Stadtrat lockert Sperrzeitverordnung in der Altstadt

So lange darf bald wieder in Wasserburg gefeiert werden

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Künftig kann in Wasserburg wieder länger gefeiert werden. Der Stadtrat lockerte die Sperrzeitverordnung. 
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Wasserburg - Nach einer relativ kurzen Diskussion entschied der Stadtrat: Die umstrittene und zuletzt massiv in die Kritik geratene Sperrzeitverordnung in der Altstadt wird gelockert. 

Mit 15:10 Stimmen stimmten die Wasserburger Räte in ihrer Stadtrats-Sondersitzung am 13. Dezember mehrheitlich für Variante b) und folgten damit dem Antrag von Irene Langer (SPD): Die Sperrzeitverordnung wird verkürzt. Lokalitäten in der Altstadt dürfen werktags künftig bis 2 Uhr und an den Wochenenden sowie vor Feiertagen bis 5 Uhr morgens öffnen

Antrag a) der Grünen Stadtratsfraktion um Sprecher Christian Stadler zur Rückkehr der gesetzlichen Sperrzeit, die erst ab 5 Uhr gilt, wurde mit 20 Gegenstimmen abgelehnt

Gespräche ausschlaggebend für Sperrzeit-Lockerung 

Bisher galt die Regelung von werktags bis 1.30 Uhr und an Wochenenden bis 3 Uhr morgens. Dies sei nun ein erster Schritt, dem jungen Partyvolk in Wasserburg entgegen zu kommen. "Ich hoffe, dass diese Entscheidung auch von den Wirten so umgesetzt wird und wir keine erneuten Probleme bekommen", betonte Bürgermeister Michael Kölbl. 

Die Sperrzeit war 2016 eingeführt worden, nachdem es nachts vermehrt zu Beschwerden der Altstadtbewohner und Verschmutzungen sowie Randalen im Altstadtbereich gekommen ist. Inzwischen seien die Einsätze der Polizei deutlich zurückgegangen, wie Kölbl erläuterte. "Nach diversen Gesprächen, darunter einem Sicherheitsgespräch mit Polizei, Gastronomie sowie Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats, haben wir entschieden, den jungen Erwachsenen entgegenzukommen und die Sperrzeit zu lockern." 

Jenes Sicherheitsgespräch war übrigens auch für Stechlkeller-Betreiber Peter Fichter ausschlaggebend, die Kellerbar wieder nach zweimonatiger Schließung zu öffnen. 

Gegenüber wasserburg24.de äußerten die Fraktionssprecher im Stadtrat ihre Meinung zur Zukunft der Sperrstunde in Wasserburg. Die Entscheidung des Rats geht nun sogar weiter, als es die jungen Wasserburger in der Bürgerfragestunde im September mit einem Tag in der Woche ohne Sperrzeit gefordert hatten

Die "Rückkehr zur alten neuen Regelung" gelte laut Kölbl unbegrenzt und erst mit Veröffentlichung in der nächsten Ausgabe der Wasserburger Heimatnachrichten. Die Verwaltung werde zeitnah und regelmäßig das Gespräche für Feedback mit Vertretern von Polizei und Gastronomiebetrieben suchen.

Das Modell a), das auch Kölbl bis auf den Unterschied, an Wochenenden um 4 Uhr den Riegel vorzuschieben statt um 5 Uhr morgens, favorisiere, lehne sich an das des Nachtlebens in Rosenheim an. "Es besteht ja grundsätzlich zum einen das Interesse, die Nachtruhe für - mitunter berufstätige - Anwohner der Altstadt zu gewährleisten und zum anderen den Jugendlichen die Möglichkeit abends furtgehen können, zu geben."

Meinungen aus dem Stadtrat: 

Irene Langer (SPD), deren Antrag auch angenommen wurde, erklärte zu Beginn der Diskussion, für sie sei es wichtig, eine Verbesserung der nächtlichen Situation in Wasserburg zu erreichen: "Es ist auffällig ruhig in Wasserburg. Wir haben so eine schöne Stadt aber nachts ist nichts los. Vor allem für die Jungen ist momentan nichts da. Ich bin der Meinung, wir sollten unsere Jugend in Wasserburg erhalten, denn die brauchen wir dringend und darum plädiere ich für eine Öffnung der Sperrzeit und zur gesetzlichen Sperrstunde zumindest an den Wochenenden zurückzukehren." 

Für Fraktionskollege und SPD-Sprecher Wolfgang Janeczka mache es keinen Unterschied, ob die Lokalitäten bis 4 oder 5 Uhr morgens offen hätten: "Das Problem, das ich sehe, ist, Wirte zu finden, die überhaupt mitmachen und so lange wieder öffnen in der Altstadt. Dennoch ist es jetzt wichtig, ein Signal zu setzen und möglichst viel Liberalität zu zeigen." 

Edith Stürmlinger (Bürgerforum) sah es ähnlich wie Langer: "Wir müssen den Jugendlichen ein Signal geben, dass es in Wasserburg wieder lohnt, wegzugehen. Ich hoffe wirklich, dass die Altstadtbewohner diesen Kompromiss in Kauf nehmen können und der Polizei Arbeit ersparen, indem sie nicht sofort zum Telefonhörer greifen." 

Sophia Jokisch (Die Linke) schweifte in die Vergangenheit: "Ganz zu Beginn der Diskussionen um Einführung der Sperrzeit gab es eine Unterschriftenliste in den Kneipen. Ich bin der Überzeugung, dass wir heute nicht mehr so viele Unterschriften sammeln könnten, da die Leute viel weniger geworden sind in den Wasserburger Gastronomiebetrieben. Ich finde, alle Gruppen sollten zusammen leben können in der Altstadt. Wir sind ein Schulstandort und die jungen Leute kommen zum Arbeiten und Studieren zu uns - da ist es doch schade, dass man abends nicht mehr furtgehen kann in Wasserburg." Ihrer Meinung nach sei das Hauptproblem der Unruhe in der Stadt mit dem Rauchverbot in den Kneipen einher gegangen sei. 

Christian Stadler (Grüne) sprach sich komplett für die Abschaffung der Sperrzeit aus. "Als die Einführung der Sperrzeit kam, haben wir Grüne gesagt, um 3 Uhr morgens stehen die Partygäste auf den Straßen und schreien rum. Das hat sich nicht bewahrheitet. Vielmehr dodlt das Kneipenleben in Wasserburg vor sich hin, die Leute kommen erst gar nicht mehr. Natürlich ist es für die Polizei angenehm, aber für Wasserburg ist das schlecht. Ein Kompromiss bringt aber nun mal mit sich, dass immer einer unzufrieden ist." 

In den Augen Markus Bauers (CSU) sei der ursprüngliche Vorschlag Kölbls, werktags die Sperrzeit um 2 und an den Wochenenden bis 4 Uhr zu lockern, kein Kompromiss, sondern vielmehr ein nächster Schritt, den er auch gerne gehen hätte wollen: "Es ist an der Zeit etwas zu ändern. Es ist viel weniger los in der Altstadt, was auch daran liegt, dass zeitgleich mit Einführung der Sperrzeit viele gastronomischen Betriebe aufhörten. Außerdem haben wir eine gewisse Lokalität außerhalb der Stadt seit Jahren nicht mehr. Nach drei Uhr morgens ist darum Schicht im Schacht. Deshalb wäre ich dafür, den nächsten Schritt zu gehen und wenn der funktioniert, könnten wir weitergehen." 

Bauer appellierte allgemein an Polizei, Wirte, Partygäste und Anwohner gleichermaßen, denn "nur mit einer vernünftigen Atmosphäre kann das Nachtleben gelingen".

mb

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