Französische Familie erzählt

Nach Terroranschlag: "Wir holen Vorräte und bleiben dann daheim"

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Der Terroranschlag lähmt den Alltag in Stadt und Land. Eine Familie nördlich von Paris erzählt.
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Wasserburg - Nicht einmal 100 Kilometer von Paris entfernt wohnen Familien, die kürzlich Schüler aus dem Altlandkreis Wasserburg empfangen haben. Im Gespräch mit der Redaktion erklären sie den Alltag nach dem Anschlag.

Staatstrauer, Ausnahmezustand und viel Unsicherheit in Stadt und Land. Frankreich zeigt sich motiviert, den Terror zu bekämpfen, die Menschen fühlen sich geschwächt und unsicher.

"Wir haben natürlich schnell von dem Terroranschlag erfahren und haben für die Opfer gebetet und zugleich gedacht, dass die Regierung bestimmt nun noch mehr auf uns Acht geben wird", erklärt Colette Géralde Gaborieaux. Sie habe Verwandte in Paris, die sich mutiger zeigen würden als sie selbst, die dennoch versuchen, normalen Alltag zu leben.

Die 42-Jährige ist Mutter von zwei Kindern im Alter von 13 und 17 Jahren. Erst vor Kurzem hatte sie Austauschschüler aus dem Altlandkreis Wasserburg zu Gast, auch ein Ausflug nach Paris wurde organisiert.

Aktuell wird fast gehamstert

Man merke auch außerhalb der Stadt Paris die Unsicherheit bei der Bevölkerung, so Colette. "Wir wollten am Sonntag zum Schwimmen gehen, aber jetzt fühlen wir uns nicht besonders wohl draußen, auch im Umland ist Vieles geschlossen". Ihr Eindruck sei, dass Menschen aus dem Umland den Ausnahmezustand im ganzen Land ernst nehmen würden. "Genau wie unsere Nachbarn auch, verfolgen wir Botschaften der IS, die bislang veröffentlicht wurden", erklärt Colette etwas aufgeregt. Viele aus der Umgebung würden sich mit Vorräten eindecken. "Wir kaufen viel ein, vor allem Wasser und haltbare Lebensmittel, damit wir im Ernstfall darauf zurückgreifen können".

Warum das gemacht werde? Weil es scheinbar einen Aufruf eines IS-Mannes gegeben haben soll, dass man Frankreich weiter den Kampf ansagen solle. "Er soll sogar gesagt haben, dass er vorschlägt, das Wasser zu vergiften", zeigt sich Colette bestürzt. Da beruhige es natürlich, wenn man zumindest Vorräte hätte.

1961 und 2015

"Der Ausnahmezustand ist mir in Frankreich noch nicht bekannt gewesen, meine Mutter hat mir gesagt, dass dies zum letzten Mal 1961 ausgesprochen wurde. Jetzt gehen wir vielleicht etwas seltsam damit um, doch jeder verarbeitet die Terroranschläge und weitere Gefahr eben anders", schließt Colette das Gespräch. Ihre Kinder nehmen die Nachrichten ebenfalls mit großer Vorsicht wahr. Bereits nach dem Anschlag auf die französische Redaktion eines Satiremagazins hätten die Jugendlichen großen Bedarf, darüber zu reden und ihre Ängste in Bildern auszudrücken. "Wir werden vorsichtig bleiben, das Leben wird aber trotzdem weiterlaufen", so Colette.

Quelle: rosenheim24.de

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