfragte die Notwendigkeit des hinteren Dacheinschnitts: "Mit zwei Meter Tiefe und drei Meter Höhe fühle ich mich mich wie in einem Schützengraben - wer sitzt denn auf so einer Dachterasse? Dennoch: Hier nimmt jemand sehr viel Geld in die Hand, um dort wohnen zu können, wir sollten ihm die Möglichkeit des Ausbaus geben und uns nicht an ein paar Zentimetern aufhängen."  

Für Wolfgang Schmid (CSU) steht ebenso die Schaffung von Wohnraum im Vordergrund: "Überall erfolgt Nachverdichtung, nur in der Altstadt nicht. Gut, über die Preise pro Quadratmeter können wir später diskutieren, aber für ich ist diese Planung eine moderate Nachverdichtung. Die mittelalterliche Darstellung unserer Altstadt wird nicht auf ewig erhalten bleiben. Und auch bei der Gestaltungssatzung wird es - wie bei allen Gesetzen - einmal eine Ausnahme geben. Wegen mir können wir das so genehmigen - davon wird die Altstadt nicht greislicher."

Grünes Licht für Ausbau mit nur einem Balkoneinschnitt

Damit es am Ende zu einer Abstimmung kommen konnte und der Punkt nicht erneut vertagt werden musste, stellte Bürgermeister Michael Kölbl vier Abstimmungsmöglichkeiten in den Raum: Ob beide Dacheinschnitte oder jeweils nur einer oder am Ende gar keiner genehmigt werde. 

Mit der Mehrheit von 5:2 Stimmen stimmten die Mitglieder schließlich nur für den vorderen Dacheinschnitt. Peter Stenger und Christian Stadler stimmten dagegen. 

mb

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