So viel kostet künftig ein Grab auf den städtischen Gottesackern

Erhöhung der Wasserburger Friedhofsgebühren ein „Teufelskreis“?

Wasserburger Friedhof „Am Herder“
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Der Friedhof „Am Herder“ in Wasserburg.

Wasserburg - Das „Grabsterben“ ist auf den Friedhöfen „Im Hag“ in der Altstadtstadt und „Am Herder“ deutlich zu sehen: Die Lücken zwischen den Gräbern nehmen zu. Ist es da nicht eher kontraproduktiv, ausgerechnet jetzt die Gebühren für Grabstätten zu erhöhen? Dieser Entscheidung im Wasserburger Rat ging eine kontroverse Debatte voraus.

Vieles wird 2021 etwas teurer in der Innstadt – neben dem Parken am Gries hebt die Stadt auch die Gebühren für die Grabstätten auf dem Altstadtfriedhof „Im Hag“ sowie dem Friedhof „Am Herder“ an. Dies hat der Stadtrat am vergangenen Donnerstagabend (3. Dezember) beschlossen.


Problem „Grabsterben“ auf städtischem Gottesacker

Immer mehr Grabstätten werden aufgelassen: Von einem „Flickenteppich“ sprach beispielsweise Armin Sinzinger (Freie Wähler/Wasserburger Block). Eine Erhöhung der Friedhofsgebühren sei da doch eigentlich eher kontraproduktiv, waren sich viele Stadträte einig. Denn immer weniger Familien zahlen immer mehr für die Benutzung der Bestattungseinrichtungen. „So geht es nicht weiter“, zeigte sich Elisabeth Fischer (CSU) überzeugt. Auch Norbert Buortesch (Bürgerforum) forderte „ein Konzept gegen die Leerstände“ auf den städtischen Friedhöfen.


Christian Flemisch (ÖDP) verlas sogar eine lange schriftliche Stellungnahme, in der er die Erhöhung der Friedhofsgebühren als „Teufelskreis“ bezeichnete. Der Friedhof sei außerdem nicht nur eine Begräbnisstätte, sondern auch ein Rückzugsort der Besinnung und Stille. Markus Pöhmerer (Wasserburger Block/Freie Wähler) sprach gar von einer kulturellen Einrichtung. Flemisch, der auch auch Pfarrgemeinderatsvorsitzender von St. Konrad ist, appellierte an die Stadt, durch den Verzicht auf die Erhöhung zu unterstreichen, „dass ihr die religiöse und spirituelle Rückbesinnung auf die Verstorbenen“ etwas wert sei.

Mehrheitliches Beschluss für die Erhöhung der Grabstätten-Gebühren

Viele Wünsche und Anliegen kamen auf den Tisch, doch am Ende half alles nichts: Denn der Kommune sind rechtlich die Hände gebunden. Einrichtungen wie ein Friedhof müssten kostendeckend betrieben werden, erläuterte Hauptverwaltungsleiter Thomas Rothmaier. Alle vier Jahre würden die Gebühren neu kalkuliert, der kommunale Prüfungsverband sehe die Notwendigkeit, zu erhöhen. „Wir kommen da nicht aus.“ Würde der Stadtrat diesen Schritt nicht vollziehen, könnte die Rechtsaufsicht rügen, Sitzungsleiter und Zweiter Bürgermeister Werner Gartner (SPD) warnte vor einem „rechtswidrigen Beschluss.“

Zähneknirschend stimmte die Mehrheit mit 18 zu sechs Stimmen der Erhöhung um etwa zehn Prozent zu. Auf ein Jahr umgerechnet zahlen die Bürger jedoch nur wenige Euro mehr:

  • „Am Herder“ erhöhen sich die Gebühren für ein einstelliges Grab – berechnet auf 20 Jahre – per anno um 4,15 Euro, beim Doppelgrab pro Jahr um 8,35 Euro.
  • Ein einstelliges Grab in der Altstadt kostet auf 15 Jahre berechnet nun 832 statt 763 Euro, ein Doppelgrab 1.010 statt 927 Euro.

Die Laufzeit für den Friedhof „Im Hag“ in der Altstadt beträgt 15 Jahre, für den Gottesacker „Am Herder“ 20 Jahre.

mb

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