Inspektionsleiter im Interview

Graf: "Drogendelikte sind Kontrolldelikte"

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Inspektionsleiter Robert Graf.
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Wasserburg - Kriminaloberkommissar Robert Graf ist seit gut 50 Tagen Inspektionsleiter der Wasserburger Polizei. Im Interview spricht er auch über Drogen und Alkohol in der Innstadt.

Der Kleinstadtcharakter liegt ihm. Die letzten Wochen waren lebhaft, die Verantwortung als Inspektionsleiter gefalle ihm sehr gut. Seit gut 50 Tagen ist Robert Graf mittlerweile im Amt bei der Polizei Wasserburg. Jetzt spricht er über das Drogenproblem in Wasserburg, die Zeit als „Neuling“ und warum Wasserburg noch mehr gegen Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit tun kann.

Seit mittlerweile fast zwei Monaten sind Sie hier in Wasserburg. Wie gefällt es Ihnen? 

Graf: Es waren sehr arbeitsreiche Wochen, spannend und absolut herausfordernd. Mir gefällt es aber wirklich sehr gut hier in Wasserburg. Es ist eine schöne Stadt mit eigenem Charakter und positiver Grundstimmung.

Sind Sie wirklich nur auf Durchreise hier? 

Graf: Ja, zum 31. November 2015 endet meine Zeit nach sechs Monaten Wasserburg wieder. Die sogenannte Führungsbewährung, die ich hier in Wasserburg ableiste, ist das letzte Teilstück im Förderverfahren zur Ausbildungsqualifizierung für Ämter des ehemals höheren Dienstes. Es ist eine sehr interessante Wissenserweiterung, zu sehen, wie ein anderer Bezirk arbeitet und welche Philosophie hier prägt. Daher ist es übrigens auch nicht unüblich, dass man den Verband, also das Polizeipräsidium wechselt, eigentlich komme ich ja aus dem Polizeipräsidium Schwaben Süd/West.

Gibt es Schwerpunkte, die Sie im Polizeialltag setzen, auf was legen Sie besonderen Wert? 

Graf: Natürlich habe ich Teilbereiche der Polizeiarbeit, die mir besonders wichtig sind. Ein gutes Arbeitsklima, positives Teamverhalten sind ganz wichtige Faktoren, denen ich große Bedeutung schenke. Sich gegenseitig im Team unterstützen, für den anderen da sein, Zusammenhalt – gerade in einem kleinen Team, wie wir es in Wasserburg sind – wichtige Punkte.

Es fällt auf, dass seit Ihrem Dienstantritt in Wasserburg bereits vermehrt Fälle, die dem Schlagwort Drogen zuzuordnen sind, sagen wir salopp „aufgedeckt“ wurden. Ist das Zufall? 

Graf: Ich durfte in meiner Vergangenheit bereits Erfahrungen in der Betäubungsmittelkriminalitätsbekämpfung sammeln, war einige Zeit in einer Rauschgift-Arbeitsgruppe. Es ist tatsächlich ein Bereich, den ich zu meinem Steckenpferd zählen darf.

Das könnte Wasserburg zugute kommen. 

Graf: Die Betäubungskriminalitätsbekämpfung ist so unglaublich wichtig. Wir als Polizei müssen dagegen vorgehen, weil die Betäubungskriminalität so viele Auswirkungen auf andere Deliktsfelder hat. Auf Straßenkriminalität beispielsweise, auf Körperverletzungsdelikte, Raubdelikte und auch auf Diebstahlsdelikte.

Warum? 

Graf: Schnelle Geldbeschaffung, um die Betäubungsmittel erstehen zu können etwa, oder wenn man unter Betäubungsmitteln steht und dann etwas anstellt, das polizeirelevant ist. Wir sehen es leider immer wieder, dass es bei Einsätzen, in denen es sehr aggressiven Widerstand gegen Polizisten gibt, sehr häufig Einflüsse von Betäubungsmittel festzustellen gilt.

Eine große Herausforderung für eine kleine Stadt wie Wasserburg und eine relativ kleine Polizeimannschaft. 

Graf: Absolut. Wir möchten auch nie jemanden vorverurteilen, wir gehen in jeden Einsatz unvoreingenommen, trotzdem mit Vorsicht. Es ist immer schwierig, alles richtig zu deuten, es ist aber wichtig, Gegebenheiten richtig zu deuten, auf unvorhersehbare Aktionen und Reaktionen in gewissem Maße immer vorbereitet zu sein. Darum versuche ich, die Kollegen stets zu sensibilisieren, durch bestimmte Faktoren Einflüsse zu erkennen.

Was kann Wasserburg gegen gehäuften Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetzt tun? 

Graf: Drogendelikte sind Kontrolldelikte. Wir müssen kontrollieren, um Fälle aufzudecken. Das kann in einem kleinen Team funktionieren, und meiner Meinung nach ist es dieser Bereich auch wert, stärker verfolgt zu werden. Nur so haben wir die Chance, dem Kreislauf vermehrt Betäubungsmittelfälle zu entziehen. Es kommt auch vor, dass wir als PI Wasserburg uns Unterstützungskräfte holen, um auch einmal die ein oder andere Aktion zu starten, denn die Thematik ist uns sehr wichtig.

Beim Thema Sucht spielt im Bereich des Stadtgebiets Wasserburg auch der Alkoholkonsum eine große Rolle. Wie kann Wasserburg hier gegensteuern?

Graf: Alkohol ist eine legale Droge. Wir stellen fest, dass sich diese Bereiche oft auch vermischen. Oft haben wir Exzesse im Mischkonsum, also Leute stark betrunken sind und zudem der Einfluss von Betäubungsmitteln auch noch eine Rolle spielt. Dennoch gehört es allgemein getrennt. Alkoholkonsum und Straftaten gehen oft einher. Die Stadt Wasserburg hat ihre Sondernutzungssatzung – auf gewidmeten Flächen ist das Niederlassen zum Alkoholkonsum nicht erlaubt, das kontrollieren wir auch, ebenso bei den Veranstaltungen oder im Bereich des Jugendschutzes. Zum Thema Alkoholkonsum im Stadtgebiet habe ich jetzt einen Vorstoß gewagt, vorzuschlagen, eine Grünanlagensatzung ins Spiel zu bringen. Das ist nicht auf Basis des bayrischen Straßen- und Wegegesetzes, sondern die Basis ist hier die Gemeindeordnung. Hier könnte die Stadt eine Grünanlagensatzung beschließen, dann wären auch all die anderen Gegenden dabei, in denen der öffentliche Alkoholkonsum nicht erlaubt ist, zum Beispiel am Inndamm, an Spielplätzen, Parks. Überall dort, wo es zwar kein öffentlicher Verkehrsgrund ist, aber von der Stadtbewirtschaftet wird, also beispielsweise jede Grünanlage, die die Stadt unterhält. Es lief bereits ein gutes Gespräch mit der Stadt, eventuell könnte es Thema im Stadtrat werden. Ich persönlich finde es schlimm, dass das Flair der Stadt durch öffentlichen Alkoholkonsum gestört wird. Mich stört es, wenn man jetzt mit oder aber natürlich auch ohne Kinder an einer Gruppe, dem Alkohol nicht abgeneigten Menschen, die an Parkbänken hocken mit den Bierflaschen, vorbeilaufen muss. Das zerstört das Stadtbild. Und daraus entstehen dann wiederum andere Geschichten, es wird gepöbelt etc. Das muss alles nicht sein. Aber hier können wir was gemeinsam dagegen unternehmen.

Interview: Regina Mittermair

Quelle: rosenheim24.de

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