Vortrag an der FOSBOS Wasserburg über psychoanalytische Therapie

Aggressionen als Anzeichen für innere Konflikte

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Wasserburg am Inn - Die SchülerInnen der 13. Klasse der FOSBOS Wasserburg bekamen im Rahmen des Faches Pädagogik/Psychologie Besuch vom Familien- und Paarberater Bernd Fiegenspan.

Hinter bekannten Problemen von Kindern wie Aggressionen, Leistungsverweigerung oder Weglaufen verstecken sich manchmal tiefer liegende Konflikte. Eine Behandlungsmethode, um diese und andere Schwierigkeiten von Kindern und Erwachsenen aufzuarbeiten, ist die psychoanalytische Therapie, die an der Fach- und Berufsoberschule Wasserburg zu den Lerninhalten des Fachs Pädagogik/Psychologie in der 13. Klasse gehört. 

Dass diese Therapie, die vom Wiener Neurologen Sigmund Freud vor über 100 Jahren entwickelt wurde, immer noch aktuell ist, bestätigte den Schülerinnen und Schülern der 13. Klasse der Familien- und Paarberater Bernd Fiegenspan aus Ebersberg. Im Rahmen eines Vortrags berichtete der Referent den Schülerinnen und Schülern der Ausbildungsrichtung Sozialwesen aus seiner praktischen Beratungstätigkeit. 

Psychoanalyse immer noch aktuell

Da kommen beispielsweise Eltern in die Beratung, die mit ihrem Neunjährigen nicht mehr zurechtkommen, weil er Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen hat, Regeln in Schule und Hort nicht einhält und sich jeglichen Anordnungen der Eltern verweigert. Herr Fiegenspan wies darauf hin, dass aus Sicht der Psychoanalyse diese Symptome Anzeichen für innere Konflikte des Jungen sind. Die Ursachen sind frühkindliche Erlebnisse mit den wichtigsten Bezugspersonen, den Eltern. 

So können etwa Beziehungserfahrungen mit einer Mutter, die wenig Selbstvertrauen und einem Vater, der sich immer mehr in seinen Beruf zurückzieht, ein Gefühl der Unsicherheit beim Heranwachsenden entstehen lassen. Die Reaktionen des Kindes erfahren kaum Resonanz von Seiten der Mutter und des Vaters und das Kind fühlt sich nicht an- und wahrgenommen. Es kennt somit nur noch einen Ausweg: die Rebellion, die sich in Aggressionen und Verweigerungen äußert. 

Erfahrungen der Eltern werden aufgearbeitet

In der psychoanalytischen Beratung sind aber nicht die problematischen Verhaltensweisen des Jungen vorrangig, wie Herr Fiegenspan erklärt, sondern er arbeitet mit den Eltern deren eigene frühkindliche Erfahrungen auf. Während des psychoanalytischen Erkenntnisprozesses sollen die Patienten lernen, wie ihre eigenen krankmachenden Beziehungserfahrungen ihr Verhalten als Vater oder Mutter beeinflusst haben und sich auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zum Partner und zum Kind auswirken. 

In der Therapie müssen die Patienten den oft schmerzlichen Prozess des Durchlebens dieser Erfahrungen vollziehen. Erst dann ist eine Veränderung bei den Eltern möglich, die wiederum eine Veränderung im Verhalten des Kindes bewirken wird. Der Junge erlebt dann seine Eltern zugewandt, fühlt sich sicher in der Beziehung zu ihnen und kann so seine Aggressionen und sein abweisendes Verhalten aufgeben. 

Auf Nachfrage der Schüler erläuterte der Referent, dass heutzutage eine psychoanalytische Therapie nicht mehr unbedingt auf einer Couch stattfindet und dass das Aufdecken von unbewussten, verdrängten Erlebnisinhalten besondere Fragetechniken von Seiten des Beraters erfordert. Dabei muss beispielsweise analysiert werden, zu welchem Zeitpunkt das problematische Verhalten des Kindes begonnen hat, um die zugrundeliegenden pathogenen Beziehungsstrukturen zu erkennen. 

Der kurzweilige Bericht aus der Praxis hat der Abschlussklasse und deren Lehrerin, Frau Herdle, aufgezeigt, wie die Unterrichtsinhalte in der psychoanalytischen Beratung umgesetzt werden können.

Pressemeldung FOSBOS Wasserburg am Inn/Sigrid Herdle

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