Dufte Teile zum Frühstück

Immer wieder sonntags

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Auch sonntags duftet es in der Bäckerei nach frischer Ware
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Wasserburg / Altlandkreis - Frische Semmeln, duftende Brezen. Ein tolles Gefühl, den Sonntag mit frischer Bäckerware zu beginnen. Sonntags ist Bäckertag. Doch das war nicht immer so.

Sonntags, 7.30 Uhr. Stefanie schließt die Türe der Bäckerei auf. Ein gewohntes Bild ist zu sehen: Eine lange Menschenschlange  wartet bereits, dass der Verkauf losgeht.

Frische Semmeln in verschiedener Ausführung, egal ob mit Vollkorn oder klassisch. Brezen und natürlich auch Gebäck. Alles ist knusprig gebacken und teils sogar noch warm. Die Auswahl an Brot hingegen ist auf lediglich wenige Sorten beschränkt. Kleinware werde am Sonntag lieber gekauft, heißt es.

Der Verkauf beginnt. Immer wieder gerne sei sie sonntags im Dienst, erklärt die junge Verkäuferin: „Es gibt in den drei Stunden so viel zu tun, und die Leute sind ganz heiß auf die frischen Sachen“. Sonntags ist ein wahrer Segen für die Bäckereien entstanden, seit vor 15 Jahren die Regelung getroffen wurde, die Öffnung an Sonn- und Feiertagen für hiesige Bäckereien zu erlauben.

Gesellschaft fordert Frischware ein

Sei es mit Freunden, oder der Großfamilie. Das Frühstücks-Ritual ist und bleibt am Sonntag eines der wichtigsten für uns Bayern. Umso schöner, es mit noch warmen Semmeln zu beginnen.

Nicht mehr wegzudenken sind die Öffnungsstunden der Bäckereien am Sonntag. Im Altlandkreis Wasserburg wird die Einkaufsmöglichkeit frisch gebackener Teiglinge gerne genutzt.

Seit nunmehr 15 Jahren haben die Bäckereien die Erlaubnis, sonntags für 3 Stunden den Laden zu öffnen. Eine Ausnahmeregelung - denn generell sieht das bayerische Ladenschlussgesetz keine Öffnung von Geschäften am Sonntag vor.

Kunden lieben Sonntags-Semmeln

Für Lisa Kern ist es ein besonderes Glücksgefühl, am Sonntag zum Bäcker zu laufen, um mit einer Tüte noch warmer Semmeln nach Hause zu kommen: „Der Start in den Tag ist für uns am Sonntag oder auch an Feiertagen besonders wichtig“, erzählt die Mutter von zwei Kindern. „Unter der Woche haben wir kaum Zeit, uns gemeinsam schon morgens an den Tisch zu setzen. Da muss alles schnell gehen und es wird kurz ein Müsli gegessen“. Wirklich Spaß mache es in der hektischen Zeit nicht, so Frau Kern weiter. Auch der Gang zum Bäcker wäre an Werktagen gar nicht eingeplant, weil Toast oder Brot auf Vorrat da sei.

Umso mehr freue sich die ganze Familie, am Sonntag in aller Ruhe gemeinsam zu frühstücken. „Jeder hat seine Aufgabe, der eine deckt den Tisch oder macht frischen Kaffee und Frühstückseier. Und ich melde mich freiwillig, um zum Bäcker zu gehen. Der Duft von frisch Gebackenem ist einfach toll“, lächelt Lisa Kern abschließend. Dann ist sie auch schon an der Reihe, jetzt heißt es, für jedes Familienmitglied das richtige aussuchen.

Noch ein bisschen warten bis er dran ist muss Mario. Er wohnt in der Altstadt von Wasserburg und trottet mit seinem Hund an. Noch etwas zerzaust peilt er den Eingang der Bäckerei an. Auf die Frage, was das Besondere daran sei, sonntags zum Bäcker zu gehen, wirkt er verlegen: „Meine Freundin schläft noch, ich werde sie mit einem tollen Frühstück am Bett überraschen“. Kurzerhand drückt er mir seinen Hund samt Leine in die Hand und versucht, sich ein bisserl vorzudrängen. Eilig müsse er nach Hause, die Überraschung wäre sonst futsch, vielleicht sogar die Freundin, bettelt er sich mehreren Leuten voran. Sein Plan hat funktioniert, er nimmt seinen Hund und hechtet mit der Bäckertüte wieder zurück zu seiner Wohnung.

Auch weitere Kunden freuen sich, schnell wieder nach Hause zu kommen. In einem sind sich viele einig: Während an normalen Arbeitstagen das Frühstück oft nicht gemütlich gestaltet werden kann, so wird es sonntags oder auch an den Feiertagen in der Region direkt zelebriert.

Von den Verkäuferinnen hinter der Theke kommen gleichermaßen überzeugte Sätze. Es wäre direkt schön, zu bemerken, dass sich die teils noch ganz verschlafenen Kunden über die frische Ware so freuen.

Und auch aus der Verwaltung einer großen Bäckerei aus dem Landkreis Rosenheim heißt es, dass sich durch die Sonntagsöffnung neue Kunden akquirieren ließen. Viele kämen lediglich sonntags, weil die Bäckerei am Wohnort sonst eher nicht genutzt würde. Übrigens: Backshops ist es grundsätzlich untersagt, am Sonntag zu öffnen. Es muss immer eine Bäckerei als Betreiber ersichtlich sein, heißt es von der Bäcker-Innung Rosenheim.

Und auch weitere Details sind interessant. Manchen Bäckereien sei es nicht lang genug, nur für drei Stunden zu öffnen. Kurzerhand wird aus einer Bäckerei ein beigefügtes Café und schon dürfe länger geöffnet werden. So funktioniert es auch in und um Wasserburg.

Viele Bäckereien haben offen, nur wenige verweigern den Sonntagsverkauf.

Auch Obermeister Hubert Steffl hat die Erfahrung gemacht, dass teilweise sogar kleine Bäckereien das Geschäft und freilich auch den Umsatz durch die Öffnung am Sonntag ankurbeln. Es sei eine Möglichkeit, neue Kunden zu bekommen, die werktags oft gar nicht darauf kämen, beim Bäcker am Wohnort einzukaufen, heißt es von Steffl.

Am Sonntag müsse ein Bäcker nicht wie werktags üblich, bereits um zwei oder drei Uhr in der Backstube stehen, erklärt der Obermeister weiter. Vielmehr werde oftmals am Samstag Teig vorrätig gedreht und die Teiglinge in guten Kühlschränken gelagert. Durch die Ruhe, die der Teig über Nacht erhält, kommt sonntags perfekte Ware in die Regale, zeigt sich Steffl überzeugt: „Das Aroma entfaltet sich nach der stundenlangen Lagerung der ungebackenen Stücke sehr gut. Es wird sonntags hinten in der Backstube dann auch nicht die volle Belegschaft an Bäckern gebraucht, es reicht wenn zwei die vorbereiteten Teiglinge backen und fertiggestellt dem Verkauf überbringen“.

Frühere Gegner milde gestimmt

Ausbeuterische Mehrarbeit, wie es noch vor einigen Jahren von mehreren Seiten hieß, werde übrigens nicht mehr von den selbsternannten Hütern des Ladenschlussgesetzes in den Mund genommen. Man habe gemerkt, dass der Modus der Sonntagsbäckerei funktioniere und die begrenzte Arbeitszeit durch die Ladenöffnung von lediglich drei Stunden als „akzeptabel“ zu vereinbaren sei.

Die Möglichkeit, sonntags beim Bäcker einzukaufen, gehört für viele aus dem Altlandkreis Wasserburg zu einem gelungenen Sonntag.

Die Leute sind verwöhnt. Keine Frage. Was bis vor 15 Jahren noch nicht sein musste, und für viele Bäckereien als „Experiment“ eingeführt wurde, ist nicht mehr wegzudenken.

Quelle: rosenheim24.de

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