Schließung der Waldgruppe des Wasserburger Montessori-Kindergartens 

Drogenfund auf ISK-Gelände und Sicherheitsbedenken Gründe für Aus?

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Der Bauwagen, der zur Waldgruppe des Montessori-Kindergartens gehörte.
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Wasserburg - Die Waldgruppe des Montessori-Kindergartens auf dem Gelände des Innsalzach-Klinikums ist Geschichte. Über die Hintergründe und die Frage nach dem "Warum" scheiden sich die Geister. Die Gesichtspunkte und Ansichten von Teilen der Eltern, der Wasserburger Polizei, des ISK und der Kindergartenleitung: 

In der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses Wasserburg kam das Aus auf den Tisch. Wegen "massiver Konflikte mit Teilen der Elternschaft", wie es in den Sitzungsunterlagen der Stadt hieß, sei eine Einigung nicht möglich und am Ende die Auflösung der Waldgruppe des Montessori-Kindergartens auf dem Gelände des Innsalzach-Klinikums der einzige Weg gewesen. 

Damit die Kinder der Waldgruppe aber nicht auf der Straße stehen, hat sich eine Elterninitative gegründet, die in der Burgau am Hesse Weiher in der Nähe des Bolzplatzes eine Großtagespflege mit Schwerpunkt Waldpädagogik errichten möchte und von der Stadt finanziell unterstützt wird. Diese ist dann eigenständig und hat nichts mehr mit dem Montessori-Kindergarten gemeinsam

Über die genauen Hintergründe der Schließung der Waldgruppe auf dem ISK-Gelände gibt es unterschiedliche Ansichten

Die Meinung der Eltern zum Aus der Waldgruppe: 

Ein Teil der Eltern prangert einen Drogenfund in der Nähe des Kindergartens an und bangt um die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Gelände des ISK. "Es gab keine - wie es hieß - massiven Konflikte mit den Eltern", betonen zwei junge Mütter gegenüber unserer Redaktion. Sie als Elternteile fühlen sich zu Unrecht für die Schließung verantwortlich gemacht: "Wir haben das offene Gespräch im Rahmen von Elternabenden mehrmals mit den Verantwortlichen des Kindergartens gesucht, zeigten uns kooperativ, um eine Lösung bemüht und kompromissbereit. Doch unsere Bemühungen führten zu keiner Einigung und die Waldgruppe für 20 Kinder wurde ersatzlos gestrichen." 

Und weiter: "Über sichere Quellen haben wir im März diesen Jahres erfahren, dass die Polizei im Mai 2017 auf dem ISK-Gelände Drogen fand. Dieser Einsatz mit Hundeführern, zivilen und uniformierten Beamte wurde für uns Eltern jedoch als 'Übung' dargestellt - vermutlich, um uns nicht zu verunsichern." 

"Medikamente und Drogen sind hier im Umfeld" 

Nachdem die Eltern rund ein Jahr später den wahren Grund des Polizeieinsatzes erfahren hätten, sei es zu einem "massiven Vertrauensbruch" gekommen. Man habe sich "mehr Transparenz" gewünscht und sich die Frage gestellt, wie sicher die Kinder auf dem Gelände des Innsalzach-Klinikums sind. 

"Was passiert, wenn ein Kind in wenigen Zentimetern Tiefe ein Drogenpäckchen findet und Pillen verschluckt? So schnell können die Erzieher gar nicht hinsehen", sagt eine der beiden Mütter sorgenvoll. "Medikamente und Drogen sind nun mal hier im Umfeld - genauso wie psychisch kranke Patienten und Pädophile. Das hat uns erst die Augen geöffnet. Unsere Vorschläge die Waldgruppe an einen neuen Standort außerhalb des ISK wie beispielsweise an den Hesse Weiher zu verlegen, stieß jedoch auf wenig Zustimmung bei den Verantwortlichen des Montessori-Kindergartens." 

Die Stellungnahme des Montessori-Vereins Wasserburg:

Hildegard Wimmer, erste Vorsitzende des Montessori-Vereins, erklärt gegenüber der Redaktion zu Beginn, dass die Formulierung der "massiven Konflikte mit Teilen der Elternschaft" in der Beschlussvorlage nicht vom Verein stamme. Wer diese gewählt habe sei dem Verein nicht bekannt.

Zum Hintergrund des Kindergartens auf dem ISK-Gelände:

Auf Basis einer Elterninitiative sei der gemeinnützige und vom Vorstand ehrenamtlich geführte Verein als Träger des Montessori-Kindergartens vor über 25 Jahren gegründet worden. Von Beginn an habe es sich um einen Integrationskindergarten gehandelt. 

Auf dem Gelände des Inn-Salzach-Klinikums habe der Kindergarten eine Heimat gefunden: Zuerst im Haus 1 in der Nähe der Neurologie. Aufgrund des Neubaus des Gesamtklinikkomplexes sei der Kindergarten im Frühjahr 2017 in das Haus 36 umgezogen. Der Ausbau des neuen Domizils sei unterstützt worden von der Stadt Wasserburg, des ISK, der ROMED-Kliniken sowie dem Landkreis Rosenheim

Das kann auch Dr. Stefan Piehler im Namen des ISK auf Nachfrage der Redaktion bestätigen. Der Montessori-Kindergarten befinde sichseit knapp 30 Jahren auf dem Gelände des Innsalzach-Klinikums. In dieser Zeit sei nach den Aussagen von Dr. Piehler und Wimmer aufgrund des Standortes weder ein Kind zu Schaden gekommen noch habe eine konkrete Gefahr für die Kinder bestanden

Im Jahr 2015 sei dann laut Wimmer aufgrund des Fehlens von rund 20 Kindergartenplätzen im Stadtbereich von Wasserburg die Waldgruppe durch den Montessori-Verein ins Leben gerufen worden.

Zur Schließung der Waldgruppe: 

Bei einem Elternabend im April 2018 sei dem Vorstand im Namen der gesamten Elternschaft der Waldgruppe eine Forderungsliste der Eltern mit einer Fristsetzung von zwei Wochen übergeben worden. Zu dem Elternabend habe der Vorstand eingeladen, um "verschiedene Sicherheitsbedenken der Eltern der Waldgruppenkinder aufgrund des Standortes auf dem Gelände des ISK" zu besprechen. Bezüglich eines Drogenfunds sei dem Vorstand nichts bekannt gewesen. 

"Die Liste der Eltern", so erklärt Wimmer schriftlich, "beinhaltete mitunter die Forderung, dass die Waldgruppe vom Gelände des Inn-Salzach-Klinikums komplett auf ein anderes Gelände außerhalb von Gabersee und damit weit entfernt vom Haupthaus des Kindergartens verlegt werden sollte, was eine Personalaufstockung um eine Person mit sich bringen würde." 

An dieser Stelle möchte der Vorstand des Montessori-Vereins darauf hinweisen, dass dem Betrieb eines Kindergartens eine "umfassende Prüfung durch Aufsichtsbehörden zur Erlangung einer Betriebserlaubnis" vorausgehe. Im Mittelpunkt der Prüfung würden dabei die "Sicherheit und das Kindswohl" stehen. Für die Gründung der Waldgruppe im Jahr 2015 sei dieses Prozedere "explizit durchlaufen" worden und die Betriebserlaubnis für die Waldgruppe auch erteilt worden.

Wimmer betont hierzu: "Die Forderungen wurden vom Vorstand umfassend besprochen und bearbeitet, obwohl die Aufstellung einer Forderungsliste dieses Inhalts sowie 'mit Ultimatum' versehen den Rahmen der Rechte der Eltern nach Artikel 14 des Bayerisches Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes (BayKiBiG) bei Weitem überschritten hat." In die Gespräche miteinbezogen worden seien die Verantwortlichen des Rosenheimer Landratsamtes als Aufsichtsbehörde, der Stadt als betroffene Kommune, des Innsalzach-Klinikums sowie der Polizeiinspektion Wasserburg

"Auch wir bedauern die Schließung der Waldgruppe sehr" 

"Schlussendlich sah sich der Vorstand des Montessori-Vereins weder organisatorisch noch pädagogisch und schon gar nicht finanziell, da in unserem Haus nach dem Umzug mehrere große zukunftsweisende Projekte anstehen - in der Lage, die massiven Forderungen der gesamten Elternschaft der Waldgruppe zu erfüllen. Zumal diese auf Nachfrage keinen Verhandlungsspielraum zuließ", sagt Wimmer und erläutert dazu im Namen des Vorstands: "Die laufende Förderung für Kindergärten in Bayern beziehen sich nur auf den laufenden Betrieb. Eine laufende Förderung kennt weder das Thema Abschreibung, Rücklagen noch Investitionen. Wir als freier Träger müssen alle Anschaffungen und Investitionen für den Kindergarten selber stemmen. Die Folge war die verantwortungsbewusste Entscheidung des Vorstandes, den Betrieb der Waldgruppe zum Ende dieses Kindergartenjahres auslaufen zu lassen. Den Eltern wurden die Gründe für die Entscheidung ausführlich schriftlich mitgeteilt." 

"Auch wir bedauern die Schließung der Waldgruppe sehr", betont Wimmer abschließend. "Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Nach wie vor sehen die Aufsichtsbehörde und wir unseren Kindergarten als einen Platz, an dem sich Kinder - im Rahmen der Montessoripädagogik - wunderbar entfalten, lernen und spielen können." 

Gab es wirklich einen Drogenfund? 

Markus Steinmaßl, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Wasserburg kann einen solchen Einsatz in der Vergangenheit auf Nachfrage der Redaktion bestätigen: "Es gab im März 2017 ein Ermittlungsverfahren der Kriminalpolizei Rosenheim nach dem Betäubungsmittelgesetz. Ein Insasse im ISK Wasserburg bezichtigte zwei andere Mitinsassen mit Drogen zu handeln. Dazu soll er die Drogen unter dem Bauwagen des Kindergartens zur Übernahme gelagert haben." 

Aufgrund dieser Verdachtsmomente seien von der Kriminalpolizei Rosenheim Ermittlungen aufgenommen und der Bauwagen des Kindergartens in Zusammenarbeit mit der Polizei Wasserburg überwacht worden. Jedoch hätten weder die Überwachungsmaßnahmen noch die Ermittlungen den Verdacht erhärtet. "Das Ermittlungsverfahren gegen die ISK-Insassen ist von der Staatsanwaltschaft inzwischen eingestellt worden. Am Bauwagen selbst sind zu keinem Zeitpunkt Drogen oder Medikamente gefunden worden", versichert Steinmaßl. 

Am 19. Mai 2017 sei auf dem Gelände des ISK hinter der Kirche im Bereich von Lagerhallen eine größere Menge Heroin (etwa 37 Gramm) und eine geringere Menge Kokain (1,2 Gramm) als auch 10 Fentanyl-Pflaster von ISK-Insassen bei Gartenarbeiten gefunden worden. Die Ermittlungen dazu habe die Kriminalpolizei übernommen. Das Gelände sei in der Folge ohne weiteren Fund abgesucht worden. Aus Sicherheitsgründen sei am 31. Mai 2017 erneut mit Unterstützungskräften des Operativen Ergänzungsdienstes Rosenheim das Waldgebiet weiträumig abgesucht worden - auch hier seien laut Steinmaßl jedoch keine weiteren Drogen oder Medikamente gefunden worden. 

mb

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