Diskussion um neues Wohngebiet

Pläne für Untere Innstraße: Zu wenig Grün und zu viel Stellplatz? 

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Wohnraum ist in Wasserburg knapp. Jetzt ist ein neues Gebiet zwischen Inn und Altstadt in Planung für Mehrfamilienhäuser.  
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Wasserburg - Eine hitzige Debatte entbrannte in der jüngsten Stadtratssitzung vom 27. September über ein neues Bauprojekt zwischen Inn und Altstadt bei Realschule und Schrebergärten. Sowohl die Schaffung von Grünflächen als auch die Anzahl der Stellplätze waren vorherrschende Themen: 

Zwei Mehrfamilienhäuser mit Nebengebäuden und offenen Stellplätzen plant die Manhard GmbH auf dem Grundstück an der Unteren Innstraße zu errichten. Etwa 20 Wohneinheiten mit je 1,5 Stellplätzen sollen enstehen. Die Stellplätze in der Tiefgarage seien abhängig von der Wohnung, erklärt Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann den Räten. Die überarbeitete Planung sei zwischenzeitlich in zwei Varianten vorgelegt und von den Fachplanern des ISEK, dem Landesamt für Denkmalpflege und der unteren Denkmalschutzbehörde beim Landratsamt Rosenheim geprüft worden. 

Plan und Realität: Kommt das Grün zu kurz?  

Obwohl das Bauprojekt laut Bürgermeister Michael Kölbl frühestens in einem Jahr den Satzungsbeschluss durchlaufen wird, sorgt es bereits jetzt für hitzige Diskussionen. Zumal an der Unteren Innstraße keine Sozialwohnungen enstehen werden. "Die Mieter, die dort einziehen, werden nicht die sozial schwächsten sein", erläutert Kölbl das Vorhaben zwischen Inn und Altstadt.

Christian Stadler (Grüne) ist der Auffassung, Wohnraumbedarf sei vorhanden, es handle sich um einen guten Bebauungsplan. Zugleich keimen in ihm aber Zweifel, dass die Grünordnung Parkplatzflächen zum Opfer fallen könnte: "Die geplanten Grünflächen sehe ich so nicht kommen. Ich befürchte eine Parkplatzwüste ohne das nötige Grün. Wir sehen das Projekt schließlich nicht von der Vogelperspektive aus, vom Boden betrachtet bleibt es ein Parkplatz mit Bäumen - wenn denn die Bäume auch gepflanzt werden." 

Was das Grün anbelangt, bekam Stadler große Zustimmung der anderen Fraktionen. "Die Grünflächen dürfen auf keinen Fall unter dem Projekt leiden", lautet der allgemeine Tonus im Stadtrat. Das Vorhaben liege schließlich genau im Grüngürtel des ehemaligen Inn-Schwemmlands, der hinter den Häusern am Kaspar-Aiblinger-Platz und Heisererplatz entstanden ist.  

Problematik Stellplatz: Wie viel Fläche darf sein? 

Womit der Stadtrat gleich beim zweiten Problem angelangt ist: Die Zahl der oberirdischen Stellplätze soll zugunsten einer stärkeren Durchgrünung reduziert werden. Der Auffassung ist die Grüne Stadtratsfraktion. Stadler sieht auch eine Schwierigkeit bei den Anzahl der Stellplätze. In der Stadt herrsche ein Stellplatzschlüssel von 1,0, wieso erscheint bei diesem Bauprojekt ein Schlüssel von 1,5?  Ein Stellplatz pro Wohnung reiche seiner Meinung nach aus, auch wenn die "besser betuchten Mieter" vielleicht nicht nur ein Auto besitzen. 

Der Zweite Bürgermeister Werner Gartner (SPD) hält dagegen: "Wir können den Stellplatzschlüssel von 1,0 einhalten, aber dadurch werden die Autos nicht weniger. Und die stehen dann da, wo sie viel mehr im Weg umgehen würden als auf den zugewiesenen Parkplätzen vor der Wohnung." 

Peter Stenger (SPD) bringt den Vorschlag von Duplexgaragen ein, die einen Parkplatz an der Oberfläche ersetzen würden. Zudem solle die Verkehrsführung überdacht werden. Besonders bei der Realschule sei der Schulweg der Schüler vorrangig. Die Idee der Errichtung einer Einbahnstraße stand im Raum.  

Josef Huber (CSU) plädiert für die Umwelt und damit für Elektroauto-Stellplätze. Die seien laut Stadtbaumeisterin Herrmann sowieso vorgesehen. Außerdem seien Städteplaner Michael Leidl und Verkehrsplaner Robert Ulzhöfer in die weiteren Pläne eingebunden. 

Der Beschlussvorschlag sieht vor, den Bebauungsplan Realschule für eine Teilfläche des Grundstückes an der Flurnummer 500 so zu ändern, um die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung zweier Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage und offenen Stellplätzen zu schaffen. Die der Wohnung zugeordneten Stellplätze mit Ausnahme der Besucherplätze sind in der Tiefgarage nachzuweisen. Die Tiefgaragenzufahrt soll von der Unteren Innstraße her erfolgen. 

mb

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