Nach Beschlüssen des Bund-Länder-Gipfels

Wasserburger Abschlussschüler verärgert: „Ein Witz, was mit uns gemacht wird“

Luca Fischer aus Soyen ist Schüler an der FOS/BOS Wasserburg
+
Luca Fischer ist Schüler an der FOS/BOS Wasserburg. Er und seine Mitschüler sehen die Entwicklungen in der Corona-Pandemie für die Schulen skeptisch.

Ein mehrstufiger Öffnungsplan nach Inzidenzen soll aus dem Lockdown führen. Das übergeordnete Ziel bei den Schulen nach ewigen Schließungen und Wieder-Öffnungen ist der Präsenzunterricht vor Ort. Die Abschlussschüler der FOS/BOS Wasserburg verfolgen die Entwicklungen mit gemischten Gefühlen. Was bleibt, sind Fragezeichen.

Wasserburg - „In Anbetracht des Öffnungs-Fahrplans hat sich für uns nichts verändert“, bilanziert Luca Fischer aus Soyen im Gespräch mit wasserburg24.de. „Wir schreiben genauso viele Prüfungen, es herrscht der selbe Druck wie zuvor und es ist sogar stressiger, obwohl versprochen wurde, dass es entspannter für uns Schüler werden soll.“ Erleichterungen nach dem Bund-Länder-Gipfel sehen er und seine Mitschüler, die die 13. Klasse der Wasserburger BOS besuchen, nicht.

Piazolo: „Kein leichtes, aber auch kein verlorenes Schuljahr“

Die Aussage von Kultusminister Michael Piazolo in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Markus Söder und Hubert Aiwanger am 4. März es sei „kein leichtes, aber auch kein verlorenes Schuljahr“ empfindet Luca als „Frechheit“. Ein verlorenes Schuljahr sei es nicht zwingend, doch der Druck und die Leistungserwartung der Schüler sei dermaßen hoch angesetzt und „ziemlich happig“. Man habe gehofft, das Ministerium käme den Schülern mehr entgegen.

Markus Söder indes verbucht es als Erfolg, dass rund 90 Prozent der bayerischen Schüler vor Ostern zumindest die Schule einmal wieder von innen sehen. „Natürlich ist der Präsenzunterricht rein vom beschult werden deutlich besser als der Wechselunterricht - nur womit bezahlen wir? Wenn einer infiziert ist, sitzen wir ja doch wieder daheim“, erklärt Luca, der noch im Februar einen digitalen Schülerstreik ins Leben gerufen hat, als der Distanzunterricht wieder abgeschafft wurde.

Zudem fehlen in Wasserburg Räumlichkeiten, um die Abstandsregeln auch einhalten zu können. Luftfilter beispielsweise gibt es in Lucas Klassenzimmer keine, auch wenn einzelne Anlagen in der Wasserburger Schule angebracht wurden. „Das wurde alles versprochen, doch am Ende ist das zu wenig.“ Dafür wurde eine Reihe an Sicherheitsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Söder möchte neben der bestehenden Maskenpflicht Reihentestungen zweimal pro Woche an den Schulen einführen. Luca kann sich durchaus vorstellen, dass das von Vorteil ist, doch für ihn hapert es an der Umsetzung.

Summa summarum ist nichts passiert - und das seit einem Jahr. „Das Kultusministerium hat in dem Jahr entweder geschlafen oder nicht gewusst, was sie machen sollen. Die Aussagen Piazolos empfinden wir Abschlussschüler inzwischen als Beleidigungen. Der Kultusminister sollte entweder selber zurücktreten oder zurückgetreten werden, damit da endlich einmal jemand Fähiges auftreten kann. Das ist ein Witz, was mit uns gemacht wird. Viele wissen nicht, wie sie das Schuljahr schaffen sollen. Die Hoffnung, dass es leichter wird, haben wir bei Piazolo als Kultusminister alle verloren. “

Dass an den Osterferien festgehalten werden soll, verbucht Luca derweil als gutes Zeichen. „Wir hatten bereits keine Faschingsferien, was für uns schon unglaublich hart war. Und wir brauchen die Osterferien - auch um nachzuarbeiten und zu lernen auf die Klausuren nach Ostern.“

„Ein normales Jahr war das Pandemiejahr sicherlich nicht“

Die Zahlen ändern sich wöchentlich, das Augenmerk liegt immer woanders, betont Luca und gibt zu, dass er bei den neuen Beschlüssen den Überblick verloren hat - und da steht er nicht alleine da: „Erst stand die 35 im Raum, dann die 50. Jetzt ist es wieder zwischen 50 und 100. Da kennt sich doch keiner mehr so richtig aus. Wir Abschlussschüler glauben aber eh nicht, dass wir nochmal zuhause sitzen werden - unabhängig von der Inzidenzzahl.“

Die Hoffnung, dass ihnen der Druck doch noch in irgendeiner Art und Weise genommen wird und das Ganze schülerfreundlich angepasst wird - auch was das Bestehen der Prüfungen und die Regeln anbelangt, besteht weiter, wie Luca abschließend erklärt: „Wir wünschen uns, dass es nicht wie in einem normalen Schuljahr gehandhabt wird, denn ein normales Jahr war das Pandemiejahr sicherlich nicht. Es würde schon helfen, wenn die Politiker ein bisserl auf die Meinungen der Schüler hören und von ihrem hohen Thron runterkommen würden. Das wäre deutlich zielführender.“

mb

Kommentare