Filmvorführung an der Schule

Gelbes Sakko als Signalwirkung

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Peter Ohlendorf trug als Signal das gelbe Sakko des Hauptakteurs im Film
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Wasserburg – Wachrüttelnde Bilder gab es an der FOS/BOS zu sehen. Der Film „Blut muss fließen“ von Produzent Peter Ohlendorf wurde gezeigt, der im gelben Sakko erschien. Genauso, wie der Akteur des Films.

Erschreckend still waren die Schüler der FOS/BOS in Wasserburg. Der Film „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ zeigte unverblümt, wie es „zugeht“ in den Kreisen neonationaler Freunde. Das Thema ist längst nicht mehr tabu und bleibt aktueller denn je.

Die Schüler der 12. und 13. Klassen waren dazu eingeladen, den Ausführungen des Hauptdarstellers „Thomas Kuban“ in dem Dokumentarfilm zu lauschen. Dieser trat im Film einerseits in gelbem Sakko getarnt auf, um öffentlich zu recherchieren und bei der Politik nachzufragen, andererseits war er verdeckt unterwegs.

Kuban hatte sich in verschiedene Veranstaltungen von mutmaßlichen Nazis geschmuggelt, um Tatsachen zu diesem Thema zu sammeln. Mehr noch: Mit versteckter Kamera hat er rechtsextreme Konzerte und weitere Veranstaltungen gefilmt, deren Besucher und Organisatoren umstrittene Äußerungen und Gesten zu Tage legten.

Schüler der FOS / BOS hatten Diskussionsbedarf

Gebannt schauten die Schüler zur Leinwand, der Film fesselte und führte vor Augen, wie einfach sich mancherorts die rechtsextreme Szene neues Publikum verschafft, oftmals mit Hilfe von Musik. Es war bei weitem kein Stummfilm, sondern harte Musik und kritische Aussagen untermalten die einzelnen Situationen.

Interesse und Redebedarf waren groß

Dem Verbindungslehrer der Schule, Michael Birnstiel, ist es wichtig, dass junge Menschen viel zu diesem Thema erfahren, weil es alle betreffen kann. Nicht nur weit entfernt, sondern auch in nächster Umgebung versucht die rechtsextreme Szene, weitere, junge Befürworter zu finden.

Im Sozialkundeunterricht steht das Thema „Neonazis“ auf dem Lehrplan. Doch nicht nur dies sei Grund für die Lehrerschaft gewesen, Peter Ohlendorf mit seinem Film einzuladen. „In den vergangenen Jahren ist es immer wieder vorgekommen, dass Schüler sich offenbarten, in eine rechtsextreme Gruppe hineingeraten zu sein. Das Thema ist näher, als wir glauben“, heißt es von Birnstiel. Hilfesuchend hatten sich vor einiger Zeit Betroffene an den Verbindungslehrer gewandt. „Wir halten es für extrem wichtig, auch im Hinblick auf die momentanen NSU-Prozesse, dass sich die Schüler mit dem Thema auseinandersetzen.

Außerdem sollen die Schüler erfahren, welche Ausmaße es annehmen könne, sich mit solchen Gruppierungen anzufreunden, heißt es von Birnstiel weiter. Den Schülern wurden nicht nur „Undercover-Aufnahmen“ gezeigt, sondern auch, wie die Politik mit den Problemen verschiedener Gruppen umgeht. Zudem gab es Beispiele, zivilgesellschaftlicher Gegenwehr.

Viele Fragen zu klären

Die Diskussion nach dem Film diente der „Verarbeitung“ des Filmmaterials. Schon vor Monaten gab es viel Echo nach der Ausstrahlung von "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis.

Produzent Peter Ohlendorf erläuterte manche Themenschwerpunkte, die der Film verstärkt in den Mittelpunkt rückte. Doch nicht nur warnen sollte diese Filmvorführung. Ohlendorf mahnte an, dass die Politik teilweise nicht genug gegen die rechtsextreme Szene vorgehen würde.

Es sei bedenklich, dass viele Gruppierungen „freies Spiel“ hätten, brachte Ohlendorf in die Diskussion ein.

Auch einige Lehrer nahmen am Gespräch teil. Dabei kam heraus, dass viele „neue Freunde“ des Nationalsozialismus aus Langeweile der Szene folgten.

Die Schüler zeigten großes Interesse an der Filmvorführung. Eine Schülerin sagte nach Ende des Films: „Es läuft einem kalt den Rücken runter, wenn man in so manche Szene förmlich eintaucht. Ich fand es gruselig und zugleich gut zu merken, dass das Thema in aller Munde bleiben muss“.

Peter Ohlendorf, der viele Schulen mit dem Film besucht, erklärte, dass man das Thema Nazis und das daraus resultierende Problem in der Gesellschaft, nicht einfach wegretuschieren dürfe. „Das Thema war immer wichtig und wird es immer bleiben. Wir alle sollten uns intensiv damit auseinander setzen, weil sonst die Gefahr besteht, dass die Nazis es wieder verstärkt in unser Leben schaffen. Leider hat der Blick darauf oft gefehlt. Der Film zeigt ohne Scheu, was in Teilen der Regionen passiert. Aktueller denn je ist der Film auch in Hinblick auf den selbsternannten Nationalsozialistischen Untergrund, der in den letzten zehn Jahren mordend reisen konnte. Ganz offensichtlich waren unsere Sicherheitsbehörden überfordert, und damit muss ein Ende sein. Auch das ist ein großes Ausrufezeichen, das wir mit dem Film setzen wollen“.

Peter Ohlendorf wird weiter den Film an interessierten Schulen vorführen. Stets im gelben Sakko, um ein Zeichen zu setzen, wie es der Darsteller im Film, Thomas Kuban, getan hat. In Wasserburg hat er Eindruck hinterlassen.

Quelle: rosenheim24.de

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