Wasserburger Bürgermeister: „Zu viele Hürden aufgebaut“

Neuer Altstadt-Biergarten direkt am Inn: Landratsamt sprengt Pläne

Biergarten am Inndamm in Wasserburg
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An dieser Stelle (rechts im Bild) wäre ein Biergarten in Wasserburg möglich gewesen.

Wasserburg - Es wäre zu schön gewesen: Ein lauschiges Platzerl mit einem kühlen Bier und einer zünftigen Brotzeit direkt am Inn. Der Traum vieler Wasserburger vom Biergarten am Inndamm - er ist nun geplatzt.

Die Pläne einer „mobilen Imbisswirtschaft mit Selbstbedienung im Wirtsgarten“ befanden sich bereits auf einem guten Weg. Die Mitglieder des Ausschusses standen im Juni 2020 dem Vorhaben durchaus positiv gegenüber, hatten einem Vorbescheidsverfahren als ersten Schritt der Realisierung grünes Licht gegeben. Auch ein möglicher Betreiber war bereits spruchreif. Doch Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann äußerte damals schon Zweifel in Bezug auf die erforderliche Flächennutzungsplanänderung - und sie sollte Recht behalten.


Warum das Landratsamt vom Projekt Altstadt-Biergarten abrät:

Denn das Landratsamt setzte den Plänen nun ein jähes Ende, wie Bürgermeister Michael Kölbl zerknirscht in der Sitzung des Bauausschusses am 22. Oktober mitteilen muss. In einer rechtlichen Beurteilung, ob ein Biergarten an dieser Stelle des Inndamms zwischen dem Bauhof und dem TSV Vereinsheim möglich wäre, habe die Behörde der Stadt am 14. September schriftlich mitgeteilt, dass die „begehrte und von uns allen wünschenswerte Baugenehmigung“ nicht erteilt werden könne.


Die Fachbehörden seien zu dem Entschluss gekommen, dass das Vorhaben insbesondere „den Erhalt der natürlichen Eigenart der Landschaft und ihren Erholungswert“ am Otto-Geigenberger-Weg beeinträchtige sowie „die Wasserwirtschaft und den Hochwasserschutz“ gefährde. Eine Räumung des mobilen Areals in 24 Stunden sei aus wasserschutzrechtlicher Sicht nicht ausreichend.

Der letzte zentrale Punkt aus dem Schreiben, dass sich primär auf Paragraph 35, Absatz 3 des Baugesetzbuches stützt, ließ sogar den Bürgermeister verwundert schmunzeln: „Durch den Biergarten am Inn würde eine Splittersiedlung entstehen. Das verstehe wer kann.“ Darüber hinaus seien „auf drei Seiten gaststättenrechtlich umfangreiche Maßgaben für das Vorhaben“ formuliert worden, die letztlich mit dem bisherigen Konzept, das einem klassischen Biergarten gleichkommt, nicht vereinbar seien. „Gastronomie und Kultur sollten sich wie bisher auf das reine Stadtgebiet beschränken“, heißt es weiter aus dem Landratsamt.

Biergarten-Pläne vom Tisch: Stadt dennoch bemüht um andere Lösung

Verwunderte Gesichter, verschränkte Arme und verärgertes Kopfschütteln im Rathaus. „Schrotschussmethode“, entfuhr es dem Bürgermeister daraufhin. Er sprach jene Worte aus, die wohl so oder ähnlich allen Mitgliedern des Bauausschusses in diesem Moment durch den Kopf spukten: „Hier wurde auf alles geschossen, was sich bewegt respektive alles aufgeschrieben, was man gefunden hat. Dass die Stellungnahme keinerlei Lösungsmöglichkeit aufzeigt, das hat uns schon bisserl schockiert. Lässt man sich diese ganzen Vorgaben auf der Zunge zergehen, kann man am Ende nur noch die Hände über den Kopf zusammenschlagen.“

Auch die Stadtbaumeisterin fand deutliche Worte zur Einordnung der Stellungnahme: „Mit diesem Schreiben wurde uns durch die Blume gesagt: ‚Ihr könnt ruhig euren Flächennutzungsplan ändern, aber wir werden es niemals genehmigen‘. Gänzlich unmöglich.“

Die geplante Lage des Biergartens am Inndamm. *Für eine größere Ansicht auf das Bild klicken* 

„Schweren Herzens“, wie Kölbl schlussendlich resigniert einsah, „müssen wir uns von der Idee eines Biergartens am Wasserburger Inndamm verabschieden, da das Landratsamt dringend empfiehlt, das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen. Sowohl eine Baugenehmigung als auch eine Gaststättenerlaubnis sind offensichtlich nicht möglich. Sie haben uns hier zu viele Hürden aufgebaut - wir können nicht über alle springen. Jetzt müssen wir versuchen eine andere Lösung zu finden.“

mb

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