Keine Zukunft: Imaginäres Museum schließt

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Bald gehen die Lichter des Imaginären Museums in Wasserburg aus.

Wasserburg – Schon nach der Stadtratssitzung im Oktober war klar: Die Tage des Imaginären Museums sind gezählt. Jetzt gibt es nochmals einen Tag der offenen Tür.

Zum Jahresende 2014 schließt das Erste Imaginäre Museum Wasserburg. Interessierte haben neben den üblichen Öffnungszeiten die Möglichkeiten, an einem Tag der offenen Tür das Museum noch einmal zu besuchen und mit Museumsleiterin Petra Roßner-Dietz ins Gespräch zu kommen.

Der Eröffnung des Ersten Imaginären Museums 1979 in den Räumen des Pensionats I der Heilig-Geist-Spitalstiftung gingen längere Überlegungen zur Nutzung des 1971 frei gewordenen mittelalterlichen Gebäudes voraus. Gesucht wurde eine Lösung, die mit wenigen Eingriffen in die Gebäudesubstanz verbunden war, das Gebäude öffentlich zugänglich machte, für die kleine Stadt finanzierbar war und Wasserburg in seiner kulturellen und touristischen Attraktivität stärkte.

Die Idee des „Musée Imaginaire“ nach den 1941 erstmals in Worte gefassten und später vielfach veröffentlichten Vorstellungen des französischen Kulturstaatsministers André Malraux eröffnete für Wasserburg neue Perspektiven.

Nach Meinung Malrauxs sei in Paris ein Museum zu errichten gewesen, das mit dem Mittel der Fotografie Abbilder aller bedeutenden Kunstwerke an einem Ort zu Studienzwecken versammeln sollte, um einen wahrhaftigen und vollständigen Eindruck von Kunst zu vermitteln. In einer Zeit, in der Fotographien nicht universell über digitale Medien verfügbar und Reisen aufwendig war, stellte dies eine berechtigte Forderung dar.

Der Künstler und Drucker Günter Dietz hatte in Bremen ein Druckverfahren zur originalgetreuen Wiedergabe von Malerei entwickelt und sich in Soyen vor den Toren Wasserburgs mit seiner Werkstatt niedergelassen. Gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Martin Geiger entwickelte er das Konzept des Ersten Imaginären Museums, das die Malerei bedeutender Künstler vom ausgehenden Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert anhand hochwertiger Repliken zeigte und gleichzeitig den Besucher mit dem vom ihm entwickelten aufwendigen Druckverfahren vertraut machte.

Betrieben wurde das Museum gemeinsam von der Stadt Wasserburg und der Dietz Offizin, wobei es sich zum Teil aus den Eintrittsgeldern und den Provisionen für den Verkauf von Gemälderepliken finanzierte.

Die Stadt gewann eine gut besuchte Kulturinstitution hinzu und die Firma einen Präsentationsund Wirkungsraum, der zudem ihre künstlerische und kulturelle Arbeit auch außerhalb der Werkstatt ermöglichte und sie der Öffentlichkeit näher brachte. Im Laufe der Jahre gingen die Besucherzahlen deutlich zurück.

Die Gründe hierfür sind vielfältig: unter anderem wurden die Öffnungszeiten als Einsparungsmaßnahme gekürzt, neuere Entwicklungen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wurden nur unzureichend aufgegriffen und eine Modernisierung der Präsentation fand in den 35 Jahren nicht statt. Diverse Bemühungen zur Belebung des Museums führten leider nicht zum gewünschten Erfolg.

Die Vertragspartner Stadt Wasserburg und die Dietz Offizin kamen deshalb überein, das Museum zu schließen.

Um allen Interessierten nochmals die Möglichkeit zu geben, das Museum zu besuchen, findet am 7. Dezember von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr ein Tag der offenen Tür bei freiem Eintritt statt. Für Gespräche und Fragen steht an diesem Sonntag die Museumsleitung zur Verfügung.

Pressemitteilung Stadt Wasserburg / Regina Mittermair

Quelle: rosenheim24.de

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