Aufstockung der Ledererzeile 14 *Mit Voting* 

"Unsere Dachlandschaft schaut bald aus wie ein Schweizer Käse"

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Die Ledererzeile 14 in der Wasserburger Altstadt: Wegen des Ausbaus des Dachgeschosses soll das Gebäude aufgestockt werden. 
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Wasserburg - Ein geplanter Umbau eines Altstadthauses in ein Wohnhaus in der Ledererzeile löste unter den Mitgliedern des Bauausschusses eine hitzige Diskussion aus. Im Fokus: Die Höhe des Anwesens. 

Der Antragsteller hat das Haus in der Ledererzeile 14 erworben und möchte es in Abstimmung mit dem Denkmalschutz sanieren sowie das Dachgeschoss zu Wohnzwecken ausbauen. Die Mitglieder des Bauausschusses beschäftigten sich am Dienstagabend (17. September) mit der Bauvoranfrage des Wasserburgers. 

Bei dem Einzeldenkmal im Ensemble der Stadt handelt es sich um jenes Anwesen, in dem im Erdgeschoss das Radlgeschäft "Seidinger" untergebracht wird. Geplant sei lau Antragsteller, das Anwesen un zu revitalisieren, wieder herzurichten und im Wesentlichen als Stadthaus zu erhalten, wie der zuständige Planer des Vorhabens in der Sitzung erklärte. Dabei soll im Erdgeschoss die Ladenfläche erhalten bleiben und ab dem ersten Obergeschoss Wohnungen entstehen. 

Bisher sei das Gebäude, dessen gesamte Dachkonstruktion historisch sei, nicht unter Denkmalschutz gestanden. Bei einem Ortstermin habe man von Seiten des Landesamt für Denkmalpflege jedoch einige Teile gefunden, die durchaus erhaltenswert seien und nach dem Umbau auch sichtbar bleiben sollen. 

Der zuständige Referent Christoph Scholter, so betonte es der Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) in der Sitzung, habe den Umbau durchaus befürwortet, solange die erhaltenswerten Objekte bestehen blieben

Höheres Dach: Zu markante Erscheinung im Stadtbild? 

Der Knackpunkt bei der Geschichte: Da das Dachgeschoss ausgebaut und zu einer Wohnung umgestaltet werden soll, müsste die Höhe des Geschosses im vorderen Teil moderat um etwa 50 bis 60 Zentimeter angehoben werden, erläuterte Stadtbaumeisterin Mechthild Herrmann die Sachlage. "Es würde sich dabei um einen relativ kleinen Ausschnitt des gesamten Hauses handeln, das Problem dabei aber ist, dass dies nicht der Gestaltungssatzung der Stadt entspricht. Deshalb bat uns der Antragsteller zur Genehmigung dieser Abweichung." 

Mit diesem Ausnahme-Vorschlag zeigten sich aber nicht alle Mitglieder des Bauausschusses einverstanden. Christian Stadler (Grüne) sah nicht nur eine oder zwei, sondern vielmehr bis zu sechs Abweichungen von der Gestaltungssatzung: "Das sind mir persönlich einfach zu viele Ausnahmen. Ich verstehe die Einstellung Scholters gar nicht in Bezug auf den Ausbau des Dachstuhls aus dem Jahr 1750: Wird das Denkmal verschoben, so verliert es seinen Wert und die Eigenschaften eines Denkmals." 

Stadler stieß vor allem auch die angestrebte Erhöhung des Gebäudedachs sauer auf: "Von den bekannten Aussichtspunkten der Stadt aus - ob Schanze, Burg oder Schöne Aussicht - tritt das Gebäude jetzt schon markant hervor, weil es höher ist als seine Nachbarn. Zudem würde es mit einer Erhöhung auf der rückwirkenden Gebäudeseite in Richtung Friedhof/Im Hag sehr deutlich in Erscheinung treten."

Bürgermeister Kölbl bremste Stadler mit den Worten, er sehe das alles nicht ganz so "fundamentalistisch": "Wir schaffen hier Wohnqualität in der Altstadt, das ist ein wesentlicher Punkt für mich. Der historische Dachstuhl bleibt erhalten und wenn unser Fachmann des Landesamts für Denkmalpflege den Umbau schon empfiehlt will ich nicht päpstlicher sein als der Papst." 

Um dieses Gebäude (in rot eingekreist) hinter dem Rathaus geht es: Das Dach soll um 60 Zentimeter höher werden. Die Aufnahme stammt von der Schönen Aussicht am Huberwirt. 

Zustimmung erhielt Stadler hingegen von SPD-Kollege Peter Stenger, der die Darstellung Stadlers "mitnichten fundamentalistisch" fand: "Ich kann dem Kollegen nur Recht geben. Wir genehmigen eine Ausnahme nach der anderen und unsere Dachlandschaft schaut bald aus wie ein Schweizer Käse. Ich habe nichts gegen Ausbau zur Schaffung von Wohnraum, aber die Einschnitte in den Dächern gehen mir langsam zu weit. Wofür haben wir eine Gestaltungssatzung in mühevoller Kleinstarbeit ausgearbeitet, wenn wir sie für Ausnahmen wieder aufheben? Nicht mit mir!" 

Ihre Meinung zur Höhendebatte: 

"Wir genehmigen keine 100.000 Ausnahmen", entgegnete der Bürgermeister, für den die Wohnnutzung in dem bisher leerstehenden Gebäude ausschlaggebend sei. Stadtbaumeisterin Hermann ergänzte: "Wir sind immer noch erst in der Voranfrage und es geht um lediglich 60 Zentimeter, nicht um ein ganzes Geschoss." 

Im Erdgeschoss befindet sich das Radgeschäft "Seidinger". 

Für Andras Aß (CSU) schien die Voranfrage indes kein Problem darzustellen: "Für mich ist die Wohnqualität ausschlaggebend. Wir wollen doch Wohnraum in der Stadt, was spricht hier also gegen den Ausbau, der zumal mit dem Landesamt für Denkmalpflege geschieht?"
Norbert Buortesch (Bürgerforum) wünschte sich zur leichteren Entscheidungsfindung mehr Illustrationen, was am Ende auch in den Beschlussvorschlag aufgenommen wurde. 

Nach einer fast einstündigen Diskussion um Pro und Contra einigten sich die Mitglieder des Bauauschusses darauf, dass der Antragsteller nun eine detaillierte Höhenplanung sowie ergänzende Fotos aus dem Straßenraum zur Veranschaulichung darlegen müsse. Erst dann könne über das weitere Vorgehen bezüglich Dacheinschnitt und Aufstockung entschieden werden. Die Fassadengestaltung der Rückseite sei zusätzlich zu überarbeiten

Gegen die Stimmen von Christian Stadler und Peter Stenger wurde der Tagesordnungspunkt so verabschiedet. 

mb

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