Andrea Jurochnik hat Stammzellen gespendet

Und plötzlich bist Du genetischer Zwilling!

+
Andrea Jurochnik hat ab sofort einen genetischen Zwilling: Sie konnte im Juli 2015 einem an Leukämie erkrankten 58-jährigen aus Großbritannien Stammzellen spenden. Irgendwann möchte sie gerne Kontakt zu ihm aufnehmen, um seinen Genesungsweg mit zu verfolgen. Momentan gilt noch eine Zeit der Anonymität.
  • schließen

Wasserburg – „Der Spender ist unser größtes Gut“, erklärt Christina Neumann von der DKMS. Sie war zu Gast bei der Firma MEGGLE, weil die Ausbildungsleiterin Andrea Jurochnik im Juli 2015 Stammzellen spenden konnte und dadurch zur Lebensretterin wurde.

Mit dem Besuch und der Urkundenübergabe der DKMS an die 22-jährige Mitarbeiterin der Firma MEGGLE, Andrea Jurochnik, wurde deutlich, wie wichtig es ist, sich typisieren zu lassen. „Unser Anspruch ist es, dass jeder Patient seinen passenden Spender bekommen soll“, betonte Christina Neumann von der DKMS.

Lesen Sie hier:

Florian aus Griesstätt rettet Leben

Berufsschüler lassen sich typisieren

Mechatroniker als Lebensretter

Die 1991 gegründete Deutsche Knochenmark Spender Datei hatte kürzlich die 50.000 Entnahme von Stammzellen notieren können, insgesamt stehen rund 5 Millionen Menschen als möglicher Spender in der Datei der DKMS. „Doch wir bräuchten natürlich viel mehr weitere Menschen, die sich typisieren lassen, darum sind wir so froh, dass durch so positive Meldungen von Stammzellspenden aus der Region den Leuten gezeigt wird, dass Lebensretter durch Stammzellspende so wichtig sind“, so Neumann vom Team Fundraising der DKMS. Der Weg zum genetischen Zwilling Andrea Jurochnik hat sich im Jahr 2013 typisieren lassen. Sie hat über die Internetseite der DKMS Material bestellt, um in die Spenderdatei zu kommen.

Mitte Juli 2015 dann die schöne Nachricht: Die junge Frau würde auf die Gewebemerkmale eines 58-Jährigen aus Großbritannien passen, der an Leukämie erkrankt ist, käme als Spenderin infrage.

Ohne zu zögern hat sich die 22-Jährige auch der Feintypisierung unterzogen, um genau zu bestimmen, ob tatsächlich alle notwendigen Merkmale zusammenpassen. „Es hat gepasst und ich bin dann nach Voruntersuchung, Gesundheitschecks und viel Aufklärung nach Dresden gefahren, um dort die Periphere Stammzellentnahme machen zu lassen“, erklärt Jurochnik.

Der medizinische Eingriff der Peripheren Stammzellentnahme ist vergleichbar mit dem Ablauf einer Dialyse. Dem eigenen Blut werden die Stammzellen entwendet, umgehend kommt das Blut wieder in den eigenen Körper, ausgefiltert wurden lediglich die Stammzellen, die dem Patienten als wichtiges „Lebenselixier“ dienen können. „Stammzellen lassen sich nicht ewig aufsparen, sie werden innerhalb von 72 Stunden nach der Entnahme dem Patienten transplantiert“, so Neumann. Dann dauert es gut zwei Wochen bis der Körper auf die gespendeten Stammzellen anspricht.

Eine Zeit des Übergangs von rund 100 Tagen beginnt, bis nach und nach weiter Stammzellen produziert werden können und das Immunsystem des Patienten auf die Neuerungen anspricht.

Arbeitgeber lobt Einsatz

„Sie sind der Leuchtturm für MEGGLE“ zeigte sich Finanzvorstand Christian Sedlatschek euphorisch. „Wir zollen Ihnen großen Respekt und sind begeistert davon, dass Sie möglicherweise Leben retten konnten“, kam es Sedlatschek über die Lippen, der seiner Mitarbeiterin zu so viel persönlichem Engagement gratulierte.

Glücklich wirkte auch Personalleiterin Doris Kollmannsberger. Es sei schön zu merken, dass sich Mitarbeiter so für andere Menschen einsetzen möchten, hieß es von Kollmannsbeger.

Die Firma MEGGLE hatte sich erst kürzlich besonders für eine Typisierungsaktion des FC Grünthals eingesetzt, weil der Bruder einer Mitarbeiterin dringend einen Stammzellspender gesucht hatte, mittlerweile auch fündig geworden ist. „So hatten wir ein weiteres Mal in diesem Jahr eine starke Verbindung zum Thema Knochenmarkspende und finden es wichtig, unsere Mitarbeiter bei ihren Vorhaben, sich typisieren zu lassen, zu unterstützen oder gegebenenfalls sogar für den Zeitraum der Stammzellenentnahme freizustellen“, betonte Doris Kollmannsberger.

„Nur durch die Möglichkeit der Freistellung durch einen Arbeitgeber ist es möglich, dass aus registrierten Freiwilligen auch echte Lebensretter werden können“, bemerkte Christina Neumann von der DKMS. Nicht jeder Arbeitgeber reagiere so selbstverständlich auf eine Freistellung eines Mitarbeiters für einen oder mehrere Tage, wenn derjenige zu einer Klinik zwecks der Stammzellspende müsse. „Dafür danken wir der Firma MEGGLE sehr und mein persönlicher Besuch soll verdeutlichen, dass die DKMS dies zu schätzen weiß“, so Neumann.

Auf die Frage, ob sie selbst stolz, glücklich oder froh sei, zur Lebensretterin geworden zu sein, antwortete Andrea Jurochnik fast beschämt: „Mir ist es fast unangenehm, dass so ein Hype ausgelöst wurde, nur weil ich Stammzellen gespendet habe“. Sie sei vor allem erleichtert, jemandem sehr wahrscheinlich das Leben gerettet zu haben. „Wir von der DKMS sind sehr stolz auf Sie“, betonte Neumann.

Andrea Jurochnik ist 22 Jahre alt, geht gerne schwimmen und unternimmt in ihrer Freizeit viel mit Freunden. Außerdem ist sie Mitglied der Wasserwacht.

Im Bekanntenkreis kam ihre Entscheidung, Stammzellen zu spenden, unterschiedlich an. „Manche finden das alles doch sehr anonym und suspekt“, so Jurochnik. „Genau deshalb ist weitere Aufklärung wichtig, denn viele Menschen haben noch Scheu, sich registrieren zu lassen, weil sie beispielsweise glauben, es würde am Rückenmark etwas entnommen werden, doch das ist absoluter Quatsch, es wird Knochenmark entnommen, entweder über eine Entnahme am Beckenkamm (operativer kurzer Eingriff unter Vollnarkose) oder aber – wie auch im Fall von Andrea Jurochnik, eine Periphere Stammzellentnahme (die häufigste Spendenmöglichkeit)“, erläutert die Vertreterin der DKMS vor Ort.

Sie hoffe, dass auch zukünftig Arbeitgeber ihren Mitarbeitern jegliche Unterstützung gewähren, beispielsweise durch tageweise Freistellung, und auch weiter viele Menschen zu Typisierungen kommen werden. „Damit unser Anspruch wahr wird, dass jeder Patient seinen passenden Spender bekommen kann“, so Neumann. Aktuell erhalten vier von fünf Patienten den für sich passenden Spender.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser