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Halfingerin übernimmt: Umschwung bei den Musikern

Wasserburger Stadtkapelle bekommt zum ersten Mal eine Dirigentin

Barbara Bschorr wird die neue Dirigentin der Stadtkapelle Wasserburg.
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Barbara Bschorr wird die neue Dirigentin der Stadtkapelle Wasserburg.

Zum ersten Mal übernimmt eine Frau das Dirigentenamt bei der Stadtkapelle Wasserburg. Das war eine der wichtigsten Neuigkeiten bei der Jahreshauptversammlung. Doch es gibt nicht nur Positives zu berichten.

Von Andreas Burlefinger

Wasserburg – Nachwuchssorgen hat die Stadtkapelle. Allerdings nicht, weil der Nachwuchs Sorgen bereitet, sondern weil es an Nachwuchs mangelt. „Zwei Ausbildungsjahrgänge fehlen uns durch Corona“ sagte Martin Zwiefelhofer als Ausbildungsleiter des Wasserburger Blasorchesters bei der Jahreshauptversammlung. Vereinsvorstand Georg Machl sieht in dieser Tatsache zwar nur „ein kleines Loch“.

Junge Erwachsene müssen bei der Jugend aushelfen

Trotzdem ist die Jugendkapelle mit momentan 36 jungen Musikerinnen und Musikern in einigen Instrumentenregistern nicht mehr ausreichend aufgestellt. Da müssen dann bei Auftritten junge Erwachsene, die eigentlich schon im großen Orchester mitspielen, aushelfen. Wie beispielsweise bei der Jugend-Serenade.“ „Ansonsten gab es nicht viele Möglichkeiten, für die Jugend etwas zu organisieren“ bedauerte Zwiefelhofer. Zweimal konnte kein Schüler- und Jugendkonzert im Rathaussaal stattfinden. Nur unter schwierigsten Bedingungen waren die Prüfungen für die Leistungsabzeichen des Musikbundes möglich.

Lichtblick: 14 neue Schüler in den Bläserklassen

Unterstützt von den Eltern organisierten zwar die Lehrer der Bläserschule zumindest interne Schülerkonzerte im Probenheim der Stadtkapelle und im Pfarrheim von Sankt Jakob. Im Mai gab es wieder einen sogenannten Schnuppertag und für die wenigen Anfänger und die Bläserklassen an der Grundschule konnte ein Ausflug zum Freizeitpark in Oberreith organisiert wer-den. Ein Lichtblick ist nach Aussage von Zwiefelhofer in der Grundschule zu sehen. „14 neue Schüler starten dort mit Schuljahrsbeginn in den Bläserklassen. Insgesamt ist Machl als Erster Vorsitzender des Vereins mit dem zurückliegenden Jahr 2021 jedoch noch einigermaßen zufrieden, „trotz Corona“. „Das Herbstkonzert und die Gedenkfeier der Gebirgsschützen konnte stattfinden. Und mit manchen finanziellen Zuwendungen haben wir das Jahr ohne größere Einnahmen durch Konzerte oder dem Frühlingsfest gut überstanden“ sagte er im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Situation des Vereins.

Kapelle steht hoch im Kurs

Deshalb freute er sich, dass die einmal jährlich notwendige Mitgliederversammlung, wenn auch jahreszeitlich verzögert, stattfinden konnte. „Mit bisher 34 Auftritten im neuen Jahr, die Frühlingsfesteinsätze und das Frühlings-Konzert mitgezählt, sieht die Präsenz des Orchesters schon deutlich besser aus“. „Die Anfrage zur Mitwirkung beim Festzug des Gaufestes in Bad Endorf oder die musikalische Begleitung beim Betriebsausflug der Stadt Wasserburg konnten wir wegen anderer Termine gar nicht mehr annehmen“ sagte Machl nicht ohne Bedauern.

Trotz Spielverbot: Personal ist geblieben

Stolz ist er darauf, dass in der Zeit von März 2020 bis zum März 2022 das musikalische Personal der Stadtkapelle ohne Austritte die Treue gehalten hat. Deshalb schaut er auch positiv und optimistisch in die Zukunft. Über 80 Aktive gehören mit ihrem Instrument derzeit dem großen Orchester der Stadtkapelle an. „Und jetzt gilt es wieder, die eigene Komfortzone zu verlassen und mit der Teilnahme an den wöchentlichen Proben und an den öffentlichen Auftritten Verantwortung für den Verein zu zeigen“ forderte er seine Musikkolleginnen und Kollegen auf. Das Weinfest, das Inndammfest, den Vereinsjahrtag und die Vorbereitung zur Durchführung des Herbst-Konzertes mit der Verabschiedung von Stadtkapellmeister Michael Kummer nannte er als wichtige zukünftige Terminverpflichtungen.

Dirigent gibt Taktstock ab

Den Taktstock schwingt Michael Kummer als Stadtkapellmeister schon über 30 Jahre in Wasserburg. Die letzten Jahre der Lockdowns und Wiederanfänge danach hat ihn, wie er sagte „auf die neue Blickrichtung des Aufhörens vorbereitet“. Bemerkenswert hat er in dieser Zeit das Engagement der Mitglieder für den Zusammenhalt des Vereins wahrgenommen. „Macht weiter so. Ich habe da keine Angst für die Zukunft der Stadtkapelle“ sagte Kummer und erzählte von dem Zufall, dass gerade auf der Herfahrt von seinem Wohnort nach Wasserburg Reinhard May mit seinem Lied „Gute Nacht Freunde“ erklang.

Erste weibliche Dirigentin folgt

„Es war schon eine große Herausforderung und trotzdem ein Luxusproblem, unter anfangs sieben Bewerbungen dann eine Entscheidung treffen zu müssen“ sagte Georg Machl als Erster Vorsitzender der Wasserburger Stadtkapelle bei der Jahreshauptversammlung des Musikvereins. Am Ende waren es noch drei Bewerbungen, die zum Probedirigat eingeladen wurden und unter denen die Vorstandschaft zuletzt die Wahl zu treffen hatte. Zur Beratung war ein Expertenrat eingesetzt und das Stimmungsbild des gesamten Orchesters wurde entsprechend der Satzung abgefragt. Ebenso wie die Einschätzung vom derzeitigen musikalischen Leiter Michael Kummer nachgefragt wurde. Dazu gab es nach der Aussage des Stadtkapellen-Vorstandes noch lange, gute und disziplinierte Bewerbungsgespräche. „Und es war eine schwierige und enge Entscheidung“ wie Georg noch hinzu fügte. Den Zuschlag oder musikalisch gesagt, den Einsatz für und bei der Stadtkapelle erhielt die gebürtige Halfingerin Barbara Bschorr. Aufgewachsen ist sie in einer regelrechten Musikerdynastie. Der Uropa war Geigenbauer, der Vater und der Bruder sind mit der Klarinette musikalisch unterwegs.

Derzeit ist Barbara Bschorr an der Sing- und Musikschule der Stadt Schrobenhausen tätig. Dort ist sie Leiterin des Blasorchester, des Jugendorchesters und der sogenannten Bläserkids. Als Instrumentallehrerin bildet sie angehende Musikerinnen und Musiker an der Posaune, dem Tenorhorn und der Tuba aus. Spaß macht ihr auch die derzeitige Leitung von zwei Bezirksorchestern im Allgäu Schwäbischen Musikverband sowie die Arbeit als Dozentin.

Am 14. Januar 2023 wird Barbara Bschorr die erste Probe mit der Stadtkapelle in Wasserburg leiten.

Noch-Stadtkapellmeister Michael Kummer, der das ganze Verfahren als „fast wie eine Oscar-Verleihung“ kommentierte, wird sich in Wasserburg mit dem Herbst-Konzert verabschieden. „Es ist ein sauberer und schmerzloser Übergang, was in der Historie der Stadtkapelle nicht immer so war“ sagte er zu seiner Nachfolge-Entscheidung. Die ersten Proben für das Konzert am 5. November, das bezeichnenderweise den Titel „Finale“ trägt, haben schon begonnen.

Factbox: Finanzen sind „positiv stabil“

„Finanziell kam die Stadtkapelle einigermaßen durch die schwierigen vergangenen Jahre“ bestätigte Markus Burlefinger als Kassenverwalter des Vereins. Die Einnahmeausfälle konnten durch entsprechende Sparmaßnahmen und durch die Treue der Sponsoren, Spender und der Stadt Wasserburg übersichtlich gestaltet werden. Zumal in naher Zukunft nicht unerhebliche Investitionen anfallen werden. Beispielsweise für neue Instrumente, Hüte, Joppen und Leiberl bei den Trachten. „Und irgendwann wird für die Stadtkapelle der finanzielle Anteil für den energetischen Dachumbau über dem Probenheim fällig sein“ sagte Georg Machl, der die finanzielle Lage des Vereins als „positiv stabil“ bezeichnete. „Wunschlos glücklich mir einer perfekten Kassenführung“ bezeichnete Bettina Wittenzellner für die Kassenprüfer das Ergebnis des Kontrollauftrages darauf zu schauen, dass die Gelder, die zum großen Teil von privaten Gönnern, Freunden und der öffentlicher Hand kommen, auch richtig und sauber verwaltet und ausgegeben werden.

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