Goldenes Buch: Die besonderen Seiten der Stadt

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Immer wieder gern verewigt: Die Basketballdamen des TSV Wasserburg im Goldenen Buch
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Wasserburg – Mit dem Stadtoberhaupt im Goldenen Buch blättern. Ein schöner Zeitvertreib, der so manche Überraschung mit sich bringt. Wer steht alles drin und warum wurden einige Seiten herausgerissen?

Bürgermeister Michael Kölbl erklärt die „besonderen Seiten“ der Stadt Wasserburg. Bereits seit 1930 existiert dieses Buch, schon seit Ewigkeiten tragen sich besondere Gäste und auch besondere Bürger darin ein. Es ist ein ganz besonderer Schatz, den das Stadtoberhaupt hier in Händen hält und der eine spezielle Sammlung darstellt. „Hier drin haben sich auch unsere Ehrenbürger der Stadt eingetragen und jeder Eintrag hat eine ganz persönliche Widmung und Unterschrift, das macht das Goldene Buch der Stadt Wasserburg zu etwas Einzigartigem“, betont Michael Kölbl.

Im Goldenen Buch der Stadt blättern

Nicht jedes Jahr gab und gibt es neue Einträge, mal mehr, mal weniger. Eines bleibt gleich: Alle sind auf ihre Art und Weise besonders. Die Seiten wurden beschrieben und mit Fotos versehen, ein stattlicher Schinken, der nicht für Jeden oder Jede geöffnet wird. „In den vergangenen Jahren hatten wir oft Besuch von Staatsministern, was uns natürlich sehr freut“, erklärt Michael Kölbl. Doch man habe es sich zum Vorsatz gemacht, lediglich noch die Bundesminister ins Goldene Buch eintragen zu lassen, weil es definitiv eine besondere Ehre für die Stadt sei.

Zahlreiche Politiker durften sich verewigen, ein „Nachbar aus Rott“ beispielsweise lächelt dem Betrachter entgegen: Der damalige bayrische Ministerpräsident Franz Josef Strauß trug sich ins Goldene Buch der Stadt Wasserburg im Jahr 1988 ein, genauer gesagt seit dem 15. Juli 1988 ziert er eine Seite. Mit einer persönlichen Widmung: „Ein herzliches Glückauf der Stadt Wasserburg“.

Auch der Papst ist drin

Im Zuge der Firmung im Jahr 1981 kam der damalige Kardinal Joseph Ratzinger in die Innstadt. Er war derjenige, der den Firmlingen aus Wasserburg am 18./19. Juli 1981 dieses Sakrament spendete und der sich dann auch gerne ins Goldene Buch eintrug. „Man könnte fast sagen, dass der ehemalige Papst Benedikt einer der berühmtestes Einträge unseres Goldenen Buches ist“, heißt es vom Rathauschef. Weitere Seiten wurden durch Künstler, Musiker, Prominente, Politiker und Sportler beschrieben. Beispielsweise der verstorbene Ehrenbürger Lukas Maier, der zum 90. Geburtstag für seine Lebensleistung Ehrenbürger der Stadt wurde. Hans Werner Sinn beim Maiempfang des Landkreises. Die frühere Justizministerin Zypries, der 2008 amtierende Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, Publizist Alfred Grosser trug sich 2007 ein, der Bundesvorstand der Johanniter, die frühere Bundesfamilienministerin Renate Schmidt, der frühere Stadtpfarrer Ludwig Bauer, der ebenfalls Ehrenbürger der Stadt Wasserburg war, eine Delegation brasilianischer Regierungsmitglieder (im Jahr 1995), Bundesjustizminister Engelhard, Landtagspräsident Leibl, und viele weitere Gäste der Stadt trugen sich ein. Anlässlich der 850 Jahr-Feier der Stadt Wasserburg Ministerpräsident Strauß, Ehrenbürger Anderl Reiser.

Die Liste der interessanten Einträge füllt sich weiter, nicht nur Personen, auch besondere Situationen sind vertreten, beispielsweise die Freigabe der Umgehung oder die wichtige Hochwasserschutz-Freilegung.

Region stark vertreten – immer wieder

Es gleicht einer großen Bildergeschichte und in einem Fall einer wünschenswerten „unendlichen Geschichte“. Die erfolgreiche Damen-Basketballmannschaft des TSV Wasserburg ist besonders oft vertreten im Goldenen Buch. Bereits als Vizemeister im Jahr 2003 wurden sie ins Rathaus geladen um hier Zeichen zu setzen, die Erfolge wurden mehr, die Spielerinnen veränderten sich, das Team wuchs und bewegt sich seit langer Zeit auf der Spitze des Erfolges. Pflichtprogramm nach jedem Erfolgsjahr auch die Eintragung ins Goldene Buch. Die Spielerinnen und der Betreuerstab scheinen nicht nur Gefallen daran gefunden zu haben, sondern betrachten diese Verpflichtung tatsächlich als besondere Ehre.

Zwei Seiten fehlen, doch warum?

Das Goldene Buch hat seine eigene Geschichte. Die Eintragungen wurden seit der Amtszeit von Bürgermeister Michael Kölbl besonders künstlerisch verziert. „Mein Schwiegervater ist Kunsterzieher gewesen und hat uns die Nennungen der Einträge und die Überschriften immer besonders kunstvoll ins Goldene Buch geschrieben“ erklärt Kölbl.

Mittlerweile sei dieser jedoch erblindet und könne es leider nicht mehr machen, doch man habe sich mit dem Lehrerkollegium des Gymnasiums bereits in Verbindung gesetzt und werde auch zukünftig die Nennungen sehr akkurat und kunstvoll niederbringen.

Die drei Ehrenbürger der Stadt schmücken das Goldene Buch ebenso wie Spitzensportler und Prominente. „Es freut uns sehr, dass sich Herr Toni Meggle, Herr Ulrich Bauer und mein Vorgänger, Herr Dr. Martin Geiger in das Goldene Buch eingetragen haben“, zeigt sich Michael Kölbl angetan von den drei Ehrenbürgern der Stadt Wasserburg. „Die Ehrenbürgerschaft gilt in Wasserburg nur zu Lebzeiten“, so das Stadtoberhaupt weiter. Es scheint eine ganz besondere „Erklärung“ zu sein, die Michael Kölbl deutlich betont. Wohl aus gutem Grund, der bereits ganz vorne im Goldenen Buch ersichtlich wird.

Denn: Es fehlen zwei Seiten darin. „Der erste Nachkriegsbürgermeister Josef Estermann hat einige Seiten herausgeschnitten aus diesem Buch“, berichtet Michael Kölbl. Der Rathauschef liest die Zeilen vor, die darin handschriftlich geschrieben wurden und zeigen, dass hier Einträge aus dem dritten Reich nichts in Wasserburg zu suchen haben. Zwei Blätter wurden vom damaligen Kommunist Josef Estermann entfernt, ein besonderes früheres Tun, das zeigt, was der Zeit geschuldet war.

Die Geschichte Deutschlands lässt sich nicht verändern oder gar verbessern, wohl aber die Gegenwart und die Zukunft. Mit jeder neu beschriebenen Seite füllt sich das Goldene Buch mit vielen schönen Begegnungen. Eine Erinnerung an besonderen Besuch in den vergangenen Jahrzehnten und eine schöne Geste der Bewunderung für herausragende Bürger oder zukünftige Gäste, die sich darin verewigen und der Stadt zeigen, dass sie gerne hier gewesen sind oder gerne „Wasserburger“ sind. Ein Schatz, auf den der Rathauschef stolz sein kann und auf den Wasserburg glücklich blicken darf.

Quelle: rosenheim24.de

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