In Wasserburg verbreitet

Schichtdienst ist ein empfindliches Thema

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Schichtdienst in Kliniken und weiteren Unternehmen gehören in Wasserburg oft dazu
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Wasserburg - Schichtdienst ist in Wasserburg weit verbreitet. Sei es bei großen Molkereien oder der Polizei, auch bei den Krankenhaus-Standorten in der Innstadt hat man einen Betrieb rund um die Uhr.

Tausende Mitarbeiter in Wasserburger Unternehmen und Einrichtungen sind betroffen - sie arbeiten im Schichtdienst.

Wie läuft der Betrieb zu unterschiedlichen Zeiten? Gibt es Maßnahmen durch die Arbeitgeber, die es für Mitarbeiter einfacher machen, die damit verbundenen Anstrengungen gut zu schaffen?

Wie sensibel die einzelnen Personalleiter auf Anfragen jedoch reagieren, ist erstaunlich. Viele fühlen sich dem Thema hilflos ausgesetzt. Zum echten Geheimnis wurde es von einem großen Arbeitgeber in Wasserburg gemacht. Es könne nichts darüber gesagt werden, weil man in ständigem Austausch mit den Mitarbeitern sei, außerdem sogar in Gesprächen mit der Gewerkschaft stehe.

Der Schichtdienst sei grundsätzlich Dauerthema heißt es von Gewerkschaftsseite. Keine ausreichende Prävention zugunsten der Gesundheit könne vielerorts erkannt werden. Zudem seien die Ausgleichszahlungen nicht akzeptabel. Ein im Raum stehender Streitpunkt entstehe in Bezug auf die Schichtarbeit, bemerken Viele.

Transparenz gefragt

Wie die betroffenen Unternehmen mit der vorhandenen Situation umgehen, wird also oft verschwiegen. Verwaltungsleiter Tobias Forstner vom Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg zeigt sich völlig offen beim Thema Schichtdienst.

Es gehöre zum Klinikalltag und dürfe nicht unterschätzt werden: „Das Thema ist natürlich ein Bereich, der uns in unserer ständigen Arbeit im Krankenhaus begleitet und von der Personalrekrutierung, Personalbetreuung bis zur Fluktuation eine größere Rolle spielt. Als Fachkrankenhaus und Kompetenzzentrum in der Region haben wir eine ständige Erreichbarkeit an 24 Stunden und 365 Tagen zu gewährleisten“. Dies stelle die gesamte Organisation aber vor allem die Beschäftigten immer wieder vor besondere Herausforderungen, so Forstner weiter.

Aber auch haftungsrechtlich dürfe dieses Thema nicht unterschätzt werden, da beim Inn-Salzach-Klinikum im Gegensatz zu anderen (psychosomatischen) Kliniken eine Aufnahmebereitschaft rund um die Uhr vorhalten müsse und dafür auch qualifiziertes Personal benötigt werde.

Mehr als die Hälfte ist betroffen

„Etwa 60% Prozent unserer Belegschaft arbeitet im Wechselschicht-/Schichtdienst und ist diesen enormen Belastungen eines wechselnden Arbeitsbeginns ausgesetzt. Neben den  unregelmäßigen Schlafenszeiten, nicht planbaren Freizeitaktivitäten sind mittlerweile auch die körperlichen und psychischen Belastungssituationen im Schichtdienst nicht zu unterschätzen“.

Im Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg wird offen über dieses Thema gesprochen

Der Verwaltungsleiter erklärt, dass der Schweregrad der Erkrankungen der Patienten ständig zunehme, gleichzeitig steige auch die Anforderung bezüglich Behandlungsstandards und Dokumentation. Die Mitarbeiter hätten zunehmend mit besonderen Aufgaben zu tun. 

Weiter heißt es aus dem Verwaltungsgebäude, dass zu berücksichtigen sei, dass im Gesundheitswesen der Frauenanteil dominiere und diese Kräfte neben dem Beruf auch Haushalt und Familie organisieren müssten. Diese Mehrfachbelastung führe zunehmend zu krankheitsbedingten Ausfällen oder frühzeitigen Berentungen. Aber auch die Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 Jahren auf 67 Jahre trage oft dazu bei, dass gerade Frauen meist vorzeitig erwerbsunfähig würden und/oder aber mit Abschlägen in Rente gingen. Prävention vermeidet Beschwerden

Völlig unterschiedlich vertragen Mitarbeiter das Arbeiten im Schichtdienst

Tobias Forstner erklärt: „Diese Problembereiche werden ständig analysiert (z.B. gibt es Analysen zur Fluktuation, Ausfallquote, Sozialberatung etc.) und mittels Präventivmaßnahmen gegengesteuert. Hier ist vor allem das gute Betriebsklima, Teambildung und die multiprofessionelle Zusammenarbeit zu nennen. Als Arbeitgeber haben wir für unsere Mitarbeiter einen eigenen Fitnessraum eingerichtet, bieten zahlreiche Sportmöglichkeiten  an bzw. führen regelmäßig Betriebsveranstaltungen durch“.

Im Bereich des Gesundheitsmanagements gebe es interne Seminare für Entspannungsverfahren, Zeitmanagement, Raucherentwöhnung, Wirbelsäulentraining oder gesundheitsbewusster Ernährung.

Viele kommen gut zurecht

Bei den Mitarbeitern rumgefragt, bestätigt sich diese Aussage der Verwaltungsleitung. Ein Krankenpfleger, der schon lange Jahre im Bezirksklinikum arbeitet, beschreibt ein funktionierendes System: „Die Klinikleitung denkt sehr Personalbezogen. Durch gezielte Maßnahmen und verschiedene Möglichkeiten können wir Mitarbeiter den Schichtbetrieb gut organisieren. Für mich als Familienvater ist es ohne Probleme möglich, mich mit den Arbeitszeiten zu arrangieren und persönlich auf meine Gesundheit zu achten. Es ist nur bedingt belastend, wenn man sich selbst einen guten Plan aufstellt“, heißt es vom Schichtdienst-betroffenen Pfleger. Er fühle sich gut versorgt, die Präventionsangebote könnten sich sehen lassen. Dadurch sei es dem eigenen Körper möglich, die besonderen Arbeitszeiten besser aus zu halten. „Einige meiner Kollegen schaffen es allerdings nicht so gut, sich mit den ungleichen Schichten anzufreunden. Jeder Mensch reagiert anders auf diese Reize und Anforderungen“ gibt die Pflegekraft zu bedenken. Doch von Seiten der Klinikleitung werde viel dafür getan, dass die Arbeitszeiten das eigene Wohlbefinden nicht extrem belasten.

Verwaltungsleiter Tobias Forstner erzählt, dass selbstverständlich auch ein individuelles betriebliches Eingliederungsmanagement für Langzeitkranke betrieben werde. „Weiterhin versuchen wir durch familienfreundliche Arbeitszeiten, Dienstplangestaltung und flexibler Arbeitszeitkonten den Mitarbeitern auch Gestaltungsmöglichkeiten bzw. Freiräume zu geben. Im kbo-Führungsverständis ist verankert, dass auch die Aspekte der Gesundheit und Familie Berücksichtigung finden“.

Für den Körper nicht ideal

Ein Allgemeinarzt aus Wasserburg bestätigt, dass Schichtarbeit nicht ideal für das Gleichgewicht des Körpers ist. Die unterschiedlichen Zeiten lassen keine Einstellung der inneren Uhr zu, es könne kein Rhythmus entstehen. Der eigene Körper brauche zuverlässige Punkte, die den 24-Stunden Normalität verschaffe. Wichtig sei in jedem Fall, dass die Privatzeit positiv genutzt werde, um der Gesundheit gutes zu tun. Auch der Hausarzt bestätigt, dass jeder Körper unterschiedlich auf bestimmte Reize und Unstetigkeit reagiere, pauschal könne nicht ausgewertet werden, wie schädlich sich Schichtdienst auf die Gesundheit auswirke. Doch die Arbeit zu unregelmäßigen Zeiten und Tagesabschnitten sei als „nicht normal“ anzusehen.

Stetige Erreichbarkeit nicht eingefordert

Die Freizeit sei für die Pflegekräfte wichtig und unantastbar, sind sich die Verantwortlichen aus der Verwaltung im Inn-Salzach-Klinikum einig. Eine ständige Erreichbarkeit per Handy oder Email werde nicht gefordert, so Tobias Forstner.

Zudem werde versucht, durch eine gute und langfristige Urlaubsplanung Verlässlichkeit zu schaffen, Überstunden weitgehend zu vermeiden und die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit einzuhalten. „Durch unsere zahlreichen Arbeitszeitmodell (mehr als 100) können wir die Arbeitszeit auch auf die individuellen Gegebenheiten abstimmen. So haben wir im Krankenhaus eine Teilzeitquote von fast 50% mit freier Einteilung der Tagewoche“.

Das Thema bleibt wichtig, keine Frage. Doch während es die einen sehr transparent halten und sich klar positionieren, wird von vielen anderen Unternehmen der erforderliche Schichtdienst und mögliche Maßnahmen im Raum Wasserburg entweder nur hinter verschlossenen Türen behandelt, oder als sehr umstritten gehandelt.

Viele Wasserburger sind von Arbeitszeiten im Schichtdienst betroffen. Und nehmen es unterschiedlich wahr.

Quelle: rosenheim24.de

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