Schlagabtausch zwischen Bürgermeister-Kandidaten 

Klimanotstand bis Altstadt-Verkehr: Podiumsdiskussion mit heißen Themen

Die Bürgermeisterkandidaten auf dem Podium von links nach rechts: Christian Stadler (Gründe), Michael Kölbl (SPD) und Heike Maas (CSU). 
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Die Bürgermeisterkandidaten auf dem Podium von links nach rechts: Christian Stadler (Gründe), Michael Kölbl (SPD) und Heike Maas (CSU). 

Wasserburg - Drei Kandidaten sind bei der Kommunalwahl im Rennen um den Bürgermeister-Posten in der Innstadt. Bei der Podiumsdiskussion am Mittwochabend duellierten sich die beiden Herausforderer Heike Maas und Christian Stadler mit Amtsinhaber Michael Kölbl.

Der Saal im Pfarrzentrum in der Färbergasse platzte aus allen Nähten. Rund 300 Bürger zeigten großes Interesse am Schlagabtausch zwischen Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) und seinen Gegenkandidaten Heike Maas (CSU) und Christian Stadler (Grüne) zu ihren politischen Zielen und Visionen für Wasserburg. 


Fast drei Stunden dauerte die von der Gemeinwohl-Ökonomie, Regionalgruppe Wasserburg, und vom Aktionsbündnis "Rio konkret" organisierte und von OVB-Redakteurin Heike Duczek moderierte Veranstaltung.  

Die Inhalte am Mittwochabend des 4. März waren bunt gemischt. wasserburg24.de fasst die Kernaussagen der Kandidaten zu den zentralen Diskussions-Themen zusammen:


Rund 300 Bürger fanden sich im Saal des Pfarrzentrums in der Färbergasse ein. 

Klimanotstand, CO2-Ausstoß und Nachhaltigkeit

Michael Kölbl: "Mit der Ausrufung des Klimanotstands betrachtet der Rat seither bei jedem Beschluss den Punkt 'Auswirkungen auf den Klimaschutz'. Wasserburg tut viel für das Klima, darunter stand und steht der Bau des Nahwärme-Netzes, die Umrüstung der Beleuchtung auf LED und die Einführung von E-Autos und -Rädern. Bei der Einführung des Halbstundentakts mussten wir abwägen zwischen dem Ausstoß der Diesel-Busse und der Reduzierung des Individualverkehrs. Zudem sind die Busse mit dem besten Energiestandard ausgestattet und ein flexibles Aussteigen aus dem Vertrag ist für uns möglich. Ich bin außerdem als Mensch auf dem Boden der Bescheidenheit geblieben und stehe hinter dem Grundgedanken 'Lieber einmal gescheit kaufen und reparieren als heute dies und morgen das nächste Trumm kaufen'." 

Heike Maas: "Selbstverständlich ist mir eine intakte Umwelt wichtig - als Mama möchte ich, dass meine Enkel im Grünen aufwachsen. Ich bin aber kein Freund des Begriffs 'Notstand' - dieser ist fatal und fehl am Platz. Vielmehr sehe ich den Einzelnen in der Pflicht: Jeder Bürger sollte seinen persönlichen Beitrag zum Klimaschutz beitragen und wir müssen auf die jeweiligen Befindlichkeiten der Menschen eingehen. Weniger Verbote, mehr Angebot und Anreize - das ist mein Ziel. Darüber hinaus möchte ich eine Wasserburg-App ins Leben rufen, als Austausch für alle Bürger." 

Heike Maas ist die Bürgermeister-Kandidatin der CSU Wasserburg. 

Christian Stadler: "Ich habe seit zehn Jahren kein Auto mehr, fahre Radl oder gehe zu Fuß. Ein Verzicht kann gleichzeitig ein Zugewinn sein. Mir passiert in der Verwaltung allerdings zu wenig. Gerade bei der Sanierung städtischer Gebäude sehe ich Potential: Neben bezahlbaren Mieten müssen wir auch für bezahlbare Nebenkosten sorgen. Zudem müssen Klimaschutz und Denkmalschutz Hand in Hand gehen. Ich möchte freilich nicht, dass die Stadt zugepflastert wird mit Photovoltaik-Anlagen. Wir müssen uns hier an Auflagen halten, die vereinbar sind mit den Vorgaben des Denkmalschutzes und sich in die Umgebung einfügen. Wir Grüne haben dem Klimanotstand zugestimmt weil es darum geht, dass endlich Etwas voran geht. Wenn wir uns im Stadtrat nur über Begrifflichkeiten unterhalten, kommen wir nicht weiter. Seit Jahren gibt es Klimaschutz-Beschlüsse und passiert ist nichts. "

DK1-Deponie Odelsham

Michael Kölbl: "Auch wenn das Planfeststellungsverfahren zur DK1-Deponie in Odelsham derzeit schläft, sobald es erwacht vertritt die Stadt weiterhin ihren seit Jahren Standpunkt, dass wir einen Deponie-Standort vor den Toren Wasserburgs ablehnen." 

Heike Maas: "Auch die CSU lehnt eine Deponie ab." 

Christian Stadler: "Als Gründungsmitglied der Bürgerinitiative Wasserburger Land sollte klar sein, dass ich dagegen bin. Antragsteller Zosseder verzögert das Verfahren seit Jahren und das zeigt uns, dass ein Bedarf so dringend nicht sein kann. Ich denke wir arbeiten hier parteiübergreifend gegen die Deponie." 

Christian Stadler, Bürgermeister-Kandidat der Grünen (links) neben Amtsinhaber Michael Kölbl. 

Verkehrsberuhigung in der Altstadt 

Michael Kölbl: "Ich ringe seit Jahren um eine gute Lösung in der Altstadt als Zentrum Wasserburgs. Die Frage ist: Wollen wir Citiybuilding oder eine Schlafstadt? Mein Ziel ist eine lebendige Altstadt, die sowohl Wohnen als auch Einkaufen vereint. Die Verkehrszählung hat ans Licht gebracht, dass das Problem in der Hofstatt überwiegend samstags vorhanden ist - hier müssen wir mit einem neuem Konzept ansetzen. Ein absolutes Halteverbot geht nicht, da dieses für alle gelten würde - auch für Einzelhändler und Anwohner. Auch die Verkehrsüberwachung ist mehr gefordert - nur leider lässt sich das Lauffeuer der Falschparker, die in den umliegenden Cafés sitzen und furt sind noch bevor die Dame einen Strafzettel heften kann, nicht unterbinden."

Heike Maas: "Alle, die ich rund um die Hofstatt gefragt habe, baten mich um keine Änderung. Davon wären auch die Kunden betroffen. Mein Vorschlag wäre eine anliegerfreie Regelung am Wochenende und werktags alles beim Alten zu belassen. Zudem könnte man auch Überlegungen tätigen, die Schüler außerhalb der Altstadt aus den Schulbussen steigen zu lassen - das würde ihnen nicht schaden. Die Busse verstopfen täglich das Brucktor und die engen Straßen auf der Insel." 

Christian Stadler: "Kommt das Thema Verkehrsberuhigung auf den Tisch ist das in jeder Kommune so, dass der Einzelhandel erstmal gegen Sperrungen ist. Ich toleriere die Blockierung gewisser Verbände nicht mehr länger. Nicht jedes Konzept darf gleich kaputt geredet würde. Ich wäre für diese Pfostenlösung gewesen, die aber sofort gekippt wurde. Parkende Autos sind ein Störfaktor und mindern Aufenthaltsqualität. In meinen Augen kann man die Hofstatt übrigens nicht mit einer Wohnsiedlung vergleichen, dafür gibt es zu viele rücksichtslose und Ich-bezogene Autofahrer. Wenn ich abends vom Central in Richtung Brucktor gehe, zähle ich bis zu 30 Falschparker - das grenzt an rechtsfreien Raum. Leider benötigt der Parkautomat, der einer Schranke in den Parkhäusern vorgezogen wurde, zusätzlich Überwachungspersonal." 

Altstadtbahn und mögliche Alternativen für die Trasse

Christian Stadler: "Ich stehe für die Reaktivierung, aber sie muss mit Verstand passieren. Das Problem: Jeder Umstieg und jede Warteminute bringt die Leute wieder einen Schritt näher zum Auto. Die Umrüstung der Trasse beispielsweise zu einem Fahrradweg würde rund fünf Millionen Euro kosten - so eine Lösung halte ich für vier Kilometer nicht effektiv." 

Michael Kölbl: "Die Möglichkeit eines Radwegs wurde schon einmal untersucht und abgelehnt. Dass der Streit um die Reaktivierung nun vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig liegt ist dem Konsortium zu verdanken, die die damals im Stadtrat demokratisch gefällte Entscheidung der Stilllegung nicht akzeptieren können. Im Umkehrschluss frage ich mich schon, wenn ein Radweg schon fünf Millionen Euro kosten würde, von welchen Summen sprechen wir dann für die Altstadtbahn?" 

Bürgermeister Michael Kölbl neben Heike Duczek, die die Podiumsdiskussion moderierte. 

Heike Maas: "Ich fände es als Altstadtbewohnerin wunderschön, wenn ich von Wasserburg bis München fahren könnte mit der Bahn. Ich komme aber leider zu dem Schluss, dass eine Reaktivierung weder sinnvoll noch lohnend ist. Bis auf die Altstadtbewohner müssten alle mit Bus oder Auto zur Bahn in die Stadt kommen - oder sie fahren gleich nach Reitmehring. Was man jedoch aus der Trasse in Zukunft machen könnte, für diese Diskussion bin ich offen, denn es ist ein wunderbarer Weg von Reitmehring am Inn entlang in die Altstadt." 

Wohnen 

Michael Kölbl: "Wir wollen sozialen Wohnungsbau. Für eine künftige Entwicklung eignen sich nach dem Umzug des Feuerwehr-Hauses das Gelände neben dem ehemaligen Schlachthaus und das Essigfabrik-Gelände am Inndamm. Auch Nachverdichtungen werden unterstützt." 

Heike Maas: "Ich sehe die Zukunft im Generationenwohnen mit Jung und Alt, die sich gegenseitig unterstützen."  

Christian Stadler: "Wir müssen auch an die Leerstände denken - hier können wir neben sozialen Mieten, Einheimischen-Modelle und Nachverdichtungen viel bewegen. Ich sehe zum Beispiel das Krankenhaus-Bettenhaus nicht nur als Schwesternheim sondern auch zum Ausbau für Ein-Zimmer-Appartments." 

Abschlussrunde

In der Schlussrunde wurden die Kandidaten gebeten, auf die Frage zu antworten: "Was tun Sie als Erstes, wenn Sie Bürgermeister werden?"

Christian Stadler: "Meinen Amtseid ablegen."

Heike Maas: "Feiern - und zwar mit euch allen zusammen."

Michael Kölbl: "Auch zuerst feiern. Den Amtseid muss ich nicht mehr ablegen weil ich schon im Amt bin und deshalb habe ich gleich Zeit die konstituierende Sitzung vorzubereiten."

mb

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