Wasserburg hinter sich gelassen

Imaginäres Museum: Neustart steht bevor

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Petra Roßner-Dietz und ihr Sohn Philip geben das Imaginäre Museum nicht auf. Viele Fans wird es freuen zu hören, dass das Imaginäre Museum eine Zukunft haben wird.
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Wasserburg – Das Aus für das Imaginäre Museum war absehbar, doch die Art und Weise hätte menschlicher vonstattengehen können. Gibt es eine Chance, die beliebten imaginären Werke weiter zu sehen?

„Ein sehr interessantes Museum“, schreibt Susanne aus Wien. „Es hat mir gut gefallen, außergewöhnlich und mit viel Liebe zum Detail“ heißt es von Viktoria. „Das Imaginäre Museum ist ein Kulturdenkmal, ich komme sehr gerne hier her“, verewigt sich Roland aus Landshut. Ein paar Auszüge aus den vielen schwärmenden Einträgen, die nun nur noch fürs Archiv taugen. Viele Besucher des Imaginären Museums haben positive Bewertungen im Gästebuch an der Museumspforte hinterlassen. Doch das ist seit mittlerweile einigen Monaten Geschichte. Das Imaginäre Museum in Wasserburg gibt es nicht mehr. Nur noch das Türschild lässt erahnen, welch Kunstschatz sich hier einst befand. Immer wieder schauen Touristen durch die Eingangstüre und interessieren sich dafür, warum die Türe für immer geschlossen bleibt. „Eigentlich ist es ein sehr trauriges Ende“, betont Petra Roßner-Dietz. Sie und ihr Sohn Philip schwelgen ab und an noch in Erinnerungen.

Petra Roßner-Dietz hat die Entstehung des Museums nahe dem Brucktor in Wasserburg selbst miterlebt, viele Handgriffe getätigt und ihren Vater, den bekannten Virtuosen Günter Dietz, beim Einrichten und der Leitung des Museums unterstützt. Die Geschichte der Familie Dietz ist außergewöhnlich, geprägt von viel persönlichem Einsatz und großartigen Kontakten. Film und Fernsehen interessierten sich für die Familiengeschichte, die das Leben mit allen Höhen und Tiefen schrieb. Das Imaginäre Museum ist Teil dieser Geschichte, es war Inbegriff der modernen Möglichkeiten und der Freude an der Kunst. „Das Museum hat uns 35 Jahre begleitet, war zur wichtigen Institution geworden und wir haben sehr viel Herzblut hineingesteckt“, erklärt Petra Roßner-Dietz. Die Anerkennung und der Zuspruch der Besucher, der Öffentlichkeit seien Bestätigung, dass das Museum seine Berechtigung hatte für so lange Zeit. „Die Schließung wird von jedem anders gedeutet, von der Stadt Wasserburg leider ganz besonders“, so Roßner-Dietz enttäuscht. Man habe viele Ungereimtheiten nicht beseitigen können, erklärt die Museumsleiterin. Auf sinkende Besucherzahlen und steigende Unterhaltskosten habe man es zuletzt geschoben, die das Museum zur Schließung brachten.

Fester Bestandteil in der Kunststadt Wasserburg

Weitab der großen Kunstzentren wie beispielsweise München, konnte im Imaginären Museum in Wasserburg viel Kunst erlebt werden, die sonst der Öffentlichkeit oft verschlossen bleibt.„Unser Druckverfahren ist etwas Besonderes, viele Künstler waren bestrebt danach“, erinnert sich Philip Roßner. Menschen an die Kunst heranführen – das war ein wichtiger Aspekt beim Imaginären Museum. „Ich bedauere es deshalb sehr, dass die Museumstüre geschlossen werden musste“, so Petra Roßner-Dietz. Sie blickt auf eine sehr lebendige Museumszeit zurück, in der es jedoch leider auch Menschen im Stadtrat gegeben habe, die das Museum stets in Frage gestellt hatten. „Es macht traurig, aber so war das Ende irgendwie auch absehbar“, so Roßner-Dietz im Gespräch mit wasserburg24.de.

Der Werdegang des Imaginären Museums

Eröffnet wurde das Imaginäre Museum Anfang November 1979. Der damalige Bürgermeister der Stadt Wasserburg, Dr. Martin Geiger, hat gemeinsam mit Günter Dietz das Anliegen initiiert und Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Waren es zu den Anfangsjahren des Museums noch jährlich an die 4000 Besucher, wurden in den letzten Jahren daraus lediglich noch 2000 Interessierte Museumsgänger gezählt, unter anderem war dies wohl auch den eingeschränkten Öffnungszeiten der letzten Jahre zuzuschreiben. Zugute kam der Familie Dietz immer der gute Kontakt zu vielen Künstlern und besonderen Menschen. „Auch die Herstellung, das Druckverfahren, das wir anwenden, war von Anfang an sehr angesehen, darum war das öffentliche Interesse schon immer groß“, berichtet Petra Roßner-Dietz.

Das Museum wuchs und hatte sich als feste Adresse für Kunstliebhaber etabliert. „Ich war es leid, mich für eine bestehende und gewachsene Sache immer verteidigen zu müssen, das war zum Schluss wirklich unschön“, erklärt Petra Roßner-Dietz. Viele Offizielle hätten es nicht erkannt oder geschätzt, welche Einrichtung hier der Öffentlichkeit zur Verfügung gestanden hätte.

Wie war das mit der Kündigung?

Der Vertrag, den Dr. Geiger unterschrieben hatte und somit dem Imaginären Museum in Wasserburg Platz gab, lief 2012 aus. Innerhalb des Stadtrates sei es immer wieder zu Diskrepanzen gekommen, die Meinungen über den Bestand des Imaginären Museums gingen auseinander. Der Hintergrund des Museums geriet immer mehr in eine Schublade. „Im Jahr 2009 wurde uns durch die Stadt gekündigt, das Aus im Jahr 2012 war somit eigentlich besiegelt“, heißt es von Petra Roßner-Dietz.

Kurz vor Tores-Schluss sei die Stadt dann wieder auf die Familie Dietz zugegangen und hätte um weitere Verlängerung angefragt, erzählt die ehemalige Museumsleiterin, die spürbar diese Leidenschaft für Kunst lebt. „Dann haben wir uns auf weitere zwei Jahre zugunsten des Imaginären Museums geeinigt und auch bauliche Veränderungen, zum Beispiel im Eingangsbereich, vereinbart“, so Roßner-Dietz. Einige Monate seien vergangen, als sie plötzlich über einen Zeitungsartikel vom weiteren Vorhaben der Stadt erfahren habe. „Da standen Visionen, was man nach Ende des Imaginären Museum alles machen könnte in den Räumlichkeiten. Und die vereinbarten baulichen Veränderungen wurden nicht durchgeführt“, blicken Roßner-Dietz und ihr Sohn Philip zurück. Deshalb kündigten sie den Vertrag.

Das unschöne Ende, das ohne Wertschätzung der Kunst des Imaginären Museums eingeläutet worden war, hinterlässt eine gewisse Leere im Kulturangebot der Stadt. Ab Herbst 2015 wird die Sammlung von Bernd Joa in den Räumlichkeiten am Brucktor zu sehen sein.

Zukunft vorhanden

Das Imaginäre Museum wird es dennoch andernorts wieder geben. „Wir haben unsere Fühler ausgestreckt und freuen uns sehr, dass sich andere Kommunen sehr um uns bemühen“, so Petra Roßner-Dietz. Die Verbundenheit zur Kunst an sich und die Kontakte der Familie Dietz zu alt eingesessenen, teils weltweit bekannten Künstlern der Vergangenheit und auch der Gegenwart gibt den Dietz-Projekten viel Gewicht und Berechtigung in der Kunstszene. Die Bekanntheit der Familie Dietz wird immer wieder klar, ein Film vom Wasserburger Filmemacher Peter Ludwig wurde soeben fertig gestellt: Lost Picture Show, eine Hommage an Günter Dietz. An welchem Ort oder in welcher Stadt das Imaginäre Museum wieder aufblühen soll, ist noch nicht entschieden, doch die Fortsetzung zumindest besiegelt, was zahlreiche Kunstinteressierte bestimmt sehr freuen wird. 

Quelle: rosenheim24.de

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