Zierde oder Kitsch?

Zwergenaufstand im Altlandkreis?

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Im Altlandkreis nicht unbeliebt: Der Gartenzwerg!
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Wasserburg / Altlandkreis - Von wegen Randgruppe. Viele Gartenzwerge tummeln sich in den Gärten des Altlandkreises. Warum die besonderen Gartenwächter wohl so beliebt sind?

Eigentlich muss es ganz genau zugehen: Der "echte" Gartenzwerg trägt eine rote Mütze, eine gelbe Schürze, ein blaues Hemd. Und ist meist keine 70 Zentimeter groß. Nun ja, Ausnahmen gibt es immer, und die sind in den Gärten des Altlandkreises Wasserburg oftmals sogar die Regel. Denn ganz egal, ob klein oder groß, in vielen Gemeinden haben die Hobbygartler Freude an den Gartenzwergen. "Es ist so, als würde der Gartenzwerg meine Blumen bewachen", heißt es von Simon aus Ramerberg. Der 70-Jährige hegt seinen Garten und freut sich, dass drei Gartenzwerge schon seit mehreren Jahrzehnten immer am gleichen Fleck im Garten stehen. "Der Wiggerl ist mein liebster Zwerg. Auch wenn er jetzt schon ganz schön blass aussieht".

Gartenzwerge im Altlandkreis

Wiggerl ist nicht der einzige Gartenzwerg, der über die Jahre hinweg an Farbe verloren hat. Vorbeigeschaut in verschiedenen Gärten im Altlandkreis sehen freundliche Zwerge mehr oder weniger "alt" aus. Doch ihn neu zu bemalen, passt den Zwerg-Freunden nicht ins Konzept. Ein Zwerg darf sein, wie er ist.

Geteilte Meinungen

Viele Gartenbauvereine können die Liebe zum eigenen Garten nur begrüßen. "In der Region gibt es viele Gartenliebhaber, das ist doch prima", bestätigt Hanna aus Schonstett. Doch die Gartenzwerge gehören ihrer Meinung nach nicht unter das "Must have" der Gärten. "Das ist absoluter Kitsch", so Hanna kopfschüttelnd. "Ein Garten lebt durch die verschiedenen Blumen, nicht durch eine bunte Figur."

Ganz anders sehen dies die vielen Freunde der Zier-Geschöpfe. Im Jahr 1981 hat sich sogar ein eigener Verein gegründet, der die Gartenzwerge besonders in den Mittelpunkt des eigenen Alltags rücken will. Die "Interntionale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge" hatte sich aus einem Faschingsscherz heraus entwickelt, im Laufe der Zeit wurde ernst gemacht.

In Europa gibt es derzeit rund 30 Millionen Gartenzwerge, die in den einzelnen Vorgärten stehen und gelten somit eher nicht als Randgruppe. 

Der 45-jährige Sebastian hat sich ganz der Nanologie verschrieben. Dies ist die "Lehre der Gartenzwerge". Auch selbst hat er viele der freundlichen Gesellen im eigenen Garten stehen, doch er drängt seine Zwergen-Freude niemandem auf. "Natürlich ist es Geschmackssache, doch die Zwerge tun keinem weh, wer sie nicht mag, soll nicht hinschauen".

Als "Zwergenaufstand" bezeichnet Liselotte diese fanatischen Gartler, die es auch im Altlandkreis Wasserburg gibt. "Die spinnen doch, wenn sie einen Gartenzwerg anhimmeln und ihm Rechte einräumen wollen". Mit bayerischem Brauchtum und einem hübschen Garten hätte dies nichts mehr zu tun, so die 51-jährige Liselotte.

Dass der Gartenzwerg auch die jüngere Generation anspricht, ist derzeit in der Wasserburger Innenstadt ersichtlich. Im Schaufenster einer Boutique stehen Gartenzwerge fast provokant neben hübsch gestylten Modepuppen. Viele Kunden finden die Zwergerl witzig, sind sich Deko-Experten sicher.

Fakten des Originals

Gartenzwerge gibt es also wie Sand am Meer. In Form und Größe unterscheidet er sich, ebenso im Bereich Farbe und Material. Die Vorschrift aus den 80er-Jahren, ein Gartenzwerg dürfe nur aus Stein gebrannt und eine Größe unter 70 Zentimetern aufweisen, ist längst überholt.

Zum ersten Mal wurde in einer Manufaktur in Thüringen ein Gartenzwerg hergestellt. Seit 1960 positioniert sich der Zwerg auch in weiten Teilen Mittel- und Nordeuropas. Besonders in Frankreich ist der Gartenzwerg beliebt. Doch auch im Altlandkreis Wasserburg sind Gartenzwerge in Mode. Generationsübergreifend und mit oder ohne neuen Lack. Hauptsache mit lustigem Blick.

Beim "Zwergenkönig" nachgefragt, warum es offiziell keine Zwerginnen geben soll, klingt es sofort: "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf". Eine weitläufige Antwort. Doch die "Dunkelziffer an Gartenzwergmädchen" wird es wohl geben. Tatsächlich sichteten wir in den Gärten des Wasserburger Lands nur männliche Zwerge. Schlumpfine in Schlumpfhausen kann ein Lied davon singen, allein unter vielen zu sein. Ist das Gartenzwerg-Rudel tatsächlich Frauenlos?

 

Quelle: rosenheim24.de

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