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Fahrschule Habenstein und Breu im Raum Rosenheim: Inhaber zu 2G

„Früher wurden Schwarzfahrer für den Schein gesperrt - heute sind es Ungeimpfte“

Alex Breu Inhaber Fahrschule Habenstein und Breu
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Alex Breu, Inhaber der Fahrschule Habenstein und Breu.

Fahren lernen in Pandemiezeiten - eine Herausforderung für Eltern, Fahrschüler und Fahrlehrer. Seit der jüngsten Infektionsschutzverordnung darf nur noch Fahren lernen, wer einen 2G-Nachweis parat hat. Fahrschulinhaber Alex Breu kann sich über die Corona-Regeln nur noch wundern.

Wasserburg am Inn/Landkreis Rosenheim - „Wir haben jetzt den dritten Lockdown hinter uns“, erklärt Alex Breu, Inhaber der Fahrschule Habenstein und Breu, resigniert gegenüber wasserburg24.de. Wir treffen ihn nach einem langen Arbeitstag in seinem Büro im Wasserburger Burgerfeld.

Auch wenn der letzte Hotspot-Lockdown im Raum Rosenheim nur zwei Wochen in Anspruch nahm, für die Fahrschulen ist die Wiederöffnung nun mit den verschärften Maßnahmen an die 2G-Regel gebunden - sprich Fahren lernen dürfen nur mehr Genesene sowie Geimpfte.

Zweimal pro Woche PCR-Test für ungeimpfte Fahrlehrer auf eigene Kosten

„Diese Regel zwingt fast 50 Prozent unserer Schüler, die im Landkreis vor allem im Raum Wasserburg auf unsere Standorte verteilt sind, zum Stillstand“, weiß Breu. Denn der Großteil der Schüler sei zwischen 16 und 20 Jahre alt - eine Altersgruppe, die im Zuge der Pandemie oft noch nicht geimpft sei.

„Es gibt einige, die stur bleiben und andere, die jetzt sagen, sie lassen sich impfen, damit sie den Schein machen können“, fährt Breu fort. „Doch selbst mit dem Willen, weitermachen zu wollen - von der Registrierung beim Impfzentrum bis hin zum vollständigen Impfstatus gehen sechs bis acht Wochen ins Land - die Schüler stehen so oder so vor einer Zwangspause.“

Vereinzelt treffe die Regelung um 2G auch Fahrlehrer, weiß Breu. Ein Berufsverbot gebe es zwar deshalb nicht, sie müssten jedoch zwingend zwei Mal pro Woche einen PCR-Test machen - auf eigene Kosten. „Da kommen tausend Euro pro Monat zusammen“, untermalt der Fahrschulinhaber. „Wir haben als Unternehmen entschieden, für unserer Lehrer die anfallenden Kosten zu übernehmen. Doch viele andere stehen vor der Wahl: Entweder kündigen oder zahlen. Ein trauriges Schicksal.“

Dabei setzen die Fahrschulen auf strikte Hygienekonzepte, desinfizieren die Autos, machen Schnelltests, tragen Masken, haben ein Lüftungskonzept für den Unterricht entwickelt, verbunden mit einer Abstandsregelung. „Wir haben all das umgesetzt“, erläutert Breu weiter, der in engem Kontakt mit Fahrlehrern in der Region steht. „Die Erfahrungswerte auch in anderen Schulen zeigen: Es funktioniert. Die Schüler sind zumeist schon in der Schule getestet und bisher gab es keine Ansteckungen während der Praxis- oder Theoriestunden.“

Dennoch bleiben viele Stühle in der Fahrschule leer. Für den Fahrschulinhaber bedeutet das wegfallende Kurse, weil die Teilnehmer fehlen. Besonders tragisch sei das überdies für Berufskraftfahrer, die für gewerbliche Tätigkeiten und aus beruflichen Gründen ihren Schein verlängern müssen. Aus- und Weiterbildungen: passé. „Auch die wirft das Ganze zurück, weil sie ungeimpft sind.“

Ungeimpfte dürfen nicht zur Fahrschule - Debatte auf Facebook

Das Thema polarisiert, wie Rückmeldungen seitens Eltern, Schüler oder auch Fahrlehrer zeigen. Einzelne Meinungen postet die Fahrschule Habenstein auf ihrer Facebook-Seite. Die daraus resultierende Diskussion: vielseitig. „Die Debatte um die Pandemie und die Maßnahmen ist heiß wie nie. Ich hätte nicht gedacht, dass es einmal so weit kommt, dass selbst die Gesellschaft gespalten wird“, unterstreicht Breu.

Früher wurden Schwarzfahrer für den Schein gesperrt, jene, die eine Straftat begangen haben oder Probleme mit Alkohol hatten - heute sind es die Ungeimpften“, resümiert Alex Breu kopfschüttelnd. „Mir tut es besonders für die Jungen leid, die jetzt wieder warten müssen.“

So wie Noel Friedl aus Wasserburg, der jetzt pausieren muss. Eigentlich wollte er noch vor seinem Geburtstag Ende Dezember fertig werden - nun wird er noch einige Wochen anhängen müssen, zumal er nicht einmal wisse, wann er überhaupt wieder hinters Steuer des Fahrschulautos dürfe. Das Ganze sei auch eine Frage des Geldes, denn Pausen führen dazu, dass die Schüler aus der Übung kommen - und Zusatzstunden benötigen.

„Regel-Rondell“ und Lockdowns kosten Eltern, Schüler und Lehrer Zeit und Nerven

Was Alex Breu deutlich kritisiert, ist die Spontanität, mit der Maßnahmen seitens der Regierung „praktisch von heute auf morgen“ umgesetzt werden müssen. Planbarkeit? Unmöglich. Wem eine Kontrolle ins Haus steht, der zahlt bis zu 25.000 Euro Strafe bei Nichtbeachtung.

Dabei seien die Regeln inzwischen derart nebulös, dass kaum mehr einer durchblicke, was er unter welchen Umständen dürfe. Während in den Fahrschulen 2G gilt, darf zur Prüfung zum TÜV jeder unter Einhaltung der 3G+-Regelung - sprich genesen, geimpft oder PCR-getestet.

„Das Regel-Rondell sowie das lockdownbedingte Hoch- und Runterfahren des Betriebs kostet sowohl Eltern, Schüler als auch uns Lehrer Zeit und Nerven“, schließt der Fahrlehrer seine Ausführungen.

mb

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