Artikelserie: Polizei im Altlandkreis

Polizei Wasserburg: Schönfärberei im Personalkarussell?

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Ein altes Gebäude und eine zu klein wirkende Mannschaft an Einsatzkräfte bei der PI in Wasserburg. Vielen Bürgern stoßt es sauer auf.
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Wasserburg - Reichen die Beamten der Polizei Wasserburg aus oder gibt es aufgrund der mehr werdenden Aufgaben endlich eine bleibende und spürbare Aufstockung an zusätzlichen Beamten? Im März 2016 kommen zwei zusätzliche Kräfte, Anfang 2017 gehen allerdings zwei. Nullrunde also?

„Ach, das gibt es in vielen Branchen“, meint ein älterer Herr, der gerade an der Polizeiinspektion in Wasserburg vorbeispaziert. Er lächelt und sagt süffisant „wenn es noch mehr Beamte werden würden, wo sollten denn dann noch weitere Autos hin“. Er spielt auf die Parksituation an, die am alten Standort der PI Wasserburg nicht unbedingt glücklich zu sein scheint. Sogar in der Tiefgarage wird es eher eng für die Einsatzwägen. „Wenn die Herausforderungen wachsen und die Arbeit definitiv nicht weniger wird, sollte es üblicherweise eine Aufstockung beim Personal geben“, finden einige Wasserburger Bürger, die sich in die Diskussion einmischen. Die Rede ist von der Polizei Wasserburg. Aktuell arbeiten hier 39 Beamte in einem Mehrschichtbetrieb. Dazu gehören jedoch auch Teilzeitkräfte. Nicht nur die Stadt Wasserburg gehört zum Verantwortungsgebiet der PI Wasserburg, das Umland fasst weitere Kommunen.

Insgesamt 12 Gemeinden inklusive der Wasserburger City zählen dazu. Ein Einzugsgebiet, das denen der PIs Prien sowie Miesbach ähnelt. In Prien arbeiten 42 Beamte.

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Schnell stellt sich die Frage, ob Wasserburg unterbesetzt ist? „Das ist kein großes Geheimnis, das ist doch schon seit Jahren so“, wettert ein Familienvater, der gerade mit seinen zwei Kindern am Spielplatz in der Wasserburger Altstadt sitzt. Er zeigt sich besorgt, weil die Polizei Wasserburg in kürzester Zeit mit dem gleichen Personalstamm mehr Aufgaben zugetragen bekommen habe – durch die Flüchtlingsaufnahme der Kommunen beispielsweise. „Die Asylbewerber müssen einerseits geschützt werden, schauen wir nur mal auf den Vorfall in Soyen und auf die gemischte Stimmung in Edling, doch andererseits gibt es auch viele Einsätze, die in den Unterkünften durch Auseinandersetzungen unter den dort wohnenden Menschen notwendig werden“, findet der gebürtige Ameranger, der seit drei Jahren im Wasserburger Stadtgebiet wohnt.

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Erst kürzlich kam im Stadtrat Wasserburg die Frage auf, ob das Personal ausreiche für die gewachsenen Herausforderungen. Antworten darauf wirken schwammig und zu keiner Zeit klar und eindeutig.

Viele Einsatzschwerpunkte vorhanden

Die unterschiedlichen Bereiche, in denen die Polizei Wasserburg tätig ist, sind klar erkenntlich. Unfälle auf der B304, der B15, vielen gefährlichen Kreuzungsbereichen und die Tatsache, dass immer mehr Kommunen, die beispielsweise grundsätzlich im Einzugsgebiet der Polizei Haag liegen würden, auch auf die Polizei Wasserburg zugreifen möchten. Nicht zu vergessen die Einsätze in Zusammenhang mit dem kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg.

Das Bezirkskrankenhaus und die Polizei Wasserburg sind in engem Kontakt und arbeiten gut zusammen, wird von vielen Seiten berichtet. Allerdings fordern die Einsätze Personalstärke. Die jedoch wird seit langer Zeit als zu gering eingeschätzt. „Ich vergleiche unsere Polizeiinspektion nicht mit anderen“, betont Inspektionsleiter Markus Steinmaßl gegenüber wasserburg24.de. „Man muss schauen, dass man über die Runden kommt“, so Steinmaßl weiter.

Natürlich gebe es immer den Wunsch nach zusätzlichem Personal. „Meine vorgesetzte Stelle ist hier das Polizeipräsidium, das natürlich die zunehmenden Aufgaben sicher auch auf dem Schirm hat“, heißt es von Steinmaßl.

Innenministerium verkündete Aufstockung der Beamtenstäbe

Im Einzugsgebiet der PI Wasserburg sind aktuell 49 Asylunterkünfte vorhanden, annähernd 700 Asylbewerber leben dort. Dieser neu hinzugekommene Punkt schmälert keineswegs die weiteren, immer schon da gewesenen Aufgaben der Polizei Wasserburg. Die Stärke der Mannschaft jedoch hat sich deshalb nicht erhöht.

Vom Innenministerium kam das positive Signal, mit Personal aufzustocken. Die Meldungen klingen zunächst gut. Die Realität vor Ort klingt ernüchternd: Auch für Wasserburg gibt es im März zwei zusätzliche Kräfte, doch die Aufstockung ist lediglich eine zeitbegrenzte „Aufwertung“ an Einsatzpower. „Ja, wir bekommen zum ersten März 2016 Nachwuchs in unserem Polizeiteam in Wasserburg, allerdings nur auf Zeit“, bestätigt Markus Steinmaßl die Recherchen von wasserburg24.de. Anfang 2017 scheiden altersbedingt zwei Beamte aus dem aktiven Polizeidienst der PI Wasserburg aus. Dann wäre es wieder eine Nullnummer bei der Zuteilung gewesen.

„Es gibt aber dann nochmals Zuteilungstermine und vielleicht bekommen wir dann auch nochmal einen Nachersatz, versprechen kann ich es allerdings nicht“, so Steinmaßl weiter. Immer wieder werden Wünsche nach zusätzlichem Personal laut, auch für Wasserburg.

„Es gibt in sehr vielen Gebieten im Einzug des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd die Wünsche nach weiterem Personal, das ist uns bekannt und wir nehmen dies ernst“, bestätigt Stefan Sonntag. Wichtig sei ihm, dass die Bürger wüssten, dass im Bedarfsfall stets zusätzliche Kräfte von anderen PIs oder direkt aus Rosenheim nachgeordert werden können, die dann bei Einsätzen Unterstützung geben. „Man tauscht sich aus und kann immer aktuell im Verbund auf den operativen Ergänzungsdienst zurückgreifen“, so Sonntag gegenüber wasserburg24.de.

Dies konnte auch Markus Steinmaßl bestätigen. „Das ist wie bei der Feuerwehr, man hilft untereinander aus und arbeitet gut zusammen“, so Steinmaßl. Seit seinem Start als Inspektionsleiter in Wasserburg hat Steinmaßl die Gegebenheiten angenommen und ist stets „guter Hoffnung“. Neues Polizeigebäude, mögliche Aufstockung des Personals, Wasserburg macht in Bezug auf Zukunftswünsche anderen PI’s etwas vor.

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