Integrationshilfe

"Aktion Aufwind": Not lindern und Chancen geben

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Die Teilnehmer des Programms "Aktion Aufwind"

Wasserburg - Jungen Asylbewerbern wird seit wenigen Monaten in Form des "Aktion Aufwind"-Programms geholfen. Dabei gehört nicht nur materielle Unterstützung zu den Aufgaben:

„Wörterbuch“ – dieser Begriff ist den meisten Schülern der BIJ/V-Klasse an der Staatlichen Berufsschule Wasserburg zwar bereits geläufig. Dennoch sind die Nachschlagewerke ebenso wie die Turnschuhe, die Martin Schwegler und Markus Götz von der „Aktion Aufwind“ bei ihrem Besuch im Gepäck hatten, für die 20 Asylbewerber und Flüchtlinge aus Bürgerkriegs- und Krisengebieten unverzichtbar.

Seit September besuchen die 17 jungen Männer und drei Frauen hier die Vorklasse zum Berufsintegrationsjahr (BIJ/V) mit Schwerpunkt Sprachintegration - eine von insgesamt zwölf in Oberbayern. Das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF), des Bayerischen Kultusministeriums und des Landkreises Rosenheim finanzierte Projekt bereitet berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge ohne Deutschkenntnisse und mit sehr unterschiedlicher Vorbildung auf das Berufsintegrationsjahr (BIJ) und damit langfristig auf eine Duale Berufsausbildung vor, erläutert Jürgen Ersing, Referent für berufliche Schulen bei der Regierung von Oberbayern, die Zielsetzung dieses Angebots. Darüber hinaus erhalten die jungen Menschen sozialpädagogische Unterstützung. In Wasserburg kümmert sich darum der Verein „Pro Arbeit Rosenheim“, der für den Sprachunterricht die dortige Volkshochschule als Kooperationspartner ins Boot geholt hat.

Bunte Vielfalt im Programm

Der Großteil der Wasserburger BIJ/V-Schüler stammt aus Afghanistan, Syrien oder Pakistan, einer aus dem Senegal, ein anderer aus Nigeria. Entsprechend bunt ist die Palette der Muttersprachen, die im Unterricht von DaZ (Deutsch als Zweitsprache)-Lehrer A'kos Dombai zusammentreffen. Sie reicht von Englisch und Französisch über Persisch und Arabisch bis hin zu Urdu und Paschto. Jede Woche stehen nun 15 Unterrichtseinheiten Deutsch in Wort und Schrift auf dem Stundenplan. Hinzu kommen allgemeinbildende und berufsvorbereitende Inhalte, wobei die 17- bis 21jährigen auch in verschiedene Berufsfelder wie etwa die Kunststoff- und Metallbearbeitung schnuppern können. Sie sind sich durchaus im Klaren darüber, dass die Sprache der Generalschlüssel für Integration und für einen Job im neuen, noch fremden Land ist. So stehen alle jeden Tag pünktlich und hochmotiviert auf der Matte, wie Schulleiter Gerhard Heindl und seine Stellvertreterin Claudia Romer immer wieder erfreut beobachten können. Wenngleich die Unterkünfte von Amerang über Söchtenau, Bruckmühl, Bad Abiling und Kolbermoor bis Neubeuern und Kiefersfelden quer über den ganzen Landkreis verstreut sind, wird Pünktlichkeit groß geschrieben. Einziges Zugeständnis an den zum Teil sehr langen und umständlichen Schulweg: Der Unterricht beginnt statt um 7.45 Uhr erst um 8.30 Uhr.

Nicht nur materielle Unterstützung

Anfangs habe sie sich noch oft mit Englisch behelfen müssen, und natürlich mit Händen und Füßen, erinnert sich Sandra Pawle von „Pro Arbeit“ an den Schuljahresbeginn. Um die Kommunikation mit ihren Schützlingen etwas zu erleichtern, die nicht nur dringend auf materielle Unterstützung angewiesen sind, hatte sich die Sozialpädagogin eigens Wörterbücher für Persisch und Arabisch zugelegt. Pawle steht den Jugendlichen, von denen einige ihre Familie in Kriegsgebieten zurücklassen mussten, in allen Lebensbereichen mit Rat und Tat zur Seite, ist Anlaufstelle bei persönlichen Problemen, führt Telefonate mit dem Flüchtlingsrat und hilft beim Ausfüllen von Formularen.

"Ein Riesenschritt für Sie und für uns als Gesellschaft"

Unterdessen hat die „Aktion Aufwind“, ein Gemeinschaftsprojekt der Sparkassenstiftungen Zukunft für die Stadt und den Landkreis Rosenheim und den hiesigen Wohlfahrtsverbänden, die BIJ/V-Schüler nicht nur mit Lernhilfen versorgt: Dank der Turnschuhe, die vom Wasserburger Kleidungshaus Gruber gesponsert wurden, sind diese nun auch für den Sportunterricht gerüstet. Die Hilfsaktion wurde vor knapp zwei Jahren ins Leben gerufen. Sie will zum einen akute Not bei bedürftigen Kindern und Jugendlichen in der Region lindern. Zum anderen will sie diesen jungen Menschen die Chance geben, trotz finanzieller Not am gesellschaftlichen Leben in all seinen Facetten, von der Kultur bis hin zum Sport, teilzuhaben - will eben Hindernisse aus dem Weg räumen. „Das ist ein Riesenschritt für Sie und für uns als Gesellschaft.“, verdeutlichte Martin Schwegler, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Sparkassenstiftungen, in seiner kurzen Ansprache. Denn wer kein oder nur wenig Geld habe, gerate nur zu leicht auch gesellschaftlich ins Abseits.

Entsprechend groß ist die Bedeutung, die Schulleiter Gerhard Heindl der neuen Vorklasse zum Berufsintegrationsjahr und vor allem auch der Unterstützung der jungen Flüchtlinge und Asylbewerber durch die „Aktion Aufwind“ beimisst, wie er gegenüber Schwegler und dem „Pro Arbeit“-Vorsitzenden Harald Neu betonte: „Wir sind darauf angewiesen, dass diese Art der Beschulung sichergestellt wird.“

Pressemitteilung PRO ARBEIT ROSENHEIM e.V.

Quelle: rosenheim24.de

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