Schulische Anstrengung in der Forensik

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Dr. med. Stefan Gerl, Maßregelvollzugsleiter, Jan Block Lehrer an der Mittelschule Wasserburg, Dr. Stefan Piehler, kaufmännischer Leiter kbo-Inn-Salzach-Klinikum, Barbara Scheller, Sonderschullehrerin, Barbara Edl-Schmid Dipl. Sozialpädagogin, Jürgen Scheller, Studienrat vom Förderzentrum Wasserburg, Maria Albert, Konrektorin an der Mittelschule, Monika Puttfarcken, Sonderschulrektorin am Förderzentrum. In den Händen die Werkstücke der Absolventen.

Wasserburg – Ein großes Vorhaben ist geglückt. In der Forensischen Psychiatrie des kbo-Inn-Salzach-Klinikums wurden Qualizeugnisse vergeben. Viel Gemeinschaftsarbeit war vorausgesetzt.

Nun ist auch endlich für die Schüler der Forensischen Psychiatrie des kbo-Inn-Salzach-Klinikums, einer Außenklasse des Sonderpädagogischen Förderzentrums Wasserburg, die Schule vorbei. Sie haben ihren Quali „in der Tasche“! Dies wurde am Mittwoch im Rahmen einer Abschlussfeier mit Zeugnisübergabe auch groß gefeiert. Wie jedes Jahr erhalten junge Männer die Möglichkeit im Rahmen ihrer Therapie den Schulabschluss nachzuholen. Hierzu stellt das Förderzentrum einen Lehrer mit einer halben Stelle ab, der mit den Patienten in einem knappen Schuljahr die Grundlagen für die Qualiprüfung erarbeitet. Das ist nicht ganz einfach, da viele ihre Schullaufbahn bereits nach der 7. Klasse beendet haben. „Natürlich fehlt uns Herr Scheller am Förderzentrum, aber diese Arbeit ist enorm wichtig und deshalb wollen wir, wann immer möglich, diesen Unterricht ermöglichen“, so die Leiterin des Förderzentrums, Monika Puttfarcken. Der Unterricht ist harte, freiwillige und zusätzliche Arbeit für die jungen Männer, die neben dem Fächerkanon auch die Erweiterung bzw. Festigung der sozialen Kompetenzen zum Inhalt hat. Neben viel Durchhaltevermögen, Einsatz und auch Disziplin werden Kritikfähigkeit, Rücksichtnahme, Toleranz und auch Teamfähigkeit gefördert. Dass das nichts für sie ist, bemerkten einige schon recht bald, als es an die Hausaufgaben oder das Üben ging, andere erst im Verlauf des Schuljahres. Und so haben dieses Jahr von 9 Beginnern lediglich 5 bis zum Schluss durchgehalten. Ganz regulär wurden die Prüfungen von Lehrern der Mittelschule abgehalten, die eigens zu den Terminen in die Forensische Psychiatrie kommen mussten, da ja die Patienten diese nicht verlassen durften. Ganz selbstverständlich, „weil es uns ein Anliegen ist, diesen jungen Leuten eine Chance zu geben“, so Franz Stein, Leiter der Mittelschule Wasserburg, werden die Kollegen für diese zusätzlichen Termine freigestellt. Schade, dass dieses Jahr nur so wenige durchgehalten haben und dann nur drei Patienten den Abschluss geschafft haben, diese dafür aber mit sehr guten Ergebnissen, einer sogar mit 1,8 als Notendurchschnitt. Darauf dürfen sie stolz sein. Alle Beteiligten dieser außergewöhnlichen Zusammenarbeit, medizinische Leitung, sozialpädagogischer Dienst, alle beteiligten Stationen, sowie die beiden Schulen zeigen hier eindrucksvoll, dass dieses in Bayern so einmalige Unterrichtsmodell über alle bürokratischen Hindernisse hinweg funktioniert. Bleibt nur zu hoffen, dass auch in Zukunft ein tragfähiges Konzept gefunden werden kann, um den Patienten auch weiterhin diese Chance zu bieten. Mit dem Abschluss in der Tasche werden die drei nach dem Ende der Therapie einen beruflichen Neuanfang beginnen, für den sie nun ja gute Voraussetzungen haben. Nun wird gehofft, dass es Arbeitgeber gibt, die diesem Wunsch auf einen Neustart eine Chance geben und sie einstellen.

Pressemitteilung kbo-Inn-Salzach-Klinikum / Regina Mittermair

Quelle: rosenheim24.de

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